Die Credit Suisse hat es auf das Sackgeld der Kinder abgesehen

Die Grossbank lanciert ein Angebot für Kinder ab 7 Jahren. Sie könnte damit einen Trend auslösen.

5 Prozent Zinsen für die ersten 1000 Franken: Die CS will für Kinder besonders attraktiv sein. Foto: Christof Schürpf (Keystone)

5 Prozent Zinsen für die ersten 1000 Franken: Die CS will für Kinder besonders attraktiv sein. Foto: Christof Schürpf (Keystone)

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Für viele ist es wohl die erste Erinnerung an ihre Bank. Die mit ihrem Sackgeld prall gefüllten Sparsäuli landen auf ihrer Schlachtbank in Form eines Bankschalters. Geschickt werden die Kässeli daher seit Jahrzehnten von den Banken als Werbemittel eingesetzt. Die Sparkassen gleichen meist den Maskottchen der Geldhäuser, oder manchmal sind es auch eher missglückte Interpretationen des Firmenlogos, die bei den Kindern wenig Begeisterung auslösen.

Die Credit Suisse (CS) bringt die Sparsau nun ins digitale Zeitalter. Ihr Digipigi genanntes Sparsäuli steckt voller Technik. Es ist nicht nur ein Wecker, sondern kommuniziert per WLAN-Anbindung mit den zugehörigen Smartphone-Apps. Eines für das Kind, mit dem es seine Sparbatzen zählen kann, und eines für die Eltern, mit dem sie dem Kind neu Ämtli zuweisen können. Erledigen die Kinder diese, bekommen sie das Geld auf ihrem Konto gutgeschrieben. Hinzu kommt eine eigene Bankkarte für Kinder ab 7 Jahren, ein eigenes Internetportal sowie ein Magazin, das den Umgang mit dem Geld näherbringen soll.

Die Kinder erhalten von der CS einen ansehnlichen Zins. Bis zu einem Kontostand von 1000 Franken sind es 5 Prozent. Haben die Eltern ein Bonviva-Kundenpaket der CS, ist das Digipigi-Säuli für die Kinder kostenlos. Für andere CS-Kunden kostet das Säuli 99 Franken.

Banken jagen junge Kunden

Die CS geht damit neue Wege. Digitale Sparsauen für Kinder gab es bislang in der Schweiz nicht. Einige Banken haben bereits mit Apps experimentiert, mit denen sich automatisiert sparen lässt. Diese richten sich aber an eine ältere Kundschaft. Bei der CS können sich nun die Kinder eigene Sparziele, wie beispielsweise ein Velo, setzen. In der App sehen sie dann, wie viel Geld dafür noch fehlt. Um es zu benutzen, brauchen die Kinder kein eigenes Smartphone. Auf demjenigen der Eltern können beide Apps verwendet werden.

Umfrage

Eine Bankbeziehung für ihre Kids – würden Sie das bejahen?




Laut Andreas Dietrich, Professor am Institut für Finanzdienstleistungen in Luzern, lohnt es sich für Banken, in die jüngsten Kunden zu investieren. «Die Treue der Kunden zur Bank ist gross. Sie kann sie so früh an sich binden», so Dietrich. Im Schnitt habe ein 25-jähriger Schweizer 1,8 Bankbeziehungen. Ein Neukunde bleibe 15 bis 20 Jahre bei einer Bank. Die Initiative der CS sei daher eine langfristige Investition. Sie richte sich an die Bindung von bestehenden Kunden und ziele auch darauf ab, neue Kunden zu gewinnen. Denn damit die Kinder Digipigi nutzen können, müssen ihre Eltern CS-Kunden sein.

Dietrich gibt dem neuen CS-Produkt gute Chancen. «Die Kombination von Wecker und Smartphone-App sowie virtuellem und physischem Geld ist sinnvoll», so Dietrich. Dass die Eltern einbezogen würden, sei ein kluger Schachzug.

