Das Luxusproblem bei den Leerwohnungen

In der Schweiz stehen wieder mehr Wohnungen leer. Doch die Statistik ist trügerisch.

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Privilegiert. Hochwertig. Exklusiv. Solche Keywords sind auf Immobilienportalen für einen bestimmten Wohnungstypus reserviert. Zum Beispiel für Objekte wie jenes Mehrfamilienhaus im zürcherischen Zollikon: 3½ Zimmer, 140 Quadratmeter, 6080 Franken Miete pro Monat. Auffallend ist die Häufung solcher Wohnungen, wenn man die Inserate nach dem Erscheinungsdatum sortiert. Viele Luxusappartements sind schon seit Monaten ausgeschrieben, trotzdem lässt sich kein Mieter (oder Käufer) finden.

Das Überangebot an hochpreisigen Immobilien ist einer der Gründe dafür, dass die Leerwohnungsziffer angestiegen ist. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete heute über diese Entwicklung: Über die ganze Schweiz hinweg ist die Quote leer stehender Wohnungen per Mitte 2014 erstmals seit sieben Jahren über 1 Prozent gestiegen. Sie liegt jetzt bei 1,08 Prozent. In der Agglomeration Zürich erhöhte sich die Leerstandsquote von 0,65 auf 0,77 Prozent, in der Stadt Zürich von 0,11 auf 0,22 Prozent.

Zögerliche Vermieter

Von dieser Veränderung dürften die meisten Menschen allerdings nicht viel merken. Schon gar nicht in der Stadt, wie Urs Rey von der Abteilung Statistik der Stadt Zürich sagt. «Die zunehmenden Leerstände finden sich meist im teuren Segment.» Dass erschwingliche Wohnungen knapper sind als Hochpreisresidenzen, wird auch in der Auswertung nach Gemeinden deutlich. Die Gemeinden entlang der Goldküste weisen Leerstandsziffern von zwischen 0,9 und 1,5 Prozent auf. In der Stadt, in Zürich-Nord sowie in und um Winterthur sind die Quoten deutlich tiefer.

«Wohntraum an erstklassiger Lage» wird eine weitere Wohnung betitelt, die zentral in Zürich liegt, 3½ Zimmer und 119 Quadratmeter hat und für 5600 Franken pro Monat vermietet werden soll. Dass manche hochpreisige Wohnung leer steht, liegt laut Stefan Schmid vom Immobilienbüro KM&P auch am Verhalten der Besitzer. Diese agieren, als ob die Preise im Luxussegment in den letzten drei Jahren nicht um bis zu 20 Prozent gesunken seien. «Viele Verkäufer machen die nötigen Preisanpassungen nicht», sagt er. «Teure Objekte sind heute tendenziell länger auf dem Markt.»

Druck auf die Mieten

Laut dem Immobilienexperten Stefan Fahrländer wurden in den letzten Jahren zu viele Bauten nach dem Motto «Grösser, schöner, teurer» erstellt. «Nach wie vor kommen solche Objekte auf den Markt», sagt er. Ein Umdenken finde aber inzwischen statt, Projekte würden nachjustiert. Hintergrund der sinkenden Nachfrage nach Luxusimmobilien ist unter anderem, dass wegen der Schwäche des Finanzplatzes weniger Expats nach Zürich ziehen. Im günstigen und mittelteuren Bereich werde sich Situation nur langsam entspannen, wie Patrick Schnorf von Wüest & Partner sagt.

Auch der Immobilienspezialist von Avenir Suisse, Patrik Schellenbauer, rechnet weiterhin mit leichtem Aufwärtsdruck bei den Mieten. Dies, weil die aktuelle Leerstandsquote in vielen Regionen nach wie vor unter der «natürlichen» Leerstandsquote liege. Diese veranschlagte er im Jahr 2011 bei 1,15 Prozent, inzwischen könnte sie minimal gesunken sein. Hauptproblem aus Sicht der Suchenden sei die räumliche Verteilung, sagt Schellenbauer. «Das Gros der Wohnungen wird nicht dort gebaut, wo die Leute wohnen wollen.» Also in oder nahe von Städten und Arbeitsplätzen.

Zu viele Büroflächen

Die anhaltende Knappheit von erschwinglichem Wohnraum in den Städten steht auch im Kontrast zum Überfluss an Büroflächen. Dies zeigen heute veröffentlichte Zahlen aus Zürich. Gemäss der Statistik standen Mitte des Jahres 265'000 Quadratmeter Geschossfläche leer, 10 Prozent mehr als Mitte 2013.

Frappant viele Leerflächen gibt es in der City: Dort erhöhte sich die Leerstandsquote auf 10 Prozent und ist damit über dreimal grösser als im gesamten Stadtgebiet. Laut Urs Rey liegt dies an der Konzentration von Neubauten mit Büroflächen, etwa an der Europaallee. Gleichzeitig hätten manche Unternehmen ihre diversen, über die Stadt verteilten Standorte ausserhalb der Innenstadt zusammengezogen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.09.2014, 16:48 Uhr

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