Hintergrund

Deutschlands Goldschatz geht auf Reisen

Auch in Deutschland gibt es Kritik an der Lagerung der Goldreserven im Ausland. Die Deutsche Bundesbank will deshalb Gold im Wert von 27 Milliarden Euro zurückholen. Nun wird spekuliert, wie dies gehen soll.

Künftig wird die Hälfte des deutschen Goldes in Frankfurt gelagert: Undatiertes Foto von Goldbarren der Deutschen Bundesbank.

Künftig wird die Hälfte des deutschen Goldes in Frankfurt gelagert: Undatiertes Foto von Goldbarren der Deutschen Bundesbank. Bild: Keystone

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Deutschland verfügt nach den USA über die zweitgrössten Goldreserven der Erde. Rund 3396 Tonnen umfasst der Goldschatz. Doch das Edelmetall – sein Wert wird mit 133 Milliarden beziffert – lagert teilweise im Ausland. Dies wird sich in den nächsten Jahren nun ändern: Die deutsche Notenbank will 674 Tonnen Gold aus den USA und Frankreich nach Frankfurt holen, berichtet Süddeutsche.de.

Schrittweise sollen bis 2020 300 Tonnen Gold aus der amerikanischen Notenbank in New York und 374 Tonnen aus Paris nach Frankfurt überführt werden. Damit befindet sich in Zukunft die Hälfte der deutschen Goldreserven in der Bankenstadt. In New York werden weiterhin 37 Prozent des Goldes untergebracht sein und in London wie bisher 13 Prozent. Das Lager in Paris wird mit dem Transfer aufgehoben.

Reserven besser kontrollieren

Mit der angekündigten Rückführung des Goldes im Wert von 27 Milliarden Euro beugt sich die Deutsche Bundesbank laut dem «Handelsblatt» der steigenden Kritik bezüglich ihres Einlagerungskonzepts. Die deutschen Goldreserven im Ausland waren in der Vergangenheit von verschiedenen Seiten unter Beschuss geraten. So fordert die Initiative «Holt unser Gold heim!» schon seit langem, dass Deutschlands Gold im Land selber gelagert werden sollen. Die Initianten befürchten, dass die Goldreserven im Zuge der Eurorettung enteignet werden könnten. Laut der Wirtschaftszeitung unterzeichneten bisher 13'000 Menschen das Volksbegehren.

Zuletzt hatte der Bundesgerichtshof im Herbst 2012 heftige Kritik an der Bundesbank geübt. Unter anderem sei das Gold in Krisenfällen nicht verfügbar. Zudem wurde das Lagerungskonzept abgemahnt. Die Reserven müssten regelmässiger und besser kontrolliert werden. Laut der «Handelszeitung» ist nämlich umstritten, ob die bisherige Praxis, sich auf schriftliche Bestätigungen ausländischer Notenbanken zu verlassen, ausreicht. Tatsächlich waren die deutschen Notenbanker laut Süddeutsche.de seit 2007 nicht mehr im Tresorraum des Fed in New York.

Bundesbank-Chef Carl-Ludwig Thiele hatte bereits im Oktober 2012 die Vorteile einer Rückführung gegenüber der Zeitung gepriesen. «Das gibt uns die Gelegenheit, diese Barren zu überprüfen, einzuschmelzen und in die Form des Good-Delivery-Standards zu bringen.» (Standard der London Bullion Market Association, Barren mit einem Feingehalt von 995 ‰, Anm. d. Red.) Nebst diesen Stichproben verhandle man aber auch über die künftige Ausweitung des Revisionsrechts in New York und London.

Teurer und aufwendiger Transport

Die deutschen Goldreserven waren nach dem Zweiten Weltkrieg kontinuierlich gewachsen. Wegen des starken Exportüberschusses musste das Land Gold kaufen, damit die Deutsche Mark nicht aufgewertet wurde. Zumal Frankfurt während des Kalten Krieges nur 130 Kilometer von der innerdeutschen Grenze entfernt lag, war die Angst gross, die Reserven könnten den Soldaten des Ostblocks in die Hände fallen. Also lagerte man Teile davon ins Ausland aus.

Fraglich ist zurzeit, wie eine Rückführung des Goldes effektiv vonstattengehen wird. Bild.de hatte im Oktober 2012 Vermutungen über die Goldtransporte angestellt. Es gebe mehrere Firmen, die auf solche Transporte spezialisiert seien. Vermutlich müsse man die Barren in Sicherheitscontainer verladen. Anschliessend würden sie unter strenger Bewachung per Lastwagen, Flugzeug und Schiff nach Deutschland gebracht.

Offiziell hat die Deutsche Bundesbank bisher keine Details dazu veröffentlicht, wie die Rückführung physisch vonstattengehen könnte. Skeptiker zweifeln jedoch am Nutzen des Vorhabens. Die Kosten für Versicherung und Sicherheit dürften sehr hoch ausfallen. Obendrein könnte der Abzug des Goldes signalisieren, dass sich die Zentralbanken nicht mehr vertrauen.

SNB hält Goldlager im Ausland geheim

Auch hierzulande sind die Goldbestände der Nationalbank zum Thema geworden. Die SNB verfügt über Goldreserven von 1040 Tonnen, die ebenfalls im In- und Ausland gelagert werden. Wo im Ausland, will die Nationalbank jedoch aus Sicherheitsgründen nicht bekannt geben. Wie SNB-Sprecher Walter Meier im Herbst 2012 gegenüber der «Handelszeitung» sagte, vertraue man voll und ganz auf die Bestätigungen der Parteien, bei denen das Gold lagert.

SVP-Politiker Lukas Reimann fordert mit seiner Volksinitiative «Rettet unser Schweizer Gold», dass das SNB-Gold komplett in der Schweiz gelagert und unverkäuflich wird. Was die Lagerstandorte betrifft, so gibt es laut Reimann keinen Grund, weshalb die Bevölkerung nicht erfahren sollte, wo das Gold gelagert sei. (kpn)

Erstellt: 16.01.2013, 19:19 Uhr

Künftig soll noch mehr Gold in den Tresoren auf dem Gelände der Bundesbank im Frankfurter Norden lagern. (Video: Reuters )

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