Der Coup von Jordans SNB

Überraschend will die Nationalbank nun doch mehr Gewinn an Bund und Kantone verteilen. Warum das? Und wie viel? 10 Punkte zum Geldverteilen der SNB.

Sein Institut dürfte mit der höheren Ausschüttung versuchen, Forderungen frühzeitig den Wind aus den Segeln zu nehmen: SNB-Präsident Thomas Jordan. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Sein Institut dürfte mit der höheren Ausschüttung versuchen, Forderungen frühzeitig den Wind aus den Segeln zu nehmen: SNB-Präsident Thomas Jordan. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Die unerwartete Ankündigung
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) will dem Bund und den Kantonen für das letzte und das erst begonnene Jahr mehr von ihrem Gewinn ausschütten. Mit dieser Mitteilung hat die Notenbank im Rahmen der heutigen Publikation ihrer provisorischen Gewinnschätzung überrascht. Bisher haben die Notenbank und deren Präsident Thomas Jordan alle Forderungen nach einer höheren Ausschüttung abgewiesen.

Mit hohem Gewinn gerechnet
Der enorme Gewinn von 49 Milliarden Franken für das Jahr 2019 wurde so erwartet. Weil er sich hauptsächlich aus Kursgewinnen, Zins- und Dividendenerträgen auf den Devisenanlagen in Aktien, Anleihen und Gold ergibt, konnte er aus den Kursentwicklungen errechnet werden. Die UBS hat bereits am Montag eine entsprechende Schätzung veröffentlicht.

Die normale Ausschüttung
Gemäss der noch bis 2020 geltenden Vereinbarung der SNB mit dem Schweizerischen Finanzdepartement ist die SNB zu einer Ausschüttung von 1 Milliarde Franken verpflichtet, wenn die Ausschüttungsreserve der Notenbank nicht negativ ist. Die Ausschüttungsreserve ergibt sich aus dem aktuellen Gewinn plus der Summe aus aufgelaufenen Gewinnen der Vorjahre, die nach allen Ausschüttungen und der Zuweisung an die Reserven verbleibt.

Zwei Milliarden seit 2017
Beläuft sich selbst nach der Milliarde an Bund und Kantone die Ausschüttungsreserve noch auf über 20 Milliarden Franken, gibt es gemäss der gültigen Vereinbarung sogar 2 Milliarden Franken für die öffentliche Hand. Dieses Geld wird dann zu zwei Dritteln an die Kantone und zu einem Drittel an den Bund verteilt.

Dennoch nur ein kleiner Teil
Seit 2017 schüttete die SNB zwar jährlich die 2 Milliarden Franken aus. Doch der Anteil dieser Ausschüttung am Bilanzgewinn (dem Gewinn des jeweiligen Jahres plus der Ausschüttungsreserve aus den Vorjahren) war dennoch gering. 2018 entsprach er 4,25 Prozent des Bilanzgewinns, 2017 waren es sogar nur 2,9 Prozent.

Die Zurückhaltung der SNB
Die Nationalbank rechtfertigte ihre Zurückhaltung bisher mit stark schwankenden Gewinnen, die hohe Reserven notwendig machen würden. Tatsächlich wirken sich Kursänderungen des Frankens, der Aktien, Anleihen und des Goldes stark auf das Ergebnis aus. 2018 verzeichnete die SNB deshalb für das Jahr einen Verlust von 14,5 Milliarden. Wegen hoher Ausschüttungsreserven dank den Gewinnen aus den Vorjahren belief sich der Bilanzgewinn aber selbst 2018 auf 47 Milliarden.

SNB antizipiert Forderungen
Dank dem erneut enorm hohen Gewinn von 49 Milliarden Franken für das letzte Jahr steigt die Ausschüttungsreserve nach der Gewinnausschüttung jetzt sogar auf 86 Milliarden Franken an. Mit dieser enormen Summe erklärt die SNB denn auch ihre Bereitschaft für eine höhere Ausschüttung. Damit dürfte sie versuchen, entsprechenden Forderungen frühzeitig den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Keine Pleite-Gefahr
Tatsächlich ist kaum ein Ereignis vorstellbar, das zu einem Verlust führen könnte, der im laufenden Jahr 86 Milliarden Franken überstiege. Dazu kommt, dass die SNB auch auf einem überaus komfortablen Eigenkapital sitzt. Seit 2015 ist es von rund 30 Milliarden auf 170 Milliarden Franken angestiegen und beläuft sich jetzt auf 20 Prozent der Bilanzsumme. Anders als eine andere Bank kann die SNB ohnehin nicht Bankrott machen, da sie den Franken selbst schaffen kann.

Wie viel kommt nun für Bund und Kantone dazu?
Die grosse Frage bleibt aber, wie viel mehr die SNB tatsächlich ausschütten wird. Sehr viel mehr als bisher ist nicht zu erwarten – die Nationalbank deutet das schon an, indem sie von einem «begrenzten Ausmass» schreibt. Die Antwort ist erst später im Jahr zu erwarten. Noch wichtiger ist aber: welche Folgen das für die 2021 neu auszuhandelnde Vereinbarung zwischen der Nationalbank und dem Finanzdepartement hat.

Wie sieht es in Zukunft aus?
Ob es in Zukunft regulär höhere Ausschüttungen gibt, bleibt trotz dem Entgegenkommen der SNB zweifelhaft. Das liegt vor allem daran, dass das Potenzial für weitere Gewinnsteigerungen wie in den letzten Jahren gesunken ist. Zuwächse auf Aktien- und Anleihenanlagen sind angesichts historisch rekordhoher Kurse für die nächsten Jahre kaum mehr im gleichen Ausmass zu erwarten. Ausserdem lassen die vielen Unsicherheiten in der Weltwirtschaft und der geopolitischen Lage eher eine weitere Aufwertung des Frankens statt einer Abwertung erwarten. Ein teurerer Franken bedeutet, dass die in fremden Währungen angelegten Devisenreserven der SNB im Umfang von 805 Milliarden Franken in der heimischen Währung an Wert verlieren, was den Gewinn schmälern würde.

Erstellt: 09.01.2020, 11:38 Uhr

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