Autoschwemme aus Japan befürchtet

Die EU und Japan haben Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen vereinbart. Die EU-Kommission verspricht neue Arbeitsplätze – doch die Autobranche ist skeptisch.

Die europäischen Autohersteller fürchten, wegen der Marktabschottung in Japan nicht richtig Fuss fassen zu können: Für den Export bestimmte Autos im Hafen von Yokohama.

Die europäischen Autohersteller fürchten, wegen der Marktabschottung in Japan nicht richtig Fuss fassen zu können: Für den Export bestimmte Autos im Hafen von Yokohama. Bild: Keystone

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Die Europäische Union und Japan nehmen Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen auf. Darauf einigten sich der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, und der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe, in einem Telefongespräch.

Die erste Verhandlungsrunde ist auf April angesetzt. EU-Handelskommissar Karel De Gucht sprach bei einem bilateralen Treffen von Wirtschaftsvertretern in Tokio von einem «ambitionierten» Schritt.

Autohersteller befürchten Nachteile

Er vertraue darauf, dass Japan die gemachten Zusagen zum Abbau von Handelsbarrieren einhalten werde. Mit einer Schutzklausel behält sich die EU-Kommission das Recht vor, die Gespräche mit Tokio anderenfalls nach einem Jahr wieder abzubrechen.

Vor allem die europäischen Autohersteller befürchten Nachteile aus dem Abkommen. Sie erwarten eine Schwemme japanischer Fahrzeuge, wenn die EU-Zölle von 10 Prozent für Autoimporte schrittweise abgebaut werden. Die Branche fürchtet zudem, wegen der Marktabschottung in Japan dort nicht richtig Fuss fassen zu können.

Es gebe in Japan «noch immer zu viele Barrieren», beklagte De Gucht. Japan verlangt laut Experten andere Sicherheitsvorkehrungen, andere Lärmmessungen und andere Abgaswerte als die EU. Auch öffentliche Aufträge seien nur unter grössten Mühen zugänglich.

420'000 neue Arbeitsplätze

Laut der Kommission, die die EU in Handelsfragen vertritt, könnten verstärkte Ausfuhren nach Japan rund 420'000 neue Arbeitsplätze in der EU bringen. Der britische Handelsminister Lord Green begrüsste denn auch die Einigung auf den Beginn von Verhandlungen über einen Handelspakt mit Japan. Dies sei ein «wichtiger Schritt» hin zur Liberalisierung des Handels zwischen zwei der grössten Wirtschaftsregionen der Welt.

Die EU setzt auf bilaterale Handelsabkommen, weil die laufende Doha-Freihandelsrunde innerhalb der Welthandelsorganisation WTO seit über 10 Jahren blockiert ist. Eigentlich wollten beide Seiten den Verhandlungsbeginn bei einem Gipfeltreffen in Tokio vereinbaren, das jedoch wegen der Zypern-Krise auf unbestimmte Zeit verschoben worden ist.

Drittgrösster Handelspartner

Die EU war im vergangenen Jahr weiterhin Japans drittgrösster Handelspartner nach China und den USA mit einem Anteil von 9,8 Prozent am gesamten Aussenhandel. Die Importe aus der EU beliefen sich auf 6,64 Billionen Yen (rund 66 Milliarden Franken). Nur aus China importierte Japan 2012 mehr.

Die Exporte in die EU-Länder gingen jedoch angesichts der Eurokrise um 14,7 Prozent auf 6,5 Billionen Yen zurück. Das entspricht einem Anteil von rund 10 Prozent an Japans gesamten Ausfuhren in dem Jahr. (mw/sda)

Erstellt: 25.03.2013, 13:59 Uhr

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