Hintergrund

Big Data wird Big Business

Von Robotern und Software gesteuerte Maschinen gewinnen Quizshows, entwickeln Medikamente und Kochrezepte. Und vor allem kann man mit ihnen bald sehr viel Geld verdienen.

Mann gegen Maschine: Der Supercomputer Watson in der TV-Show «Jeopardy» (14. Februar 2011).

Mann gegen Maschine: Der Supercomputer Watson in der TV-Show «Jeopardy» (14. Februar 2011). Bild: Keystone

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1996 gelang es Deep Blue als erstem Computer der Welt, den damals amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparow zu besiegen. Das Superhirn war von IBM entwickelt worden. Deep Blue war eine Mischung aus Spass der Wissenschaftler und einem Marketing-Gag. Er verschaffte IBM weltweit Schlagzeilen, aber kommerziell gesehen war er uninteressant.

Inzwischen hat Deep Blue einen Nachfolger. Er heisst Watson und kann mehr als sein Vorgänger, viel mehr sogar. Watson hat komplette Bibliotheken in seinem Gehirn digital gespeichert und kann sie mit seinen Algorithmen blitzschnell durchsuchen und die gewünschten Inhalte abrufen. Dank dieser Eigenschaften hat er bereits in «Jeopardy», einer US-TV-Quizshow, die menschlichen Gegenspieler weit hinter sich gelassen. Gestern hat IBM in seinem Forschungszentrum in San Jose im Bundesstaat Kalifornien die neuesten Tricks von Watson vorgeführt. Sie zeigen, dass die Spassphase bald vorbei sein wird und die Roboter nun ernsthaft Geld verdienen werden.

Führende Rolle von IBM

Big Data heisst das Zauberwort. Darunter versteht man das Sammeln und Auswerten von riesigen Datenmengen. Das gelingt immer besser, weil die Computer immer leistungsfähiger werden. Nach wie vor gilt das von Intel-Mitbegründer Gordon Moore schon in den 1960er-Jahren entdeckte Gesetz, wonach sich die Anzahl der Transistoren, die sich auf einem Chip unterbringen lassen, etwa alle 18 Monate verdoppelt. Das bedeutet, dass die Rechenfähigkeit der Computerhirne sich exponentiell vergrössert und sie deshalb in der Lage sind, immer komplexere Aufgaben immer schneller zu lösen.

IBM ist führend auf dem Gebiet von Big Data. Das Unternehmen hat dieses Geschäftsfeld seit Jahren aufgebaut. Es beschäftigt auf diesem Gebiet rund 9000 Sacharbeiter und 400 Mathematiker, die rund 10'000 Kunden betreuen. Bei den Kunden handelt es sich um Unternehmen, Ämter der öffentlichen Verwaltung und wissenschaftliche Labors, die eine immer grösser werdende Datenflut bewältigen müssen.

Für Pharmakonzerne und Meisterköche gleichermassen interessant

Ein typisches Beispiel ist der Pharmahersteller GlaxoSmithKline. Der Forschungschef des Unternehmens, John Baldoni, hat Watson bei seinem Auftritt in der Quizshow verfolgt. Was ihn dabei besonders beeindruckte, war die Fähigkeit des Superhirns, alle falschen Antworten sofort zu eliminieren. Bei der Entwicklung von Medikamenten sind ähnliche Fähigkeiten gefragt. «Glaxo und IBM-Forscher machten deshalb mit Watson einen Test», schildert die «New York Times» das weitere Vorgehen. «Sie fütterten ihm alle bekannte Literatur über Malaria, bekannte Anti-Malaria-Medikamente und andere chemische Komponenten. Watson konnte korrekt alle Anti-Malaria-Medikamente identifizieren und er regte an, 15 weitere Substanzen zu testen.»

IBM rechnet damit, dass seine Big-Data-Abteilung mit solchen Projekten bereits im Jahr 2015 einen Umsatz von 16 Milliarden Dollar erzielen wird. Vorläufig darf aber der Spass nicht ganz fehlen. Watson kann nicht nur Medikamente analysieren, sondern auch Kochrezepte neu zusammensetzen. Aus rund 20'000 bekannten Rezepten und Angaben über Nahrungsmittelchemie und Gewürze hat er ein neues Frühstücksgebäck entworfen. Es ist von der spanischen Küche inspiriert, enthält Kakao, schwarzen Pfeffer, Mandeln und Honig – aber keine Butter. Und wie schmeckt es? «Wirklich gut», lautet das Urteil der Wissenschaftler.

Erstellt: 28.02.2013, 14:23 Uhr

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