«Die Devisenkrise könnte gut und gern zwei Jahre dauern»

Ökonomen verschiedener Schweizer Banken glauben nicht mehr an eine baldige Erhöhung des Leitzinses durch die Schweizerische Nationalbank. Grund ist der starke Schweizer Franken.

Das Zinsniveau ist den Schweizer Banken zu tief: Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich.

Das Zinsniveau ist den Schweizer Banken zu tief: Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich. Bild: Keystone

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Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Politik des billigen Geldes beendet und ihren Leitzins erhöht hatte, waren sich die meisten Ökonomen einig: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird im Juni nachziehen. Das Zinsniveau sei für die Stärke der hiesigen Wirtschaft zu tief.

Seither hat sich die Lage am Devisenmarkt aber markant verändert: Sowohl der Euro als auch der US-Dollar gaben gegenüber dem Schweizer Franken stark nach. Der Euro stürzte von knapp 1.32 Fr. auf 1.22 Fr. ab, der Dollar von 0.92 Fr. auf 0.85 Franken.

Die Schuldenkrise einzelner Euroländer sowie der USA würde das Vertrauen in deren Währung schwächen, sagte Daniel Kalt, UBS- Chefökonom Schweiz, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Komme hinzu, dass die Schweiz und ihre Währung weiterhin als sicherer Hafen gelten.

Zinsanstieg erst für Herbst erwartet

Die Frankenstärke bringe die SNB in eine schwierige Lage: Aus langfristiger Sicht sollte sie die Zinsen erhöhen, um einer Inflationsgefahr und einer drohenden Immobilienblase entgegenzuwirken. Momentan wirkt der starke Franken allerdings inflationsmildernd, da Energie und Rohstoffe für die Schweiz günstig zu importieren sind.

Die SNB könnte andererseits auf eine Zinserhöhung verzichten, um kurzfristig die Schweizer Exportwirtschaft zu schonen, sagte Kalt weiter. Diese leidet gemäss eigenen Angaben besonders unter der Frankenstärke.

Für den ZKB-Chefökonomen Anastassios Frangulidis steht bereits fest: Die SNB werde eine Zinsanpassung frühestens im kommenden September ins Auge fassen. Diese Meinung teilt CS-Chefökonom Martin Neff. Vor einigen Wochen glaubten noch beide an eine Zinsanpassung im Juni.

Auch für Daniel Kalt ist ein baldiger Zinsanstieg «eher unwahrscheinlich» geworden. Wenn die Europäische Zentralbank im Juli nochmals einen Zinsanstieg wage, könnte dies den Weg für die SNB im September frei machen.

Frankenstärke als Dauerproblem?

Der Franken ist gegenüber dem Euro laut Martin Neff derzeit klar überbewertet: «Der fair value liegt irgendwo zwischen 1.30 Fr. und 1.40 Franken.» Dennoch könnte es noch eine Weile dauern, bis sich die Lage am Devisenmarkt wieder normalisiert hat. Daniel Kalt macht in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass die Probleme im Euroraum und in den USA von langfristiger Natur sind. «Die Devisenkrise könnte gut und gern zwei Jahre dauern. Das hat uns die Vergangenheit gelehrt», meinte Anastassios Frangulidis.

Dass die SNB den Höhenflug des Franken mit weiteren Devisenkäufen stoppen wird, glauben die Experten nicht. «Die Notenbanker haben sich damit schon einmal die Finger verbrannt», bemerkte Daniel Kalt und sprach damit den SNB-Jahresverlust von 19,2 Milliarden Fr. im Jahr 2010 an. (miw/sda)

Erstellt: 27.05.2011, 23:50 Uhr

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