Die SNB und der Coup von 1978

Anfang der 70er-Jahre wurde die Schweiz von Ausland-Kapital überflutet. Negativzinsen waren die Folge – was allerdings nichts brachte. Dann kam der nächste Schritt.

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Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Negativzinsen einzuführen, ist ein Griff in die Mottenkiste. Die Schweiz hat damit langjährige und unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Letztmals in den 70er-Jahren, als eine weltweite Währungskrise herrschte, 
die in einem Dollarabsturz gipfelte 
und zum Zusammenbruch des Bretton Woods genannten Fixkurs-Wechsel­systems führte.

Die SNB-Aktion aus den 70er-Jahren war bereits gestern während der PK der SNB ein Thema:

Um den zunehmend kostspieligen 
Vietnamkrieg zu finanzieren, warfen die Vereinigten Staaten die Druckmaschine an und überschwemmten die Welt mit Dollar – mit der Folge, dass die amerikanische Währung immer weniger dem fixierten Gold-Dollar-Standard entsprach und das Vertrauen in die Leitwährung dramatisch schwand.

Das Nachsehen hatten sichere Anlegerhäfen wie die Schweiz, die von ausländischem Kapital überflutet wurden. Dies führte zu einer importierten Inflation, die die Nationalbank wegen des Fixkurs-Wechselsystems nicht bekämpfen konnte. Allein zwischen dem 3. und 5. Mai 1971 flossen der SNB Dollarbeträge im Wert von 3,2 Milliarden Franken zu. Als Reaktion auf die massive Flucht aus dem Dollar schlossen erst Deutschland und dann unter anderem auch die Schweiz am 5. Mai ihre Devisenmärkte. Im August gaben die USA die Goldkonvertibilität des Dollars auf, was schliesslich zum Zusammenbruch des Systems auf Basis der Goldwährung führte. Nun bekam die Schweiz zwar die Inflation in den Griff, doch die Exportwirtschaft ächzte unter dem starken Franken.

Ende 1971 beschloss der Bund mit Unterstützung der SNB und der Banken als Gegenmassnahme die sogenannte Devisenbann-Wirtschaft. Dabei handelte es sich um eine Mischung, bestehend aus einem Verbot, ausländische Gelder in Schweizer Wertpapieren und Grundstücken anzulegen, und Negativzinsen für kurzfristige ausländische Guthaben in Franken.

Die Massnahmen erwiesen sich jedoch als sehr bürokratisch und leicht zu umgehen. Die erwünschte Wirkung blieb aus: Der Dollar fiel von 4.33 Franken im Jahre 1971 auf 1.47 Franken sieben Jahre später. So kam es zum «Coup von 1978», wie es der Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann nennt.

Im Oktober 1978 kündigte die Nationalbank einen Mindestkurs von 80 Rappen pro deutsche Mark an und begann, massiv Devisen aufzukaufen. Der nutzlose Negativzins und die übrigen Massnahmen hingegen wurden aufgehoben. Dieses Vorgehen erwies sich als ungemein erfolgreich: Der DM-Kurs pendelte sich bei 90 Rappen ein und verharrte auf diesem Stand bis zur Einführung des Euro. Ob sich der Coup von 1978 heutzutage wiederholen lässt, wird sich ­weisen müssen.

Erstellt: 19.12.2014, 06:33 Uhr

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