Diese Akteure sind schuld an der Finanzkrise

Die Finanzkrise vor zwei Jahren hätte verhindert werden können, kommt eine US-Untersuchungskommission zum Schluss. Sie nennt dabei die Verantwortlichen beim Namen.

In der Kritik: Alan Greenspan (links) und Ben Bernanke, der ehemalige und der amtierende US-Notenbankchef.

In der Kritik: Alan Greenspan (links) und Ben Bernanke, der ehemalige und der amtierende US-Notenbankchef. Bild: Keystone

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«Die grösste Tragödie wäre es, wenn wir dem ewig wiederkehrenden Refrain glaubten, wonach niemand die Finanzkrise voraussehen und etwas dagegen tun konnte. Falls wir diese Sichtweise akzeptieren, wird all dies wieder passieren», zitiert die «New York Times» exklusiv aus dem Abschlussbericht der von US-Präsident Barack Obama eingesetzten Untersuchungskommission. Die grösste Wirtschaftskrise sei eine «vermeidbare Katastrophe» gewesen, auch wenn Politik und Wirtschaft der Öffentlichkeit etwas anderes glaubhaft machen wollten.

Die Untersuchungskommission zur Finanzkrise, die vom Demokraten Phil Angelides geleitet wird, spart dabei niemanden aus. Die Gier und allzu hohe Risikobereitschaft verschiedener Finanzinstitute, der Deregulierungswahn zweier Regierungen, sowie die Kurzsichtigkeit der Notenbank werden im 576 Seiten starken Abschlussbericht als Hauptursachen für die grösste Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren genannt. Als Grundlage dienten Interviews mit über 700 Zeugen und zahlreiche Dokumente.

«Ungewissheit und Panik»

Die Regierung von George W. Bush ist einer von mehreren Hauptakteuren, die im Zentrum der Kritik stehen. Mit einer «inkonsistenten Reaktion» habe sie die Krise verschärft. So habe der damalige Finanzminister Henry M. Paulson das Finanzinstitut Bear Sterns mit Hilfe der Notenbank gerettet, nur um wenig später Lehman Brothers in den Konkurs schlittern zu lassen. Damit habe die Regierung «die Ungewissheit und Panik auf den Märkten verschärft», schreibt die «New York Times».

Selbst Bushs Vorgängerregierung wird vom Bericht nicht verschont. Im letzten Jahr von Präsident Bill Clintons Amtszeit seien die Märkte endgültig dereguliert und die Kontrolle «exotischer Finanzprodukte» aufgehoben worden. Der Bericht schreibt hier von einem «Schlüsselmoment auf dem Weg in die Finanzkrise».

Die beiden Notenbankchefs Alan Greenspan und sein Nachfolger Ben Bernanke kommen derweil besonders schlecht weg. Greenspan habe mit seinem Hang zur Deregulierung und seiner Nachlässigkeit zum Aufblähen der US-Immobilienblase beigetragen. Zudem hinterliess der amtierende Notenbankchef Bernanke keinen guten Eindruck, als er 2007 noch öffentlich erklärte, dass dem Kreditmarkt kein Kollaps drohe.

Ein Bild der Inkompetenz

Darüber hinaus kreidet die Untersuchungskommission die Inkompetenz zahlreicher Finanzinstitute an. So beschreibt sie, wie sich die Citigroup-Chefetage kaum mit den Risiken des Hypothekenmarktes auseinandersetzte oder wie sich Manager von Merrill Lynch überrascht über die plötzlichen Verluste von scheinbar sicheren Hypothekenanlagen zeigten.

«Als der Immobilienmarkt einstürzte, rächte sich der Mangel an Transparenz, die extrem hohe Schuldenlast und die kurzfristigen Darlehen und risikoreichen Anlagen. Was herauskam war Panik. Wir haben geerntet, was wir gesät haben», folgert der Bericht.

Wallstreet muss sich nun auf Besuch der Staatsanwaltschaft gefasst machen. Die Untersuchungskommission soll bereits eine Handvoll besonders zwielichtiger Fälle an die Justizbehörden weitergereicht haben. Zumeist gehe es um den Bruch von Vorschriften für den Wertpapierhandel, schreibt die «New York Times» unter Berufung auf eine mit der Sache vertrauten Person.

Nicht einer Meinung

Der Abschlussbericht, der am 27. Januar veröffentlicht wird, birgt so viel Sprengpotential in sich, dass es bereits innerhalb der Untersuchungskommission, die aus sechs Demokraten und vier Republikanern besteht, zu Meinungsverschiedenheiten gekommen sei.

So stützen lediglich die demokratischen Mitglieder den gesamten Abschlussbericht. Drei Republikaner wollen die Ursachen für die Finanzkrisen einschränken. Der vierte Republikaner, Peter J. Wallison, beabsichtigt gar, eine eigene Sichtweise auf die Finanzkrise zu veröffentlichen. (jak)

Erstellt: 26.01.2011, 16:22 Uhr

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