Das grosse Tourismusgeschäft mit der Champions League

Heimatstädte von Fussballteams profitieren enorm von deren Champions-League-Teilnahmen. Warum Madrid das Nachsehen hatte und wer für Basels Touristiker der Lieblingsgegner des FCB ist.

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Noch ist nicht klar, welche Teams im Champions-League-Final vom 6. Juni spielen werden. Fest steht hingegen schon jetzt, dass das Turnier der besten Fussballmannschaften Europas viel Verkehr generiert: Für die 215 Spiele unternahmen Fans 778'700 Auswärtsreisen, ungefähr zu je einem Drittel per Bahn, Bus und Flugzeug. Es fliesst auch viel Geld: Knapp eine Viertelmilliarde Franken nehmen Städte, Transport- und Tourismusbranche insgesamt während der Champions-League-Zeit ein bezüglich Transportkosten, Unterkunft und Merchandise-Artikeln – Preise von Eintrittskarten nicht eingerechnet. Dies haben die Reisesuchmaschine Goeuro und die Fussballinfo-App Onefootball in einer Erhebung herausgefunden.

Je weiter eine Mannschaft in der Champions League voranschreitet, desto mehr profitiert die Heimatstadt von diesem Wettbewerb – und zwar ähnlich wie während grosser Konferenzen und Messen, wie die Studienmacher festhalten. So bringen Teams, die schon nur an der Gruppenphase beteiligt sind, ihrer Stadt und der Reisebranche rund drei Millionen Franken ein. Ein Vorrücken bis in den Halbfinal verdoppelt diesen Betrag auf fast sechs Millionen Franken:

Basler mögen Briten

Den Einfluss der Champions League bekam auch die Stadt Basel zu spüren, deren FC Basel schon mehrmals in der Champions League mitspielte und 2012 sowie 2015 den Achtelfinal erreichte. Die Stadt habe ebenfalls von den Teilnahmen profitiert, sagt Christoph Bosshardt, Marketingdirektor von Basel Tourismus, auf Anfrage.

Das Champions-League-Spiel gegen den FC Liverpool im September 2014 sorgte laut Bosshardt für rund 2000 zusätzliche Logiernächte. «Das ist viel für unsere Stadt.» Die britischen Fussballteams seien die Traumgegner für den FCB – zumindest aus touristischer Sicht. «Sie kommen früh und konsumieren viel», sagt der Marketingleiter, der augenzwinkernd auch den grosszügigen Bierkonsum anspricht. Wegen der längeren Anreise blieben englische Fans und Sponsoren meistens zwei Nächte in Basel.

Auch das Achtelfinalspiel des FCB gegen den FC Porto diesen Februar generierte mehr Logiernächte als sonst – rund 600 zusätzliche Hotelübernachtungen aus Portugal, wie Bosshard schätzt. Weniger dürften es aus Bayern gewesen sein, als der FC Bayern-München im März 2012 für das Achtelfinalspiel gegen den FCB zu Gast war. «Wegen des kurzen Anreisewegs kommen diese Fans oft nur für einen Tagesausflug zu uns oder bleiben höchstens eine Nacht hier», so Bosshardt. Trotzdem: Eine gewisse Wertschöpfung sei da.

Derby als Nachteil

Äusserst lukrativ dürfte es bald für Berlin werden, Austragungsstätte des diesjährigen Champions-League-Finals. Im Rahmen dieses Mega-Anlasses könnten der deutschen Hauptstadt laut den Studienmachern gut 37 Millionen Franken zufliessen, weil Fans und Sponsoren von gleich zwei auswärtigen Mannschaften anreisen werden.

Das Nachsehen im Champions-League-Zirkus hat hingegen Spaniens Hauptstadt Madrid, deren Mannschaft Real sich für den Halbfinal qualifiziert hat. Während die Heimatstädte der anderen Halbfinalisten – Barcelona, München und Turin – ihren Teams je fast sechs Millionen Franken zu verdanken haben, nimmt Madrid rund 1,8 Millionen Franken weniger ein. Dies, weil der Viertelfinal ein Derby gegen Atlético Madrid war und in der Heimatstadt der beiden Teams ausgetragen wurde. So fiel das Einkommen geringer aus, als wenn Fans von auswärts angereist wären.

Erstellt: 08.05.2015, 17:12 Uhr

Wie die Zahlen zustande kamen

Die Werte basieren auf Reise- und Transportstatistiken aus dem GoEuro-Preisindex mit durchschnittlichen touristischen Ausgaben. Zudem wurde ein Durchschnittswert von Besuchern pro Spiel errechnet, basierend auf früheren Zuschauerzahlen und Ticketverteilungen. Die Reisekosten wurden mithilfe der GoEuro-Suchmaschine zusammengestellt. (or)

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