Dieter Bührle gestorben

Der ehemalige Oerlikon-Bührle-Chef starb 90-jährig. Er hatte während 34 Jahren die Firma geführt. Sein Rücktritt 1990 war eine persönliche Niederlage, ein Grossprojekt wurde zum Misserfolg.

Bewegte Industriegeschichte: Der Vorsteher des Eidgenössischen Militärdepartements Rudolf Gnägi (1917-1985) und Waffenfabrikant Dieter Bührle an der Waffenschau auf der Frauenfelder Allmend. (3. Oktober 1976)

Bewegte Industriegeschichte: Der Vorsteher des Eidgenössischen Militärdepartements Rudolf Gnägi (1917-1985) und Waffenfabrikant Dieter Bührle an der Waffenschau auf der Frauenfelder Allmend. (3. Oktober 1976) Bild: Keystone

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Dieter Bührle sei am vergangenen Freitag im Kreise seiner Familie verstorben, heisst es in einer Mitteilung der Familie Anda-Bührle von heute Montag. Der Zürcher Industrielle war am 31.Dezember 1921 in Ilsenburg/Harz (D) geboren worden. 1924 war die Familie nach Zürich gezogen. Dort studierte Bührle später Rechtswissenschaften.

Als einziger Sohn trat er 1953 in den Rüstungskonzern seines Vaters Emil Georg ein. Als Chef der Planungsgruppe Ausland baute er neue Fabriken in Indien und Ägypten auf. Bereits 1955 wurde er stellvertretender Geschäftsführer. Als der Vater 1956 überraschend starb, übernahm der erst 35-Jährige die Bührle-Gruppe.

Wirtschaftlicher Hauptpfeiler des Unternehmens war lange Zeit die Rüstungsindustrie, was dem Konzern wiederholt Kritik eintrug. Dennoch blieb sie auch nach dem Zweiten Weltkrieg das wichtigste Standbein des Konzerns, der mittlerweile Oerlikon-Bührle-Holding (OBH) hiess.

Schwierigkeiten mit Fliegerabwehrsystem

Bührle baute 1977 den zivilen Sektor seiner Unternehmung aus, indem er von Werner K. Rey die Bally-Schuh-Gruppe erwarb. In diesen Sektor gehörten auch die auf Hochvakuumtechnik spezialisierte Balzers AG in Liechtenstein, die Limmat-Versicherung sowie das Hotel «Zürich» in Zürich. Verkauft wurde dagegen der grösste Teil des Werkzeugmaschinenbereichs.

Ende der 1980er Jahre geriet der Bührle-Konzern in Schwierigkeiten; unter anderem verlor er viel Geld bei der Entwicklung eines Fliegerabwehrsystems, das sich nicht wie erwartet auszahlte. 1990 trat Dieter Bührle nach 34 Jahren an der Konzernspitze zurück. Seinen Rücktritt betrachtete der damals 69-Jährige als persönliche Niederlage. Fortan nutzte er seine Zeit für ausgedehnte Reisen, seine Freunde und nicht zuletzt sein Weingut in der Toskana, wie die Familie weiter schreibt. (rub/sda)

Erstellt: 12.11.2012, 16:36 Uhr

Prägende Gestalt der Schweizer Industrie: Portrait Dieter Bührles, 1990. (Bild: Keystone )

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