Analyse

Die CS findet keinen Boden

Unter widrigen Umständen im Bankengeschäft schreibt die Credit Suisse einen Gewinn von rund 700 Millionen Franken. Bloss: Die positiven Zahlen haben negative Ursachen.

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Der Umbruch des Bankengeschäfts zeigt sich auch in den neusten Zahlen der Credit Suisse. Die Credit Suisse hat mit ihrem Gewinn von 683 Millionen Franken die Schätzungen der Analysten, die mit rund 1,1 Milliarden Franken gerechnet hatten, deutlich enttäuscht. Wie schon bei der UBS, ist auch in diesem Gewinn ein Aufwertungsgewinn durch einen geringeren Wert der eigenen Schulden enthalten, weil auch die Bonität der Credit Suisse gesunken ist.

Dieser Gewinn, der eigentlich keine positive Ursache hat, beläuft sich hier zusammen mit Aufwertungsgewinnen auf Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit Derivatpositionen auf rund 880 Millionen Franken (nach Steuern). Ohne diesen «Gewinn» hätte die Credit Suisse wie auch die UBS im dritten Quartal einen Verlust erzielt. Berücksicht man für ein bereinigtes Resultat – wie das die Credit Suisse tut – auch weitere «aussergewöhnliche Posten» nicht, wie Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten in den USA und in Deutschland sowie Kostensenkungsmassnahmen, dann ergibt sich immerhin doch noch ein Reingewinn von 441 Millionen Franken.

Verluste im Investmentbanking

Angesichts der schwierigen Marktumstände erstaunt es wenig, dass kein einziger Geschäftsbereich der Bank weder im Vergleich zum Vorquartal noch in jenem gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal zulegen konnte. Der Gewinn des Private Banking, dem sich die Bank jetzt ganz besonders zuwenden will, ist in beiden Vergleichen um 78 Prozent eingebrochen. Doch immerhin hat hier noch ein Gewinn rausgeschaut.

Wie ebenfalls zu erwarten, verhagelte insbesondere das Investmentbanking auch der Credit Suisse die Quartalszahlen. Hier muss die Bank einen Verlust vor Steuern von 190 Millionen Franken vermelden. Hier will denn die Bank vor allem den Rotstift ansetzen. Schon zuvor hat sie vermeldet, dass sie vor allem in diesem Bereich Kosteneinsparungen im Umfang von 2 Milliarden Franken vornehmen will, was mit einem Stellenverlust von rund 2000 Personen verbunden ist.

Nochmals 1500 Stellen weniger

Heute hat sie nun verkündet, dass sie diesen Einsparungen noch weitere folgen lassen werde. So sollen weitere 1'500 Stellen in der gesamten Bank abgebaut werden, womit sich der verkündete Stellenabbau bei der Credit Suisse wie bei UBS auf je 3'500 Personen beläuft. Um die Kapitalbasis weiter zu stärken, will die Credit Suisse ausserdem ihr Risikokapital (mit Gewichtungen gemäss den Regeln von Basel 3) im Investmentbanking bis 2014 halbieren.

Während das Investmentbanking zurückgefahren werden soll, will die Credit Suisse im Private Banking Schub geben. Hier strebt sie eine weltweit führende Profitabilität an. Unabhängig von den Marktentwicklungen soll der Gewinnbeitrag (vor Steuern) dieses Bereichs bis 2014 um 800 Millionen Franken gesteigert werden. Verstärkt werden soll hier vor allem der Fokus auf die rasch wachsenden aufstrebenden Volkswirtschaften in Brasilien, Südostasien, China und Russland. Der Anteil dieser Länder am Gesamtertrag der Bank soll von 15 Prozent im Jahr 2010 auf 25 Prozent im Jahr 2014 mehr als verdoppelt werden. Den Fokus will die Credit Suisse in diesen Ländern vor allem auf die reichste Kundschaft legen. Weil diese Kunden auch von Dienstleistungen der Investmentbank profitieren wollen – so argumentiert sowohl die Credit Suisse, wie die UBS – wollen beide Banken an diesem Bereich festhalten, diesen aber auf diese Kundenbedürfnisse anpassen und damit auch verkleinern.

Trotz dem enttäuschenden Resultat und den harten Abbaumassnahmen gibt die Credit Suisse auch für die weitere Zukunft keine Entwarnung. Die Herausforderungen auf den Märkten würden gross bleiben, die Kundenaktivitäten voraussichtlich gering, ebenso das Wirtschaftswachstum und die Zinsen. Dazu kämen noch die Anforderungen durch eine strengere Regulierung. Immerhin hält sich die Credit Suisse in diesem Umfeld mit ihrer neuen Strategie für gut aufgestellt.

Erstellt: 01.11.2011, 09:05 Uhr

Will im Private Banking Schub geben: Credit Suisse. (Bild: Keystone )

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