Die Zukunft der Weltwirtschaft steht auf dem Spiel

Wenn sich Fed-Chefin Yellen und US-Präsident Trump heute treffen, geht es um mehr als nur die Fed-Nachfolge. Es geht um die Frage: Taube oder Falke?

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Janet Yellen und Donald Trump sind fast gleich alt. Der amerikanische Präsident feierte seinen 71. Geburtstag am 14. Juni, die Chefin der Notenbank Federal Reserve den ihren am 13. August, beide kamen in der Stadt New York zur Welt. Im Übrigen aber haben die beiden einflussreichsten Amerikaner jedoch wenig gemein. Hier der rüpelhafte Republikaner, Sohn eines Immobilienunternehmers aus dem Stadtbezirk Queens, dort die linke Demokratin, Tochter eines Arztes aus Bay Ridge, dem Kleine-Leute-Viertel im Süden Brooklyns, Absolventin einer Reform-High-School, Ehefrau eines Wirtschafts-Nobelpreisträgers und selbst hoch angesehene Ökonomin, die auch als mächtige Fed-Chefin extrem zurückhaltend auftritt.

An diesem Donnerstag, so berichten amerikanische Medien, treffen Trump und Yellen nun zu einem Gespräch zusammen, von dem nicht nur die berufliche Zukunft Yellens abhängt, sondern auch die Entwicklung der Weltwirtschaft in nächster Zeit. Die Amtszeit Yellens endet am 31. Januar 2018, und Trump muss bald entscheiden, ob er sie für eine zweite Amtszeit nominiert oder nicht. Es ist also eine Art Bewerbungsgespräch.

Wie gut die Chancen der Demokratin dabei sind, ist völlig offen. Im Wahlkampf hatte Trump sie mehrfach beschimpft, sich danach aber auch schon mal positiv über sie geäussert. Yellen steht für einen Kurs der Notenbank, bei dem die Zinsen nur sehr langsam erhöht werden (derzeit liegt der US-Leitzins zwischen 1,00 und 1,25 Prozent). Sie gilt, in der Sprache der Geldpolitik, als «Taube», weil sie die Zügel lieber ein bisschen schleifen lässt, als eine scharfe Bremsung zu riskieren.

Trump nominiert wohl einen «Falken»

Yellens Kurs macht Trump einerseits das Regieren leichter, weil er das Wachstum nicht gefährdet, doch gleichzeitig ist Yellen in Trumps republikanischer Partei herzlich unbeliebt. Deshalb spekulieren die Finanzmärkte derzeit darauf, dass Trump einen Nachfolger nominieren wird, der die Zinsen schneller erhöht, also ein «Falke» ist. Dies ist der Grund dafür, dass der Preis des Euro binnen einer Woche um einen Cent auf 1,17 Dollar gesunken ist.

Einer dieser Falken könnte John Taylor sein, Wirtschaftsprofessor an der Universität Stanford und einer der ewigen Kandidaten für den Nobelpreis. Taylor ist Vertreter einer streng regelbasierten Geldpolitik und hat dafür auch eine in der Wissenschaft akzeptierte Vorschrift formuliert («Taylor-Regel»).

Ein weiterer Kandidat wäre Jerome Powell, der unter dem älteren George Bush Staatssekretär im Finanzministerium war und heute im Board der Fed sitzt; ausserdem stehen nach Medienberichten der frühere Fed-Gouverneur Kevin Warsh und Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn auf der Liste. Dessen Chancen sollen aber gering sein, nachdem er Trump öffentlich wegen dessen laxer Haltung gegenüber rechtsextremen Krawallmachern in Charlottesville kritisiert hatte.

Viel Zeit hat Donald Trump nicht mehr

Ein strittiges Thema zwischen Trump und Yellen dürfte die Regulierung der Finanzmärkte sein. Die Fed-Chefin ist skeptisch, was die Selbstheilungskraft dieser Märkte betrifft: «Ich erwarte, dass die Entwicklung des Finanzsystems als Reaktion auf die Kräfte der Weltwirtschaft, der Technik und, ja, auch der Regulierung früher oder später zu den altbekannten Risiken führen wird, wie exzessivem Optimismus und Verschuldung (...), die dann Antworten der Politik erfordern», sagte Yellen im vorigen August. Das passt nicht zu dem Programm der Deregulierung, das Trump auch an der Wall Street verfolgt.

«Ich mag sie und ich respektiere sie, aber ich habe noch keine Entscheidung getroffen», sagte der Präsident über Yellen. Allzu viel Zeit hat er nicht mehr. Sein Vorgänger Barack Obama hatte 2013 zu dieser Zeit des Jahres bereits entschieden, als er Yellen nominierte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.10.2017, 20:08 Uhr

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