Die grössten Irrtümer beim Kassenwechsel

Bis Ende Monat ist der Wechsel noch möglich – was es dabei zu beachten gilt.

Die Prämien sollten nicht mehr wehtun als nötig. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Die Prämien sollten nicht mehr wehtun als nötig. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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Es gibt kaum etwas Einfacheres, als die Krankenkasse zu wechseln: Für die Kündigung reichen ein Satz, die Versichertennummer und die Unterschrift. Das Schreiben muss spätestens am Freitag, 28. November, beim bisherigen Versicherer eintreffen. Zudem muss die Offerte des neuen Versicherers unterschrieben und ebenfalls bis 28. November verschickt werden – fertig. Doch leider stehen diesem Prozess oft falsche Annahmen im Weg:

Frauen und ältere Menschen zahlen mehr für die Grundversicherung.

Falsch. Das Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) erlaubt für die Grundversicherungs-Prämien nur die Unterscheidung nach Alterskategorien und nach Regionen. Die Alterskategorien sind 0 bis 18 Jahre, 19 bis 25 Jahre und ab 26 Jahren. Das heisst: Eine Krankenkasse muss vom gesunden 26-jährigen Mann exakt die gleiche Prämie verlangen wie von der kranken 100-jährigen Frau, wenn die beiden in der gleichen Prämienregion wohnen.

Man muss Grundversicherung und Zusatzversicherungen beim gleichen Anbieter haben.

Falsch. Kein Versicherer darf seine Kunden daran hindern, die Grundversicherung zu einem günstigeren Anbieter zu zügeln. Viele Zusatzversicherungen haben mehrjährige Laufzeiten. Die Grundversicherung hingegen wird immer nur vom 1. Januar bis zum 31. Dezember abgeschlossen. Die Versicherer dürfen aber einen Rabatt auf Zusatzversicherungen gewähren, wenn die Grundversicherung am gleichen Ort abgeschlossen wird. Oft ist die Ersparnis bei einem Wechsel der Grundversicherung jedoch grösser als der Kombirabatt.

Wer alt oder krank ist, wechselt besser nicht mehr die Kasse.

Falsch. Es gilt: Die Grundversicherung ist für alle obligatorisch – und die Versicherungen müssen alle Kunden aufnehmen. Anders ist es bei den Zusatzversicherungen, die selbst entscheiden können, wer als Kunde erwünscht ist. Und: Wer der bisherigen Grundversicherung noch Prämien schuldig ist, der kann den Anbieter nicht wechseln.

Ohne Zusatzversicherung geht es nicht.

Grundsätzlich deckt die Grundversicherung die medizinische Versorgung ab – inklusive der fünf anerkannten alternativmedizinischen Methoden und inklusive Notfallkosten, die im Ausland anfallen. Bei Behandlungen im Ausland werden jedoch maximal die doppelten Kosten dessen vergütet, was die Behandlung in der Schweiz gekostet hätte. Dies ist für die meisten Destinationen unproblematisch; unter anderem in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland sind medizinische Leistungen jedoch oft mehr als doppelt so teuer wie hierzulande. Dort kann eine Reiseversicherung sinnvoll sein.

Die verbreitete Zusatzversicherung «Allgemeine Abteilung Schweiz» ist nur sinnvoll, wenn man in Spitälern ausserhalb seines Wohnkantons behandelt werden möchte. In grossen Kantonen mit grosser Spitalauswahl kann man sich diese Zusatzversicherung sparen.

Und wer mindestens 8 Stunden pro Woche bei einem einzelnen Arbeitgeber fest angestellt ist, verfügt auch über eine Unfallversicherung und muss diesen Zuschlag selbst nicht mehr bezahlen. Wer dies seiner Krankenkasse nicht meldet, bezahlt jahrelang doppelt.

Bei der Franchise wählt man am besten einen Mittelweg.

Falsch. Bei der Franchise ist für grundsätzlich gesunde Versicherte nur die höchste Franchise (2500 Franken) sinnvoll. Denn die Prämienersparnis ist so gross, dass man – über mehrere Jahre gesehen – damit auch gut fährt, wenn man einmal ins Spital muss und hohe Gesundheitskosten hat. Ausnahme: Personen, die im kommenden Jahr Arzt-, Spital- und Medikamentenkosten von über 2000 Franken erwarten, sollten die tiefste Franchise (300 Franken) wählen. Wichtig: Die Franchise kann auch wechseln, wer bei seiner Kasse und in seinem Versicherungsmodell bleiben will.

Ein Kassenwechsel lohnt sich finanziell nicht.

Falsch. Berechnungen des Vergleichs­portals Comparis zeigen: 92 Prozent der erwachsenen Versicherten könnten mit dem Wechsel Geld sparen, und dies, ohne dass sie ihre Franchise oder das Versicherungsmodell anpassen müssten. Angesichts des geringen Wechselaufwands rechnet sich auch eine Prämienersparnis von monatlich 10 Franken, sprich 120 Franken pro Jahr. Alle Preise findet man auf dem Prämienrechner des Bundes unter www.priminfo.ch.

Das Callcenter gibt guten Rat.

Jeden Herbst rufen sie wieder an: die Callcenter, die sich «Finanzinformationszentrale», «Infocenter Schweiz» oder «Versicherungsberatung Zürich» nennen. Der Anrufer will rasch einen Beratungstermin vermitteln, der Berater kommt dann mit vorgedruckten Versicherungsabschlüssen vorbei. Vor allem der Abschluss von Zusatzversicherungen ist für ihn interessant – das bringt eine Provision von 300 bis 400 Franken ein. Deshalb: Am besten bereits am Telefon dankend ablehnen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.11.2014, 21:25 Uhr

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