«Der Kampf um junge Bankkunden wird zunehmen», sagt Dietrich. Nun kommen vermehrt geburtenschwache Jahrgänge in das Alter, in dem sie zu Bankkunden werden. Die Banken werden nun versuchen, sie früher an sich zu binden. Dietrich würde daher nicht ausschliessen, dass andere Banken nachziehen. «Es dauert eine gewisse Zeit, bis man ein aufwendiges Produkt nachgebaut hat», so Dietrich.

Umgang mit Geld lernen

Die CS will mit dem neuen Digipigi auch das Finanzwissen der Kinder verbessern. Dafür hat sie zusammen mit Pro Juventute eine Website eingerichtet, auf der Eltern und Kinder Tipps für den Umgang mit Geld erhalten. «Grundsätzlich ist es zu begrüssen, dass sich die CS um das Finanzwissen der Kinder kümmert», sagt Yves de Mestral. Er ist Präsident der Zürcher Stadtammänner-Konferenz und in der Schuldenprävention tätig. Es wäre aber seiner Ansicht nach für die Schuldenprävention auch hilfreich, die Bank würde für ihre Kleinkredittochter Creditnow weniger Werbung machen.

Video: Ab wann bekommen Kinder Taschengeld?

Jugendliche erzählen von ihren Erfahrungen mit Geld und von welchen Faktoren das Taschengeld abhängt.

Die CS ist damit nicht die einzige Bank, die Kindern und Jugendlichen beim Umgang mit Geld helfen will. Postfinance betreibt etwa eine Online-Lernplattform namens Moneyfit. Die Kantonalbanken unterstützen das im Mai 2016 lancierte digitale Lernspiel «FinanceMission Heroes», mit dem Schüler ihre Finanzkompetenz schulen. «‹FinanceMission› richtet sich an Jugendliche der Sekundarstufe», erklärt Ursula Huber, Geschäftsführerin des Vereins FinanceMission. Das Spiel wurde von Lehrerverbänden zusammen mit Fachpersonen entwickelt und von den Kantonalbanken finanziert. Wie viel Geld dafür gesprochen wurde, gibt Finance-Mission nicht bekannt. Die Banken jedoch kämen mit den Schülern nicht in Kontakt, so Huber.

Das Lernspiel kann gratis heruntergeladen werden. Dazu gehören didaktische Begleitmaterialien. Mit ihnen sollen die Jugendlichen lernen, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen.

Erstellt: 29.08.2017, 22:27 Uhr

So viel Sackgeld zahlen die Schweizer

Ergebnisse einer grossen Studie

Die Credit Suisse und Pro Juventute haben vor wenigen Wochen eine umfangreiche Sackgeldstudie veröffentlicht. Darin zeigte sich unter anderem, dass ein 10-jähriges Kind in der Schweiz im Schnitt 14 Franken im Monat, ein 12-jähriges 23 Franken monatlich bekommt. Damit halten sich die Schweizer Eltern an die Empfehlungen der hiesigen Beratungsstellen. Diese schlagen vor, dass Eltern pro Woche und Schuljahr 1 Franken Sackgeld geben. Ein Drittklässler kommt so auf etwa 12 Franken im Monat. Ab der fünften Klasse sollen die Eltern ihren Kindern monatlich 25 bis 30 Franken zur Verfügung stellen, heisst es in den gängigen Ratgebern. Ab dem 11. Schuljahr werden dann 50 bis 80 Franken Sackgeld empfohlen. Laut der CS-Umfrage erhalten rund 10 Prozent der Kinder nie ein Taschengeld.


Schweizer Kinder sammeln laut der Studie etwa mit 6 Jahren zum ersten Mal Erfahrungen mit Geld. Die meisten Eltern erachten es als sinnvoll, dass die Kinder etwas über das Geld lernen, sobald sie mit dem Einmaleins anfangen. Sie geben auch an, dass die Kinder die Funktion des Geldes als Tauschmittel rasch verstehen und danach selbstständig einkaufen dürfen. (jb)

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