Das schwarze Jahr des Schweizer Alpentourismus

Für den Fremdenverkehr war 2012 bisher ein Tiefschlag. Besonders betroffen sind die Bergregionen. Gegensteuern will man mit mehr Angeboten jenseits des Schneetourismus.

Hotelübernachtungen fielen dieses Jahr auf das Niveau von 1996/97: Projektion eines Schweizer Kreuzes an der Jungfrau 2012.

Hotelübernachtungen fielen dieses Jahr auf das Niveau von 1996/97: Projektion eines Schweizer Kreuzes an der Jungfrau 2012. Bild: Keystone

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Im Schweizer Tourismus zeige sich «ein Silberstreifen am Horizont», erklärte Richard Kämpf vom Seco am Dienstag vor den Medien in Zürich. Dürften die Zahlen 2013 noch leicht im Minus liegen, sollten sie ab 2014 wieder schwarz sein. Seine Prognose begründete Kämpf mit vier Punkten: Im Euroraum sei eine Konjunkturerholung und an der Währungsfront eine gewisse Entspannung zu erwarten. Dies führe zu einem Nachholeffekt im Tourismus. Zudem dürfte der starke Zuwachs bei den Gäste aus Asien anhalten.

Das laufende Jahr geht als schwarzes Jahr vor allem in die Annalen des Schweizer Alpentourismus ein. Hier wurde bei den Hotelübernachtungen ein Tiefpunkt erreicht, der fast an die Zahlen von 1996/97 heranreicht. Dass sie nicht noch tiefer sanken, war allein den recht treuen inländischen Gästen zu verdanken. Es werde «ganz schwierig, diese Verluste zu kompensieren», so Kämpf.

Angebote für alle

Schweiz Tourismus nimmt die Herausforderung an. Wie Direktor Jürg Schmid sagte, ist es dazu nötig, gerade im Wintertourismus neue Wege einzuschlagen und auch Gästen etwas zu bieten, die keinen Schneesport betreiben wollten. Die Gesellschaft werde immer älter. Im Durchschnitt hörten Männer mit etwa 65 Jahren, Frauen um die 60 auf mit Skifahren. Zudem kämen immer mehr Menschen aus Kulturen, zu denen Schneesport nicht gehöre. Anderen sage Skifahren und dergleichen generell nicht viel. Ihnen allen wolle und müsse man etwas bieten.

Die Devise heisst «Schneeweisse Wintererlebnisse für Sportler und Geniesser». Vom Skifahren über Winterwanderungen bis hin zu Wellness, von prickelnder Kälte bis hin zum warmen Kaminfeuer. Eine ganze Reihe von Winterwander-Vorschlägen locken Nicht-Skifahrende. Ein Extra-Katalog führt Wellness-Angebote auf.

Trotz zahlreicher alternativer Angebote: Die Ski- und Snowboardfahrer werden nicht vernachlässigt. Viele Destinationen warten mit Neuerungen auf: Da gibt es Pisten-Sofas, Ladies Weeks, Gratis-Angebote für Kinder, besonders günstige Tageskarten ab der zweiten Übernachtung und immer mehr sogenannte Slow Slopes, wo Raser nicht geduldet werden.

Preiswerte Skiferien

Die Mehrheit der Hotels und Bergbahnen hätten auf Preisaufschläge verzichtet, machten Schweiz Tourismus und Seilbahnen Schweiz geltend. Viele Hotels böten sogar Zusatzangebote wie Skipässe bei unverändertem Preis an. Auf der Schweiz-Tourismus-Website sind denn auch Spartipps, besonders preiswerte Hotels und dergleichen aufgelistet.

Eine Breitenwirkung verspricht sich Schweiz Tourismus von verschiedenen IT-Angeboten. Online oder auf Apps gibt es Wintersportberichte, Winterwanderweg-Tipps, ein Online-Gewinnspiel, besondere Hotelangebote und vieles mehr. Bis Februar gibt es für Smartphones und Tablets aller Betriebssysteme die Mobile-Funktion der Website.

Kinder und Jugendliche ansprechen

Kindern und Jugendliche müsse man vermehrt zum Schneesport heranführen, sagte Seilbahnen-Schweiz-Direktor Ueli Stickelberger. Wer bis 12-jährig nicht mit Schneesport angefangen habe, werde das später kaum tun. Stickelberger betonte, dass es durchaus Skigebiete fürs kleine Familienbudget und spezielle Familienangebote gebe.

Zudem fördert Seilbahnen Schweiz – unterstützt vom Seco – Schneesportlager. Eltern können ihre Kinder zu recht günstigen Preisen in Lager schicken, deren Organisation Seilbahnen Schweiz übernimmt. So haben die Lehrkräfte kaum zusätzlichen Aufwand. Insgesamt sind im kommenden Winter laut Stickelberger 500 Lagerwochen in rund 40 Wintersportgebieten im Angebot. (rub/sda)

Erstellt: 30.10.2012, 13:52 Uhr

Schweizer Tourismus unter Druck: Jürg Schmid, Nicole Diermeier und Richard Kämpf nehmen Stellung. (Video: Keystone )

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