Die Zukunft des Einkaufens

Eine neue Studie untersuchte, wo und wie wir künftig unsere Lebensmittel einkaufen. Die Autoren identifizierten vier Szenarien.

Kleiner Laden, grosses Sortiment: Diese Geschäfte werden laut der Studie künftig wieder häufiger besucht.

Kleiner Laden, grosses Sortiment: Diese Geschäfte werden laut der Studie künftig wieder häufiger besucht. Bild: Keystone

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Wo tätigt der Kunde künftig seine Lebensmitteleinkäufe? Dieser Frage ging das Gottlieb-Duttweiler-Institut zusammen mit der Unternehmensberatungsfirma KPMG in einer Studie nach, die heute veröffentlicht wurde. Bereits heute würden Non-Food-Artikel und standardisierte Lebensmittel wie etwa Getränke vermehrt online bestellt. Dies führe zu einer Umstrukturierung des Lebensmitteleinzelhandels, so die Studienautoren.

Wird also in naher Zukunft der Postbote besser wissen, wie viel Liter Milch wir pro Woche benötigen, als die Besitzerin des Quartierladens nebenan? Die enge Beziehung zwischen Kunde und Verkäufer ist eines der Zukunftspotenziale, welche die Studienautoren in den Tante-Emma-Läden orten. «Hier liegt aber auch für Supermärkte und sogar Discounter ein noch weitgehend unausgeschöpftes Potenzial: Premium-Services für Stammkunden», hält die Studie fest. Denn die persönliche Beziehung zwischen zwei Menschen sei das Einzige, was ein E-Commerce-Shop seinen Kunden niemals bieten könne.

Vier Szenarien für die Zukunft

«Das Bild des Lebensmitteleinzelhandels im Jahr 2025 wird im Wesentlichen von zwei Entwicklungen bestimmt: den Logistikkosten und der Werthaltung der Konsumenten», schreiben die Studienautoren. Für die Zukunft sehen sie vier unterschiedliche Szenarien, die sich beim Lebensmitteleinkauf durchsetzen könnten:

  • Der sogenannte All Mart: Laut der Studie wird sich der Discounter mit dem riesigen Angebot auch in Zukunft durchsetzen. Doch gerade im Non-Food- und Near-Food-Bereich werde sich ein grosser Marktanteil in den Onlinebereich verschieben. Hier werden vor allem Zusatzservices wie beispielsweise Weindegustationen oder Kochkurse die emotionale Bindung an den physischen Laden verstärken.
  • Der Small Mart: Im «Tante-Emma-Laden 2.0» sehen die Studienautoren das grösste Zukunftspotenzial. Mit seiner schnellen Erreichbarkeit und der Kundennähe werde dieses Szenario mit «grosser Wahrscheinlichkeit zu wesentlichen, zum Teil disruptiven Wettbewerbsverschiebungen» führen.
  • Der Call Mart: Mit seinen niedrigen Logistikkosten und einer hohen Funktionalität sei der Onlinemarkt laut der Studie eine echte Bedrohung für den klassischen flächenbasierten Lebensmittelhandel. Ob sich dieses Szenario durchsetzen könne, hänge stark davon ab, wie attraktiv das Einkaufen in den klassischen Supermärkten für den Kunden sei.
  • Der Smart Mart: «In diesem Szenario treffen teure Wege auf eine hohe Vernetzung und wachsende Bereitschaft der Kunden, moderne Technologie in der eigenen Lebensmittelversorgung einzusetzen», schreiben die Autoren. Für Grossmärkte ausserhalb der Zentren sei dieses Modell eher weniger geeignet, glauben sie. Bei kleinflächigen Läden, die bereits eine starke Kundennähe aufweisen, sei dieses Szenario allerdings eine Chance. Auch für Bauernmärkte, lokale Gemüseabos und den Milchmann könne sich der Einsatz von technologiebasierter Kommunikation mit dem Kunden lohnen, glauben die Autoren. «Bedingung hierfür ist jedoch, dass diese den Kunden technisch abholen und preislich konkurrenzfähig sind.»

Persönlicher Kontakt wird wieder wichtiger

«Der Lebensmittelhandel in Deutschland und in der Schweiz wird in Zukunft viel sozialer sein als heute», resümieren die Studienautoren ihre Erkenntnisse. Der Kunde mit seinen individuellen Bedürfnissen werde noch mehr in den Fokus rücken. Um ihn bei der Stange zu halten, müsse der Lebensmittelverkäufer wieder vermehrt mit ihm in den persönlichen Dialog treten. (heb)

Erstellt: 16.04.2013, 10:24 Uhr

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