Das Österreich-Risiko der ZKB

Im Oktober hat die Zürcher Kantonalbank eine Bank in Österreich gekauft, die reiche Osteuropäer betreuen soll. Jetzt belastet die neue Tochter mit einem Betrugsfall das Image des Staatsinstituts schwer.

Der Kauf in Österreich wird jetzt zum Image-GAU: Die Privatinvest Salzburg soll ab dem Sommer den Namen der Zürcher Kantonalbank tragen.

Der Kauf in Österreich wird jetzt zum Image-GAU: Die Privatinvest Salzburg soll ab dem Sommer den Namen der Zürcher Kantonalbank tragen. Bild: PD

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Die Zürcher Kantonalbank hat besonders stark von ihrem Ruf als «saubere» Bank profitiert. Die Skandale um die UBS haben der drittgrössten Schweizer Bank denn auch eine massive Zunahme an neuen Kundengeldern beschert. Diesem Ruf wurde sie auch im vergangenen Sommer gerecht, als sie als erste Schweizer Bank beschloss, sich bei ihren ausländischen Kunden zu erkundigen, ob sie in ihrem Heimatland Steuern bezahlen. Unter den übrigen Schweizer Banken wird das bis heute kontrovers diskutiert.

Jetzt hat dieses Saubermann-Image der Staatsbank allerdings einen herben Dämpfer erlitten. Der Grund liegt im Ausland. Im vergangenen Oktober hat die ZKB die Privatinvest Bank (PIAG) im österreichischen Salzburg erworben. Die Bank im Besitz des Kantons Zürich will von dort aus reiche Kunden für ihr «Private Banking» in den Märkten Österreich, Deutschland, Tschechien, Polen, der Slowakei und Ungarn gewinnen und betreuen. Zum ersten Mal hat die ZKB damit eine Bank im Ausland gekauft. Die Privatinvest beschäftigt 56 Personen und verwaltet Vermögen von 600 Millionen Euro. Die Zürcher planen, die Bank in diesem Sommer auf den eigenen Namen umzubenennen.

Konten auf den Namen von Toten

Jetzt wird die Neuerwerbung zu einem Imageproblem für die ZKB: Denn in Österreich ist die Bank bereits wegen mutmasslicher krimineller Machenschaften eines mittlerweile entlassenen Mitarbeiters in die Schlagzeilen geraten. Die Staatsanwaltschaft hat im Juni eine Hausdurchsuchung in Büroräumen der Bank durchgeführt. Eine erste Anzeige vom Herbst 2008 gegen den Mitarbeiter lautete auf Betrug, eine zweite vom vergangenen Dezember zusätzlich noch auf Geldwäscherei. Was der Beschuldigte genau verbrochen haben soll, ist nicht ganz klar. Laut der NZZ soll er Kundengelder auf namenlose Durchlaufkonten umgebucht und sich damit dann verspekuliert haben.

Laut dem österreichischen Boulevardblatt «Kronenzeitung» soll der Angestellte der Privatinvest Geld über Konten gewaschen haben, die er auf Namen von Verstorbenen eröffnet hat. Die NZZ schreibt, es liege auch der «Verdacht auf Steuerhinterziehung» in der Luft. Das ist exakt jener Verdacht, von dem sich die neue Muttergesellschaft ZKB auf jeden Fall freihalten wollte. Die ZKB bestätigt laut Agenturberichten die Darstellung der NZZ.

Vorwurf der Kursmanipulation

Angezeigt hat die Bank den Mitarbeiter selbst. Sie hat bereits 5 Millionen Euro Schadenersatz an Kunden bezahlen müssen. Das Vorgehen der Staatsanwalt weist nun darauf hin, dass die Behörden auch abklären wollen, ob der Beschuldigte als Einzeltäter gehandelt hat oder ob am Geschäftsmodell des Instituts grundsätzlich etwas faul ist. Tatsächlich ist die Untersuchung der Staatsanwaltschaft nicht der einzige Flecken im Reinheft der ZKB-Tochter.

