Interview

«Die Bürger sehen ihre Vermögen bedroht»

Steuerexperte Stefan Bach hat den IWF zu seinem Gedankspiel über eine Vermögenssteuer inspiriert. Im Interview nimmt er zu den Schwierigkeiten Stellung, über neue Belastungen die Schulden abzubauen.

Ein kleiner Teil von reichen Griechen kann sich trotz Krise teure Haute Couture leisten. Hier: Ein Model bereitet sich auf den Laufsteg während der Athens Exclusive Designer Week vor.

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Sie haben mit Ihrer Studie, die letzten Sommer erschienen ist, den IWF zu seinem Gedankenspiel inspiriert, die Bürger stärker in die Bewältigung der Euroschuldenkrise einzubeziehen. Wie wurde Ihre Idee anfangs aufgenommen?
Die Studie wurde Mitte des letzten Jahres auf dem Höhepunkt der Eurokrise publiziert. Sie hat viel Aufsehen erregt. Es hat viele negative Kommentare gegeben, da die Bürger ihre Vermögen bedroht sahen. Dennoch wurde das Thema breit aufgenommen. Denn öffentliche Schulden müssen letztlich durch Steuern finanziert werden.

Ist die Vermögensabgabe nicht ein absolutes Notinstrument?
Ja, klar. Doch in den südlichen EU-Ländern haben wir eine Krisensituation. Die Grünen haben aber auch in Deutschland schon 2010 für den Wahlkampf ein Konzept entwickelt. Damit sollte die Staatsverschuldung reduziert werden, und gleichzeitig wollte man die reichen Bürger wieder stärker besteuern.

Macht das Sinn?
In Ländern wie Deutschland mit einem gesunden Staatshaushalt nicht wirklich. Wenn man die Reichen stärker besteuern will, soll man die bestehenden Steuern auf Einkommen oder Vermögen erhöhen. Eine einmalige Vermögensabgabe kommt aber für die Eurokrisenländer infrage.

Gibt es denn dort genug Vermögen, dass sich der Aufwand lohnen würde?
Eine Studie der Europäischen Zentralbank zeigt, dass etwa in Spanien oder Griechenland durchaus hohe Privatvermögen vorhanden sind. Die sollte man erschliessen, um die Haftungsrisiken der anderen Euroländer zu verringern. Denn die Rettungspakete für die Staatshaushalte in Schieflage sind in den Geberländern unpopulär, sie widersprechen ja auch der Grundidee der Währungsunion, dass jedes Land für seine eigene finanzielle Stabilität vorsorgt.

Der Aufschrei kommt derzeit vor allem von Leuten aus dem Mittelstand, die etwa um ihre Immobilien fürchten. Wären Eigenheimbesitzer auch betroffen?
Nicht unbedingt, wenn höhere Freibeträge die Normalvermögen freistellen. Auch dann kommt immer noch einiges in die Kasse, weil die Vermögen stark auf die reichen Leute konzentriert sind.

Ist es überhaupt möglich, an die Vermögen der Reichen zu kommen?
An diejenigen im Inland schon. Schwierig ist es mit Vermögen im Ausland oder bei reichen Personen, die weggezogen sind. Oder wenn der Fiskus gar nichts vom Vermögen weiss – wie etwa im Fall von Uli Hoeness, dem Präsidenten des FC Bayern München. Aber wir haben inzwischen einen Trend, dass die klassischen Steueroasen trockengelegt werden.

Erstellt: 06.11.2013, 18:19 Uhr

Stefan Bach ist Steuerexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsordnung (DIW). Seine Schwerpunkte sind Finanz- und Steuerpolitik sowie Einkommens- und Vermögensverteilung. Bach ist zudem Privatdozent an der Universität Potsdam. (Bild: zvg)

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