Die Fifa versteuert fast nichts – das soll sich ändern

Nimmt das Image von Zürich durch die Fifa-Querelen Schaden? Nein, sagen Experten. Doch die Kritik am Verband seitens der Politik nimmt zu.

Der Kongress ist eröffnet: Stadtpräsidentin Corine Mauch, Bundesrätin Micheline Calmy-Rey, Sepp Blatter und IOK-Präsident Jacques Rogge.

Der Kongress ist eröffnet: Stadtpräsidentin Corine Mauch, Bundesrätin Micheline Calmy-Rey, Sepp Blatter und IOK-Präsident Jacques Rogge. Bild: Keystone

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Sauberes Wasser, saubere Luft, tiefe Kriminalitätsrate: Zürich belegt in internationalen Standortvergleichen regelmässig einen Spitzenplatz. Seit Tagen aber fällt der Name Zürichs vorwiegend in Zusammenhang mit schmutzigen Geschäften. Auslöser ist die Wahl des Fifa-Präsidenten, die heute Mittwoch in Zürich stattfindet und in deren Vorfeld sich die Fifa-Funktionäre gegenseitig Korruption vorgeworfen haben. Ausländische Medien wählen zum Teil drastische Worte. Von der «Zürich-Mafia» schreibt die englische Boulevardzeitung «The Sun». Und die Onlinekommentatoren deutscher Medien wie «Spiegel online» oder «Sueddeutsche.de» schreiben von der «Schwarzgeld- und-Kriminellen-Oase Schweiz».

Dennoch glauben Fachleute nicht, dass Zürich an den Fifa-Querelen Schaden nimmt. «Im Gegenteil», sagt Kommunikationsberater Klaus J. Stöhlker. Die dauernde Berichterstattung rücke Zürich weltweit in den Fokus des Interesses. Manch einer werde sich dabei denken: «Da ist es gar nicht so langweilig, wie ich immer gedacht habe.»Auch Marlis Ackermann, die Direktorin von Zürich Tourismus, rechnet nicht mit negativen Folgen. «Zürich geniesst ein starkes globales Image als weltoffene und freundliche Stadt», schreibt sie in einer Stellungnahme. «Interne Belange einzelner Organisationen haben auf dieses Image kaum einen Einfluss.» Und FDP-Stadtrat Martin Vollenwyder sieht im Moment noch keinen Grund dazu, seine Fifa-freundliche Haltung zu überdenken. «Wir warten zuerst den Kongress ab.»

Fifa sponsert Fussballstadion

Dennoch ist der Weltfussballverband in Zürich, wo er seit 1932 domiziliert ist, heftigerer Kritik ausgesetzt als bisher. Den Politikern sind vor allem die Steuerprivilegien der Fifa, die als gemeinnütziger Verein konstituiert ist, ein Dorn im Auge: Der Weltfussballverband versteuert seit Jahren fast nichts von seinem Gewinn, der dieses Jahr bei rund 200 Millionen Franken lag, weil er ihn als Reserve zurücklegt. Im Zürcher Kantonsrat wollen die SP-Parlamentarier Peter Schulthess, Thomas Hardegger und Marcel Burlet mittels einer Anfang Mai eingereichten Anfrage vom Regierungsrat erfahren, ob die Fifa die Kriterien eines steuerlich bevorzugt zu behandelnden Vereins überhaupt noch erfülle.

Bereits Anfang April hat das Stadtzürcher Parlament einen Vorstoss von Niklaus Scherr von der Alternativen Liste überwiesen, der eine «angemessene Besteuerung» der Fifa verlangt. SP, Grüne, GLP, EVP, SD und AL stimmten für die Überweisung, und Finanzvorstand Vollenwyder zeigte sich bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Es sei prüfenswert, in welchem Umfang ein Verein Steuerrückstellungen machen könne, sagte er. Aber, fügte er an: Es dürfe nicht darum gehen, die Fifa aus der Stadt vertreiben zu wollen. «Sie bringt Zürich sehr viel.» So will der Weltfussballverband zum Beispiel den Bau des neuen Fussballstadions auf dem Hardturm mit 20 Millionen Franken unterstützen. Laut CVP-Gemeinderat Daniel Meier, der in mehreren Stadtzürcher Sportverbänden aktiv ist und sich gegen den AL-Vorstoss aussprach, geniesst die Fifa gar keine Steuerprivilegien in Zürich, sondern werde normal veranlagt. Sie habe auch nie um eine Steuerbefreiung nachgesucht. Dass sie die meisten Einnahmen als Reserve zurücklege, habe einen einfachen Grund: Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York finde sich keine Versicherung mehr, die eine Weltmeisterschaft versichern würde. Die Fifa müsse seither das Risiko eines WM-Ausfalls selbst decken können. Dafür seien Rückstellungen bis zu 2 Milliarden Franken notwendig. Im Moment weist die Fifa ein Eigenkapital von 1,2 Milliarden Franken aus.

Erstellt: 31.05.2011, 22:37 Uhr

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