Die US-Reaktion nach dem EZB-Paukenschlag

Am Mittwoch erläutert Fed-Chefin Janet Yellen die US-Geldpolitik. Was zu erwarten ist – und wohin sich der Dollar bewegen dürfte.

Die Augen der Finanzwelt sind auf sie gerichtet: Fed-Chefin Janet Yellen. (Archivbild)

Die Augen der Finanzwelt sind auf sie gerichtet: Fed-Chefin Janet Yellen. (Archivbild) Bild: Keystone

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Nach dem Paukenschlag durch die Europäische Zentralbank (EZB) zu Monatsbeginn ist am Mittwoch in den USA mit dem Fed die weltweit führende Notenbank an der Reihe, ihre weiteren geldpolitischen Massnahmen und ihre Einschätzung der Lage zu kommunizieren.

Mit Blick allein auf die Kerngrössen ist gemäss den meisten Beobachtern keine Überraschung angesagt: Die monatlichen Anlagenkäufe (verbriefte Hypotheken und US-Staatsanleihen) werden demgemäss wie schon nach den letzten Entscheiden um weitere 10 Milliarden Dollar auf noch 35 Milliarden reduziert, und am Leitzins (Federal Funds Rate) von 0 bis 0,25 Prozent wird ohnehin nicht gerüttelt.

Von Bedeutung sind am Mittwoch aber nicht diese Beschlüsse. Das Interesse richtet sich vor allem auf Hinweise zur künftigen Zinspolitik der Notenbank. Die Marktbeobachter werden nicht nur das Communiqué des Fed nach Hinweisen darauf sezieren. Auch die Pressekonferenz nach dessen Veröffentlichung dürfte Anhaltspunkte dafür liefern. Wie alle Vierteljahre wird sich bei dieser Gelegenheit Fed-Chefin Janet Yellen den Fragen der Fachjournalisten stellen. Wie ebenfalls alle Quartale veröffentlicht die Notenbank ausserdem die (anonymisierte) Einschätzung ihrer führenden Mitglieder (Federal Open Market Committee, FOMC) zum weiteren Verlauf von Grössen wie Arbeitslosigkeit, Wirtschaftswachstum und vor allem zum Leitzins, den sie letztlich festsetzen.

Die Frage ist nicht ob, sondern wann und wie stark

Die letzte entsprechende Publikation vom März ergab, dass die Mitglieder des FOMC im Durchschnitt (Median) im nächsten Jahr mit einem Anstieg des Leitzinses bis 1 Prozent im vierten Quartal rechnen. Bis zum vierten Quartal 2016 soll der Zins demgemäss auf 2,25 Prozent steigen.

Berücksichtigt man, dass das Fed den Leitzins bereits seit mehr als einem halben Jahrzehnt bei null belassen hat und dass dieser im Durchschnitt seit 1960 bei mehr als 5 Prozent gelegen hat, wäre das kein dramatischer Anstieg. Das gilt auch, wenn die Veränderung der Kaufkraft mitberücksichtigt wird: Die FOMC-Mitglieder erwarten gemäss der März-Einschätzung, dass selbst 2016 die Inflation noch zwischen 1,6 und 2 Prozent verbleiben wird – und damit unter dem Zielwert von 2 Prozent. Gemäss dem vom Fed beachteten Preisindex (PCE) ist die Jahresinflation seit März von 1,15 Prozent auf 1,6 Prozent angestiegen.

Alles spricht für einen Wertzuwachs des Dollar

Wann und wie stark das Fed die Zinsen tatsächlich erhöht, bleibt dennoch in der Schwebe. Von Janet Yellen ist bekannt, dass sie die Erholung auf den Arbeitsmärkten noch nicht für ausreichend hält. Zwar liegt die Arbeitslosenquote mit 6,3 Prozent nur noch knapp über dem Bereich von 5,2 bis 6 Prozent, den man beim Fed mit Vollbeschäftigung gleichsetzt. Die sogenannte U-6-Arbeitslosenquote, die zu den Arbeitslosen diejenigen hinzuzählt, die nur am Rande beschäftigt sind und unfreiwillig Teilzeit arbeiten, ist mit 12,2 Prozent noch immer deutlich höher als vor der Krise (im Frühjahr 2008 lag sie bei 8 Prozent).

Trotz der Uneinigkeit unter den FOMC-Mitgliedern wann und wie stark eine Zinserhöhung beschlossen werden soll, wird sie früher kommen und stärker ausfallen als in Europa. Diese Erwartung ist die Folge der Beschlüsse der EZB von Anfang Juni. Die EZB hat bei diesem Anlass nicht nur ihren Leitzins (Hauptrefinanzierungssatz) auf bloss noch 0,15 Prozent gesenkt, sie hat auch den Einlagensatz der Banken auf ihren Konten auf –0,1 Prozent gesenkt (was einem Strafzins gleichkommt), und sie hat den Banken längerfristige günstige Kredite zugesagt und überlegt sogar noch weitere Geldspritzen.

Dieser Unterschied in der Erwartung zur künftigen Entwicklung zwischen Europa und den USA hat sich schon jetzt in den Wechselkursen niedergeschlagen: Noch Anfang Mai kostete ein Euro knapp 1.40 Dollar, aktuell liegt der Preis bei rund 1.35 Dollar. Analysten rechnen mit einer weiteren Abschwächung des Euro: In sechs Monaten soll der Kurs gemäss den Analysten von UBS Wealth Management bereits bei 1.28 Euro pro Dollar liegen, in einem Jahr sogar bei 1.24. Ähnliche Werte erwarten auch andere Ökonomen.

Weil die Politik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) eine Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro verhindert, wird dieser sich gemäss der gleichen Prognose auch gegenüber dem Dollar abschwächen. Bei der UBS und bei Morgan Stanley rechnet man damit, dass der Dollarpreis in einem Jahr wieder die Parität von 1 Franken erreichen wird.

Erstellt: 16.06.2014, 13:12 Uhr

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