Das reichste Prozent besitzt bald die Hälfte aller Vermögen

Die Reichsten werden noch reicher: Laut einer Prognose wächst die Ungleichheit bei der Vermögensverteilung weiter. Bereits nächstes Jahr soll eine symbolträchtige Marke erreicht werden.

Die Verlagerung des weltweiten Vermögens: Grafik von Oxfam.

Die Verlagerung des weltweiten Vermögens: Grafik von Oxfam.

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Vom kommenden Jahr an wird das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr als die Hälfte des weltweiten Vermögens besitzen. So die Prognose der britischen Hilfsorganisation Oxfam. Demnach gehörten 2009 44 Prozent des Vermögens 1 Prozent der Weltbevölkerung. Vergangenes Jahr lag der Anteil bei 48 Prozent. 2016 werde er auf mehr als 50 Prozent ansteigen.

«Das Ausmass der globalen Ungleichheit ist einfach erschütternd», erklärte Oxfam-Direktorin Winnie Byanyima gegenüber dem «Guardian». Byanyima wird dieses Jahr am WEF in Davos teilnehmen. Dort wolle sie den Politikern und Wirtschaftsführern eine Botschaft von den Menschen aus den ärmsten Ländern der Erde überbringen: «Diese wachsende Ungleichheit ist gefährlich; sie ist schlecht für das Wirtschaftswachstum und für die Staatsführung. Die Konzentration von Wachstum hat eine Machtverlagerung zur Folge, welche normalen Menschen die Stimme raubt.»

80 Prozent besitzen den Rest von 5,5 Prozent

Die ungleiche Verteilung von Vermögen hört laut der Oxfam-Studie nicht bei dem reichsten 1 Prozent auf. 2014 gehörten 46 Prozent des übrigen weltweiten Vermögens dem Rest des reichsten Fünftels der Weltbevölkerung. Den verbliebenen Reichtum von etwa 5,5 Prozent teilen sich die übrigen 80 Prozent der Menschheit.

Um eine weitere Zunahme der Ungleichheit zu stoppen, fordert Oxfam von den Staaten deshalb mehrere Massnahmen:

  • Bekämpfung von Steuervermeidung und Steuerflucht
  • Besteuerung von Kapital anstelle von Arbeit
  • Einführung von Mindestlöhnen
  • Verbesserung der öffentlichen Dienstleistungen

Die Regierungen müssten sich gegen Interessengruppen durchsetzen, «die einer faireren Welt im Weg stehen», fordert Byanyima. Die Finanz- und Versicherungsbranchen allein setzten in Washington und Brüssel dreistellige Millionenbeträge für Lobbyarbeit ein.

Grössere Vermögen seit 2008

Bezeichnend ist laut Oxfam, dass sich die Vermögen der Reichen vor allem seit der Wirtschaftskrise von 2008 vergrössert haben. Diese These unterstützen auch die Zahlen von Equality Trust. Die Organisation setzt sich in Grossbritannien für mehr Gleichheit ein. Sie sagt: Die hundert reichsten britischen Familien konnten ihr vereintes Vermögen seit 2008 um 15 Milliarden Pfund erhöhen. In der gleichen Zeitspanne wuchs das durchschnittliche Einkommen der Briten um etwa 1233 Pfund.

Mittlerweile beschäftigt die wachsende Ungleichheit auch in der Politik. Neben Papst Franziskus warnen auch IWF-Chefin Christine Lagarde und US-Präsident Barack Obama vor den Schäden, welche die ungleiche Verteilung von Vermögen der Weltwirtschaft zufügen könnte. Auch in Davos wird das Thema zentral sein. Ab Mittwoch kommen da über 300 Staats- und Regierungschefs sowie Manager von Wirtschaftsunternehmen und Vertreter der Zivilgesellschaft fürs WEF zusammen.

Mit Material von AFP angereichert. (kpn)

Erstellt: 19.01.2015, 12:48 Uhr

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