Die Angst vor dem neuen Apple-Crash

Schon im Sommer 2012 hatte Apple vor der Lancierung neuer Produkte einen Bewertungshöchststand erreicht. Im Halbjahr darauf verlor die Aktie 45 Prozent an Wert. Was diesmal gleich ist und was anders.

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Der Höhenflug der Apple-Aktie, die gestern ihren höchsten bisher erreichten Wert hatte, lässt die Investoren jubeln, aber auch zittern. Denn die Entwicklung gleicht derjenigen vor zwei Jahren. Auch damals standen wichtige Produktneulancierungen bevor, die hohe Erwartungen schürten. Und bereits im Frühjahr jenes Jahres gab der Technologiekonzern Auszahlungen aus seinem dicken Reservepolster an die Aktionäre weiter – über Dividenden (zum ersten Mal seit 1995) und Aktienrückkäufe. Der Aktienkurs erreichte damals im September mit 100.30 Dollar pro Titel ebenfalls einen Höchststand. Doch dann folgte ein drastischer Einbruch: Innerhalb eines halben Jahres verlor die Apple-Aktie rund 45 Prozent – im April 2013 erreichte sie den Tiefstwert von rund 55 Dollar.

Genau genommen hat die Aktie diese Werte damals nicht ausgewiesen. Weil Apple in der Zwischenzeit ein Aktiensplitting vorgenommen hat, das heisst jede frühere Aktie wurde durch sieben neue ersetzt, entsprechen die oben genannten Kurse von 2012 denjenigen, die die jetzt gehandelten Aktien damals erreicht hätten. Der wichtigste Zweck der Aufteilung lag darin, das Aktionariat noch breiter zu streuen. So ist es auch mit einem relativ geringen Geldeinsatz möglich, sich am Konzern zu beteiligen.

Das radikalste Redesign

Der Optimismus, dass sich die Entwicklung des Jahres 2012 nicht wiederholt, nährt sich vor allem aus innovativeren Produktlancierungen als damals. Immerhin soll es diesmal das radikalste Redesign in der Geschichte des wichtigsten Apple-Verkaufsschlagers, des iPhone, geben: Das iPhone 6, das im September vorgestellt werden soll, wird nicht nur einen deutlich grösseren Bildschirm haben, es soll auch ein technologisches Wunderwerk, eine Scheibe aus einer künstlichen Art von Saphir, enthalten. Die Bedeutung der iPhone-Verkäufe verdeutlichen die jüngsten Geschäftszahlen. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres, das im Juni endete, hat Apple mit 35,2 Millionen verkauften Geräten 19,7 Milliarden Dollar umgesetzt, was einem Anteil von 52 Prozent am Gesamtumsatz des Quartals von 37,4 Milliarden Dollar entspricht. Das iPad – der nächstbessere Umsatztreiber – hatte dagegen nur einen Anteil von 15 Prozent mit einem Gesamtumsatz von 5,9 Milliarden Dollar im gleichen Quartal. Zudem will Apple mit einer Uhr – der iWatch – ein komplett neues Gerät auf den Markt bringen. Das Gerät soll Körperdaten messen und anzeigen können und damit vor allem den grossen Fitnessmarkt ansprechen.

Laut Einschätzung einer neuen, stark beachteten Studie von Morgan Stanley wird Apple allein im nächsten Geschäftsjahr einen Umsatz von 9 Milliarden mit der Uhr erzielen. Im Geschäftsjahr 2016 sollen es bereits 14,9 Milliarden sein. Bei den iPhones rechnen die Analysten mit einem Umsatz von 99 Milliarden Dollar im ganzen Geschäftsjahr 2014, der bis 2016 auf 117 Milliarden Dollar steigen soll. Im letzten abgeschlossenen Geschäftsjahr 2013 belief sich der Umsatz auf 91 Milliarden Dollar.

Zielwert: 110 Dollar pro Aktie

Die Analysten zeigen sich überzeugt, dass kein erneuter Dämpfer der Apple-Aktie wie 2012 zu erwarten sei. Im Gegenteil: Als Zielwert rechnen sie sogar mit einem weiteren Kursanstieg auf bis zu 110 Dollar pro Aktie und raten zu weiteren Käufen des Titels. Ihren Optimismus im Vergleich zur Entwicklung im Jahr 2012 begründen die Analysten unter anderem mit drei weiteren Punkten:

  • Erstens sei beim Absturz der Apple-Aktie nach dem September 2012 diese bereits sehr stark in den Portfolios der institutionellen Anleger vertreten gewesen. Aktuell sei dieser Anteil tiefer als derjenige, den die Apple-Aktie am gesamten Markt – gemessen am breiten Börsenindex S & P 500 – einnimmt. Die Aktien anderer vergleichbarer Technologieunternehmen in den Portfolios professioneller Anleger würden dagegen dem Anteil an der Gesamtbörse entsprechen oder sogar höher liegen.
  • Zweitens nennt die Studie die deutlich höheren Auszahlungen an die Aktionäre als Grund für den Optimismus. Die Analysten rechnen mit Auszahlungen von insgesamt 11 Milliarden Dollar über Dividenden und 31 Milliarden durch Aktienrückkäufe. Die Dividendenzahlung im Jahr 2012 belief sich dagegen bloss auf 2 Milliarden Dollar. Die Studie geht davon aus, dass hohe Rückzahlungen auch künftig anhalten werden.
  • Drittens beurteilt die Studie das Management als deutlich besser als vor zwei Jahren, was vor allem an neuen Köpfen liegt. Das Unternehmen habe ausgewiesene Fachkräfte aus den Bereichen Gesundheitstechnologie, Design für tragbare Technologie und Marketing gewinnen können und habe mit Disney-CEO Bob Eager, Genentech-Verwaltungsratspräsident Arthur Levinson und Blackrock-Mitbegründerin Susan Wagner Fachleute im Verwaltungsrat, die entscheidendes Expertenwissen auch aus anderen Bereichen einbringen könnten.

Das historische Aber

Trotz der vielen Gründe, die für einen weiteren Erfolg der Apple-Aktie sprechen, liefert zumindest die Geschichte von Technologiefirmen auch Gründe zur Vorsicht. Der Bereich ist sehr innovativ, und die Geschmäcker sind volatil. Konkurrenzprodukte könnten die Wünsche der Kundschaft genauso gut oder besser für einen tieferen Preis treffen. Neuerungen könnten sich als zu wenig ausgereift erweisen und dadurch floppen. Gerade wenn die Erwartungen der Kunden und der Anleger besonders hoch sind, ist auch das Enttäuschungspotenzial besonders gross.

Erstellt: 20.08.2014, 14:19 Uhr

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