Die Energiepolitik steckt in einem «Trilemma»

Die Energiewende führt laut PricewaterhouseCoopers zu einer Stagnation in der europäischen Energiebranche. Es gebe einen immer grösseren Spagat zwischen drei Faktoren.

Verlust statt Gewinn: Wasserkraftwerk Mühleberg, betrieben durch die BKW Energie.

Verlust statt Gewinn: Wasserkraftwerk Mühleberg, betrieben durch die BKW Energie. Bild: Alessandro Della Bella

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Die Wirtschaftsprüfungs- und Revisionsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PWC) belegt in einer Studie, dass die in Europa lancierte Energiewende die Energiebranche in eine Stagnation geführt hat, während auf anderen Erdteilen ein Aufschwung stattfindet. Afrika südlich der Sahara, Vietnam, ja selbst die Mongolei und Mexiko würden in diesem Jahr Investoren anziehen, schreibt PWC. Europa und insbesondere die Schweiz stünden dagegen vor einem unsicheren Jahr.

Auch West- und Südeuropa, wo in der Vergangenheit Milliarden in die neuen erneuer­baren Energien investiert wurden, seien für Investoren nur noch wenig attraktiv, sagt Marc Schmidli, Partner und Branchenleiter Energie und Versorgung bei PWC Schweiz. Die neuen Zielmärkte würden – wenn überhaupt – in Osteu­ropa liegen. Vor allem bei Wind und ­Solar biete das östliche Europa wesentlich mehr Potenzial.

Trotz regionaler Unterschiede stecke die Energiebranche in einem ­«Trilemma». Der Spagat zwischen Sicherheit, Bezahlbarkeit und Nachhaltigkeit habe sich zu einem dringenden Problem entwickelt, heisst es in der Studie weiter. Insbesondere in Europa würden die Alarmglocken läuten. Bereits habe ein Dutzend der führenden Energiedienstleister die Politik zu einem Richtungswechsel aufgefordert. Die Unternehmen stellten ein Versagen bei der Wettbewerbsfähigkeit fest, würden aber auch Probleme bei der Versorgungssicherheit orten und kritische ­Fragen zum Klimawandel stellen.

Gaskraft ohne Pfupf

Gegenüber der BaZ macht Schmidli klar, dass erneuerbare Energien nur dann attraktiv seien, wenn sie mit Fördermitteln gespeist würden. Nicht attraktiv seien Pumpspeicherkraftwerke und Gaskraftwerke. Der Grund sei in den gefallenen Marktpreisen zu suchen. Auch unter Berücksichtigung neuster Technologien seien Gaskraftwerke nicht interessant für Investoren. Grund dafür sei die Konvergenz zwischen Strom- und Gaspreis. Die kleiner gewordene Preisdifferenz habe die Rendite für Investoren signifikant reduziert. «Schweizer Unternehmen haben deshalb in den vergangenen Jahren auch mit ausländischen Investitionen zum Teil erhebliche Verluste gemacht und Wertberichtigungen auf ausländische Investitionen vornehmen müssen.

Energieversorgern, die einen stabilen Cashflow über eine längere Zeit­periode anstreben, empfiehlt er Inves­titionen im Netz. Diese Kosten können den Strombenutzern separat in Rechnung gestellt werden und unterliegen keinem Wettbewerb.

Was aber machen Investoren, wenn die Zinsen steigen und die Finanzierungen sich dadurch verteuern? Schmidli ist davon überzeugt, dass Investoren primär ihr Geld in Anlagen in einem nicht regulierten Bereich stecken werden. Höhere Renditen würden aber auch höhere Risiken bergen, sagt er. Angesichts der von der Politik diktierten Energiewende mit der Energiestrategie 2050 habe die Investitionsfreudigkeit auch in der Schweiz abgenommen. Es gäbe nur noch wenige Projekte im Land, sagt Schmidli.

Primär eine Frage des Preises

Ausnahmen würden lediglich einige Grosswasserkraftwerke bilden, wobei die Rentabilität dieser Investitionen aber stark gefährdet sei. «Grund dafür ist die Konvergenz zwischen Peak-Preisen (Höchstpreisen) und Baseload-Preisen (Durchschnittspreisen).» Zum anderen sei die Umsetzung von Projekten in der Schweiz schwierig und zeitintensiv. Aufgrund von Einsprachen könnten sich auch Projekte im Netzbereich ohne Weiteres um Jahre, wenn nicht Jahrzehnte verzögern.

Die Umsetzung der Energiewende werde primär eine Frage des Preises sein. «Die Politik muss ­sicherstellen, dass steigende Preise für die Schweizer Volkswirtschaft nicht ­­ zu einem Standortnachteil werden», ­betont Schmidli.

Erstellt: 18.02.2014, 13:50 Uhr

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