Die USA ins Abseits gespielt

Südkorea tritt der von China ins Leben gerufenen Infrastrukturbank bei. Damit verärgert das Land seine amerikanischen Partner.

Wettkampf der Währungen: Wechselbüro in Seoul. Foto: Ahn Young-joon (Keystone)

Wettkampf der Währungen: Wechselbüro in Seoul. Foto: Ahn Young-joon (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

China rüttelt am Monopol des US-Dollars, und Südkorea hat beschlossen, kräftig mitzurütteln. Am Freitag hat Seoul angekündigt, es werde sich als Gründungsmitglied der AIIB anschliessen, der von China ins Leben gerufenen Asian Infrastructure Investment Bank. Die USA machten bis zuletzt Druck dagegen. Die neue Bank soll Ende Juni von etwa 35 Gründerstaaten gestartet werden, unter ihnen auch Deutschland, Frankreich und Grossbritannien. Das Anfangskapital wird 100 Milliarden US-Dollar betragen, die Einlagen der Länder bemessen sich an ihrer Wirtschaftsleistung. Als Gründungsmitglied könne Südkorea die Regeln mitbestimmen, sagte Vize-Finanzminister Choi Hee-nam.

Die AIIB soll Infrastrukturprojekte in Asien finanzieren. Bedarf gibt es dafür genug, obwohl die von Japan geführte Asian Development Bank (ADB) das Gleiche anbietet. Und die Weltbank teilweise ebenfalls. China schafft mit der AIIB somit eine Konkurrenzinstitution zur Weltbank und womöglich zum Internationalen Währungsfonds (IWF), den in Washington domizilierten internationalen Finanzinstitutionen.

Naheliegender wäre es gewesen, Peking hätte seinen Anspruch auf eine gewichtigere Rolle im internationalen Finanzgefüge angemeldet, indem es sich in diesen Institutionen mehr engagiert. Aber die USA sind nicht bereit, Kontrolle abzugeben. Ausserdem haben die zwei Institutionen, vor allem der Währungsfonds, in Asien keinen guten Ruf. Sie gelten als neoliberal. Der IWF hat die Asienkrise 1997/98 mit seinem Zwang zur Austerität in Korea noch schlimmer gemacht – und sich für die Kreditgeber eingesetzt, nicht für die betroffenen Länder.

Dies ist der dritte Versuch in Asien, Alternativen zu den Washingtoner Institutionen aufzubauen. Nach der Asienkrise plante Tokio einen regionalen Währungsfonds, wurde von Washington jedoch scharf zurückgepfiffen. In der Folge begann es noch 1997, die sogenannte Chiang-Mai-Initiative zu knüpfen, ein Netz bilateraler Swap-Verträge, die es den beteiligten Staaten erlaubten, im Fall von Währungsturbulenzen Notkredite voneinander zu ziehen.

2010 wurde diese Initiative zu einem multilateralen Vertrag der zehn Asean-Länder plus Japan, China und Südkorea erweitert. Aber getestet worden ist Chiang-Mai nie. Als Seoul in der Lehman-Krise einen Rettungsring brauchte, holte es ihn in Washington. Kritiker halten die Chiang-Mai-Initiative für einen Papiertiger. Die Notkredite hätten nicht automatisch gezogen werden können, Finanzbürokraten hätten sie bereitstellen müssen.

Europäische Juniorpartner

Mit seinem Entscheid, bei der AIIB mitzumachen, spielt Seoul seinen amerikanischen Verbündeten ins Abseits. OhneSüdkorea wäre die AIIB eine international tätige chinesische Infrastrukturbank geworden: mit europäischen Juniorpartnern und Australien ebenfalls, das bis vor kurzem im Sinne Washingtons nichts davon wissen wollte, jetzt aber mitmacht, um sich keine Geschäfte entgehen zu lassen. London spekuliert darauf, so zum Drehpunkt für den Handel mit Renminbi, Chinas Währung, zu werden.

MitSüdkorea jedoch sind zwei der drei stärksten Volkswirtschaften Ostasiens beteiligt, und zwar die zwei dynamischen, dazu fast alle kleinen Länder. Indonesiens Präsident Joko Widodo hat am Freitag in Peking für sein Land eine wichtige Rolle in der neuen Bank gefordert.

Auch Taiwan will mitmachen. Sogar Japans Finanzminister Taro Aso denkt darüber nach. Die Registrierfrist für Gründungsmitglieder läuft am 31. März ab. Doch die japanische Regierung ist gespalten. In Tokio kann sich derzeit kaum jemand vorstellen, Japan nehme an einem chinesischen Projekt teil.

Die Beteiligung grosser Volkswirtschaften an der AIIB – auch Indien macht mit – zwingt Peking, viel von seiner Macht über die neue Bank abzugeben. Offenbar sind die Chinesen sogar dazu bereit, auf ein Vetorecht zu verzichten. Andererseits wird die neue Bank, je gewichtiger sie ist, umso mehr zur Konkurrenz für die Washingtoner Institutionen.

Erstellt: 29.03.2015, 22:25 Uhr

Artikel zum Thema

China öffnet Infrastrukturbank auch für Europa

An der neuen Asiatischen Investmentbank für Infrastruktur können sich auch Länder ausserhalb Asiens beteiligen. Dennoch will Chinas Finanzminister eine Dominanz des Westens verhindern. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...