Der Schweiz gehen die Informatiker aus

Bis in sieben Jahren fehlen der Schweizer Wirtschaft laut zwei Studien 32'000 IT-Fachkräfte. Grossfirmen und Experten schlagen Alarm. Sie wollen den Mangel mit Sofortmassnahmen bekämpfen.

Sichere berufsaussichten: Informatiker werden in den kommenden Jahren zu begehrten Arbeitskräften.

Sichere berufsaussichten: Informatiker werden in den kommenden Jahren zu begehrten Arbeitskräften. Bild: Keystone

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«Mit Papier bewegt man wenig», sagte Andreas Kaelin, Präsident des Vereins ICT-Berufsbildung Schweiz, am Dienstag vor den Medien in Zürich. Es müsse der Dialog mit der Wirtschaft gefunden und einheitliche Leistungsniveaus eingeführt werden. «Wir versuchen, die Jugendlichen weg vom KV, hin zu einer IT-Ausbildung zu ziehen.» Bis 2017 soll der Anteil an Lernenden in der Grundausbildung pro hundert Angestellte 5,4 Prozent betragen, ergänzte Kaelin. Dadurch sollen im Berufsfeld der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) 3000 Ausbildungsplätze entstehen.

Zwei vom Verband in Auftrag gegebene Studien zeigen, dass bis in sieben Jahren in der ICT auf allen Stufen insgesamt 72'100 Mitarbeitende gefragt sind. 55 Prozent davon seien durch Absolventen und Migration gedeckt, 32'000 Fachkräfte dürften fehlen. Dieser Mangel habe sich seit zehn Jahren abgezeichnet, sagte Rudolf Schwarz, Präsident der Stiftung IT-Berufsbildung Schweiz. So begannen an Hochschulen zwischen 2001 und 2008 60 Prozent weniger Informatikstudierende.

Dies hänge mit dem Image der ICT-Berufe zusammen, das nach dem Platzen der Börsenblase gelitten habe. «Viele Unternehmen gliederten die IT-Abteilung aus. Das hat die Jungen verunsichert», sagte Studienleiter Nils Braun.

Keine Einzelgänger gefragt

Bei Abgängern seien vor allem Kommunikations- und Kooperationskompetenzen gefragt, ergänzte Jakob Limacher, Studienleiter bei Frey Akademie AG. «Angestellte müssen Kundenbedürfnisse verstehen. Sie können nicht mehr im stillen Kämmerlein arbeiten.»

Die ICT sei für den Standort Schweiz «enorm wichtig» und ein «Wettbewerbsfaktor», sagte Urs Schaeppi, Leiter des Geschäftsbereichs Grossunternehmen und Mitglied der Konzernleitung der Swisscom. Als eines der grössten IT-Unternehmen habe die Swisscom im IT-Bereich derzeit 110 Stellen offen.

100 unbesetzte IT-Arbeitsplätze hat auch die Grossbank Credit Suisse (CS). Für das Unternehmen arbeiten weltweit über 17'000 und schweizweit über 6000 IT-Fachkräfte. «Wir sind auf eine leistungsfähige IT angewiesen, um erfolgreich zu operieren», sagte Karl Landert, Chief Information Officer und Mitglied der Geschäftsleitung der CS.

Informatikern «droht» Karriere

Unternehmen aus der Finanz-, Versicherungsbranche oder dem Detailhandel fällt es insbesondere schwer, auf dem Schweizer Markt genügend qualifiziertes Personal zu finden. Es sind zu wenig Spezialisten ausgebildet. «Die Zuwanderung ist momentan überdurchschnittlich», sagte Studienleiter Nils Braun.

Um die Ausbildung auf dem Heimmarkt zu stärken, will der Verband einen Bachelor of Science in Informatik als einheitlichen Abschluss etablieren. Junge Nachwuchskräfte sollen transparenten und nahtlosen Zugang zu Fachhochschulen erhalten.

«Wer gut gebildet, arbeitswillig und nicht auf den Kopf gefallen ist, dem droht Karriere», resümierte Alfred Breu, Geschäftsleiter und Präsident der Zürcher Lehrmeistervereinigung Informatik und Vizepräsident ICT-Berufsbildung Schweiz. (pbe/sda)

Erstellt: 17.11.2010, 17:57 Uhr

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