Cablecom mit Weltrekord – den Kunden nützt es wenig

Ein Geschwindigkeitstest soll zeigen, dass das Netz von Cablecom zukunftssicher ist. Doch es bleibt anfällig für Fehler.

Das Kabel ist das eine, doch noch wichtiger sind die Empfangsgeräte: Ein Cablecom-Mitarbeiter bei Reparaturarbeiten.

Das Kabel ist das eine, doch noch wichtiger sind die Empfangsgeräte: Ein Cablecom-Mitarbeiter bei Reparaturarbeiten. Bild: Keystone

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Eric Tveter sagt es stolz mit geschwellter Brust: «Cablecom ist zurück.» Die Schweizer Kabelnetzbetreiberin knüpfe an ihre Serie früherer Pionierleistungen an – etwa der Einführung von Breitbandinternet. Der Cablecom-Chef spricht von einem technischen Versuch im Labor. Die Cablecom hat getestet, wie viel Daten ihr Fernsehkabel heute pro Sekunde im besten Fall übertragen kann. Das Ergebnis ist laut Cablecom ein Weltrekord: 1370 Megabit pro Sekunde. Im Vergleich: Der durchschnittliche Schweizer Haushalt surft mit 5 bis 10 Megabit pro Sekunde. Das schnellste erhältliche Angebot liefert 100 Megabit.

Der Rekord ist jedoch bloss für die Galerie: Unter realen Bedingungen liesse sich das Ergebnis nicht wiederholen. Etwa, weil es heute noch gar keine so schnellen Modems gibt – geschweige denn potenzielle Kunden. Der Antrieb ist ein anderer: «Wir wollten zeigen, dass unser Netz auch in 15 bis 20 Jahren noch konkurrenzfähig sein wird», sagt Netzwerk-Chef Alfred Seiler. Den teuren Glasfasernetzen, welche die Schweizer Städte und die Swisscom derzeit bauen, stehe man in nichts nach.

Einer stört, alle leiden

Das Koaxialkabel, wie wir es vom Fernsehanschluss kennen, ist zwar potent, wie der Test zeigt. Es ist aber auch sensibel. Das und der Aufbau von TV-Kabelnetzen führen dazu, dass bei der Cablecom öfter Störungen auftreten als in Telefonnetzen. Beim Swisscom-Netz etwa werden die einzelnen Haushalte sternförmig angeschlossen. Das bedeutet, dass jeder Haushalt sein eigenes Kabel bekommt. Bei der Cablecom hingegen ist die Struktur baumförmig: Die Leitungen für die einzelnen Haushalte gehen wie Äste von einem zentralen Stammkabel ab. Kunden, die am selben Stamm hängen, teilen die Kapazität untereinander auf – und beeinflussen einander gegenseitig. «Wenn etwa jemand selbst an der Hausverkabelung gebastelt hat, kann es passieren, dass sich das Signal bei allen anderen verschlechtert – oder ganz ausfällt», sagt Seiler. «Alle anderen» sind im Extremfall bis zu 800 Haushalte.

Diese Fehleranfälligkeit ist eines der Argumente, wieso das TV-Kabel wohl gar nie 1370 Megabit pro Sekunde wird transportieren müssen. «Es gibt pragmatische Gründe, die für den Umstieg auf Glasfaser sprechen», bestätigt Seiler. Die Betriebssicherheit sei einer davon. Zudem besteht bereits ein Grossteil des Cablecom-Netzes aus Glasfasern. Erst auf den letzten 100 bis 700 Metern bis zum Wohnzimmer werden die störungsanfälligen Koaxialkabel noch verwendet.

Nachbar ist nicht immer schuld

Wenn Cablecom-Kunden mit angezogener Handbremse surfen und die Geschwindigkeit ihres Abos nicht ausnützen können, liegt das nicht immer an einer Amateurverkabelung beim Nachbarn. Auch die Qualität des Cablecom-Netzes ist immer seltener schuld. Heute sind 90 Prozent modernisiert. Ein grosses Problem sind veraltete Empfangsgeräte beim Kunden, sagt Infrastruktur-Chef Seiler: «Mit einem drei Jahre alten WLAN-Modem kann man heute nicht mit 10 Megabit pro Sekunde surfen.» Vielen Kunden sei das nicht bewusst. Fürs laufende Jahr trägt sich die Cablecom daher mit einer Aufklärungskampagne, so Seiler: «Wir wollen, dass unsere Kunden spüren, wie sich das Erlebnis mit höheren Bandbreiten verändert.»

Erstellt: 15.02.2011, 11:53 Uhr

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