Chinas Exporte brechen überraschend ein

So sehr täuschen sich die Ökonomen selten: Statt wie erwartet mehr als 10 Prozent zu wachsen, brachen die chinesischen Exporte im März um 15 Prozent ein.

China verliert einen wichtigen Wachstumstreiber: Ein Verkäufer verschiebt Ware bei einem Kleider-Grossmarkt in Peking. (12. Oktober 2013)

China verliert einen wichtigen Wachstumstreiber: Ein Verkäufer verschiebt Ware bei einem Kleider-Grossmarkt in Peking. (12. Oktober 2013) Bild: Keystone

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Chinas Exporte sind im März überraschend gesunken. Die Ausfuhren gingen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 15 Prozent zurück, wie die Zollbehörde am Montag mitteilte. Das Minus bei den Importen betrug demnach 12,7 Prozent.

Der starke Rückgang des Handels weckt neue Sorgen über den Zustand der zweitgrössten Volkswirtschaft. Experten hatten eigentlich einen Anstieg der Exporte nach dem chinesischen Neujahresfest im Februar um mehr als zehn Prozent erwartet. Der ungewöhnliche Rückgang der Ausfuhren demonstriert die schwache Nachfrage nach Waren «Made in China» in einer schlechten Weltkonjunktur.

Negative Dreimonatsbilanz

Im ersten Quartal ging der Aussenhandel der grössten Handelsnation damit um 6 Prozent auf 5,54 Billionen Yuan (heute umgerechnet 885 Milliarden Franken) zurück, womit China einen wichtigen Wachstumstreiber verliert. Als Ziel für dieses Jahr hatte die Regierung eigentlich einen Zuwachs des Aussenhandels um 6 Prozent vorgegeben.

Die Exporte stiegen in den ersten drei Monaten dieses Jahres noch um 4,9 Prozent, während die Importe um 17,3 Prozent zurückgingen. Der anhaltende Rückgang der Einfuhren deutet auch schwache heimische Nachfrage in China hin. Angesichts der schlechten Handelsdaten rechnen Ökonomen mit neuen Stimulus-Massnahmen.

Nach 7,4 Prozent im Vorjahr soll die chinesische Wirtschaft in diesem Jahr nur noch um «rund sieben Prozent» wachsen – so langsam wie seit 25 Jahren nicht mehr.

Weltbank nimmt Wachstumsprognose leicht zurück

Die Weltbank hat ihre Wachstumsprognosen für China und die gesamte Region Ostasien/Pazifik leicht zurückgenommen. Sie senkte die Zahlen für 2015 und 2016 um jeweils 0,1 Prozentpunkte. In diesem Jahr erwartet sie ein Wirtschaftswachstum der Volksrepublik um 7,1 Prozent.

Im kommenden Jahr dürfte Chinas Wirtschaftsleistung nach den am Montag veröffentlichten Schätzungen noch um 7 Prozent, 2017 schliesslich nochmals etwas schwächer um 6,9 Prozent wachsen.

Die nachlassende Wachstumskraft Chinas, das 2014 um 7,4 Prozent zugelegt hatte, hängt mit den Bemühungen der Regierung zusammen, die Wirtschaft des Landes auf einen stabileren Weg hin zu mehr Investitionen zu führen. Das soll verhindern, dass die Wirtschaft überhitzt und sie weniger verwundbar machen.

Langsame Erholung in Industrieländern als Risiko

Insgesamt spricht die Weltbank dennoch von einem günstigen Ausblick. Es gebe es aber auch erhebliche Risiken. Eines davon sei das ungleichmässige und insgesamt behäbige Wachstum in den Industrieländern. Gehe es in der Euro-Zone und in Japan nicht voran, würde dies den weltweiten Handel beeinträchtigen.

Höhere US-Zinsen und eine damit verbundene Dollar-Aufwertung bei gleichzeitig lockerer Geldpolitik in anderen Industrieländern könnten die Kreditkosten in der Region Asien/Pazifik steigen lassen, zu einem Kapitalabfluss führen und finanzwirtschaftliche Turbulenzen auslösen.

Die mittelfristige Herausforderung der Region bleibe es, mehr für seine Infrastruktur zu tun und sein Bildung- und Gesundheitswesen zu verbessern. (rub/sda)

Erstellt: 13.04.2015, 07:18 Uhr

Aktienkurse legen trotz Handelsdaten zu

Die Aktienmärkte in Fernost haben zum Wochenauftakt keine gemeinsame Richtung gefunden. In Tokio machten die Anleger nach den jüngsten Kursgewinnen Kasse. Die Börsen in China legten dagegen kräftig zu. Die Investoren setzten darauf, dass die Regierung in Peking mit neuen Konjunkturmassnahmen auf den überraschenden Rückgang der Exporte reagieren wird. Der MSCI-Index für asiatische Aktien ausserhalb Japans notierte 0,4 Prozent fester. Die Börse in Shanghai legte 1,8 Prozent zu, der Markt in Hongkong gewann 1,5 Prozent. In Hongkong stieg der Hang-Seng-Index auf den höchsten Stand seit sieben Jahren. Die jüngsten Konjunkturdaten nährten die Erwartung der Investoren, dass die Volksrepublik das Wachstum bald ankurbeln wird. «Künftig werden weitere Konjunkturmassnahmen benötigt», sagte Anlagestratege Nie Wen vom Hwabao Trust in Shanghai. (sda)

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