Wie die NZZ heute weiter berichtet, geriet die Bank in Österreich bereits wegen einer möglichen Kursmanipulation im Zusammenhang mit dem Online-Wettanbieter Bwin in die Schlagzeilen. Im Jahr 2006 soll ein Investor unter anderem mit Unterstützung der Privatinvest und geborgtem Geld Bwin-Aktien künstlich hochgeschraubt haben. Konkret kauften sich die Privatinvest und zwei weitere Banken im Kreis herum die Aktie zu immer höheren Preisen ab. Laut NZZ hatte der Fall «erstaunlicherweise» nie strafrechtliche Konsequenzen.

ZKB wusste vor dem Kauf Bescheid

Auch durch ihre Kundschaft ist die neue Kantonalbank-Tochter im letzten Jahr aufgefallen. Im Fokus steht hier der einstige kasachische Aussenminister Rakhat Aliyev, wie die NZZ ebenfalls heute berichtet. Der einstige Schwiegersohn des kasachischen Präsidenten Nasarbajew war Kunde der Privatinvest. Im Frühjahr 2007 erliess das kasachische Innenministerium einen internationalen Haftbefehl gegen Aliyev. Er wurde beschuldigt, Mitglied einer kriminellen Vereinigung zu sein und an der Entführung, Misshandlung und Erpressung zweier kasachischer Bankmanager beteiligt zu haben. Aliyev wurde zudem schon 2005 von Interpol der Geldwäscherei verdächtigt. Als er versucht hat 12 Millionen Euro von seinem Konto bei der Privatinvest abzuziehen, verweigerte diese das immerhin und meldete den Versuch der zuständigen Meldestelle.

Für die Zürcher Kantonalbank sind die Geschichten um ihre Neuerwerbung im Ausland auch deshalb äusserst peinlich, weil sie beim Kauf über einiges bereits Bescheid wusste. Den Verdacht auf Betrug hat die Privatinvest bereits in ihrem Geschäftsbericht des Jahres 2008 offengelegt, der Skandal um die Bwin-Aktie und den ehemaligen kasachischen Aussenminister fand vor dem Kauf der Bank statt. Bekannt war der Zürcher Staatsbank ausserdem, dass das österreichische Institut alles andere als eine Renditeperle darstellt. Die letzten verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2008 zeigen, dass die Bank einen Ertragsrückgang von 35 Prozent und einen Kostensprung von 40 Prozent erleiden musste. Das hat in einen Bruttoverlust von 4,1 Millionen Euro gemündet.

Vernachlässigbares Risiko

Fragt sich bloss, wieso die Zürcher Kantonalbank die Bank überhaupt gekauft hat. Die Probleme der Bank haben wohl ihren Preis tief gehalten. Veröffentlicht hat ihn die ZKB nie. Laut NZZ soll er sich im tiefen einstelligen Millionenbereich befunden haben. Das unmittelbare finanzielle Risiko des Kaufs ist für die ZKB daher vernachlässigbar. Doch der Imageschaden ist immens. Und im auf Vertrauen beruhenden Bankgeschäft wirkt sich ein solcher auf die Dauer auch in Zahlen aus. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.07.2010, 14:06 Uhr

Hohe Bonität dank Steuerzahlern

Die Zürcher Kantonalbank hat erst von kurzem wieder vermeldet, wie sicher sie dasteht. Dabei verweist sie auf das höchste Rating, das ihr die Ratingagenturen verleihen. Das hat angesichts noch immer verbleibender grosser Unsicherheiten um den Bankensektor eine grosse Bedeutung. Dabei geht unter, dass sich dieses Rating nicht nur auf die Bank alleine bezieht, sondern auch auf die Finanzkraft des Kantons Zürich. Denn dessen Steuerzahler sind es, die für die Bank im schlimmsten Fall geradestehen müssen. Risiken, die die Bank im Ausland eingeht, geht sie daher auch auf Kosten dieser Steuerzahler ein.

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