«Glauben Sie mir, es wird ausreichen»

Aussagen von Mario Draghi befeuern die Börsen. Der EZB-Präsident formulierte in einer Rede Sätze, mit der die EZB bereits früher Eingriffe am Anleihemarkt begründet hatte.

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Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat weitere Unterstützung für die Krisenstaaten der Eurozone signalisiert. «Die EZB wird alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten», sagte Draghi am Mittag bei einer Rede in London. Im Rahmen des geldpolitischen Mandats sei die Notenbank bereit, alles Nötige zu tun. «Und glauben Sie mir – es wird ausreichen.»

Darüber hinaus sagte Draghi, der Transmissionskanal für die Wirkung der Geldpolitik sei durch das hohe Zinsniveau bei den Staatsanleihen der Krisenländer gestört. Das ist eine Formulierung, mit der die EZB bereits früher Eingriffe am Anleihemarkt begründet hatte. «Draghis Kommentare haben die Märkte erleichtert», sagte Credit-Suisse-Analyst Bernd Berg gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Bankentitel sind grösste Gewinner

Die europäischen Börsen schossen kurz nach 12 Uhr um zirka 1 bis 1,5 Prozent in die Höhe. Zu den grössten Gewinnern zählen die Grossbanken in Frankreich und Italien. Die Aktien von Crédit Agricole, Unicredit und Société Générale legten zwischen vier und sieben Prozent zu. Die Renditen für 10-jährige spanische Staatsanleihen sackten um ganze fünf Prozent ab. Genau die Wirkung, welche man sich erhofft hatte.

Noch am Morgen hatte Italien bei der Platzierung von Staatsanleihen mit zwei Jahren Laufzeit den höchsten Zinssatz seit November hinnehmen müssen. Von 4,71 Prozent im Vormonat stieg der Zinssatz auf 4,86 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit dem Amtsantritt der Technokratenregierung von Ministerpräsident Mario Monti. Die Auktion der Anleihen im Wert von 2,5 Milliarden Euro war am Donnerstag 1,78-fach überzeichnet.

Investoren zeigten sich besorgt darüber, dass es Italien nicht gelingen könnte, die Wirtschaft auf den Wachstumspfad zurückzuführen. Die italienische Staatsverschuldung hat mit 123 Prozent des Bruttoinlandsprodukts die zweithöchste Quote unter den 17 Euroländern erreicht.

Märkte erwarten temporäre Massnahmen

«Wir müssen die finanzielle Fragmentierung in den Griff kriegen», sagte Mario Draghi in London. Die Äusserungen des EZB-Präsidenten werden von Analysten als Ankündigung bevorstehender Eingriffe aufgefasst. «Käufe spanischer und italienischer Anleihen sowie ein weiteres LTRO-Programm liegen als Optionen bei der EZB auf dem Tisch», sagt Chris Scicluna, Ökonom von Daiwa Capital Markets in London, der Nachrichtenagentur Bloomberg. «Doch die Anleihenkäufe dürften temporär und in ihrem Ausmass begrenzt sein – genau so wie letzten Sommer.»

Unter dem SMP-Kaufprogramm hatte die EZB bis im April dieses Jahres über 200 Milliarden Euro an Anleihen europäischer Krisenstaaten gekauft. Die Fortschritte, die Europa seither gemacht hätte, würden von den Märkten unterschätzt, sagte Mario Draghi. Die Eurozone sei stärker, als viele denken würden. Nach Draghis Rede machte der Euro umgehend Boden gut. Aktuell steht die Einheitswährung bei 1.2265 Dollar, was einem Tagesplus von 1,16 Prozent entspricht.

«Die EZB ist offenbar gewillt, Verantwortung zu übernehmen», wird Marco Valli, Chefökonom von Unicredit, von Bloomberg zitiert. «Doch die Zentralbank will zuerst ein Handeln der Politik sehen. In der aktuellen Phase wird die EZB noch nicht aktiv werden.» Bereits gestern hatte sich EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny in einem Zeitungsinterview dafür ausgesprochen, dem Rettungsschirm ESM eine Bankenlizenz zu erteilen. Die Feuerkraft des Fonds würde somit vervielfacht. (bru/ssc/cpm)

Erstellt: 26.07.2012, 12:50 Uhr

«Die EZB wird alles Notwendige tun»: Notenbankpräsident Mario Draghi. (Bild: Keystone )

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