Analyse

Dummes deutsches Geld

Die Deutschen sind Weltmeister im Exportieren – und Regionalliga, wenn es darum geht, das damit verdiente Geld sinnvoll zu investieren.

Investitionen in die eigene Infrastruktur wären nötig: Ein Fachmann untersucht einen Riss in einer Strasse in Norddeutschland.

Investitionen in die eigene Infrastruktur wären nötig: Ein Fachmann untersucht einen Riss in einer Strasse in Norddeutschland. Bild: Sascha Schuermann/Keystone

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In seinem Bestseller «The Big Short» rechnet Michael Lewis mit den Bankern in der Subprime-Krise ab. Bei einem besonders dubiosen Deal erkundigt sich ein amerikanischer Investmentbanker, wer überhaupt diesen Schrott kaufe. «Irgendein Idiot aus Düsseldorf», erhält er zur Antwort. Lewis hat sich mit solchen Anekdoten nicht unbedingt in die Herzen der Deutschen geschrieben und seine Banker zu Witzfiguren degradiert.

Aber langsam kommt man auch in Deutschland zur Erkenntnis, dass der Mann vielleicht nicht Unrecht haben könnte. Unter dem Titel «Dummes deutsches Geld» kritisiert selbst die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) das Anlageverhalten der Deutschen scharf. Die Exporte nach Griechenland seien mit eigenem Geld bezahlt worden, schreibt die FAZ. «Der de facto erfolgte Schuldenschnitt Griechenlands sorgt nun dafür, dass die Gläubiger nur noch einen Teil ihres Geldes wiedersehen werden», hält die FAZ weiter fest. «Also zahlt Deutschland die Exporte, für die es nun am Pranger steht, zum Teil selbst.»

«Amateurhafte Portfolio-Investitionen»

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin hat ausgerechnet, wie viel deutsches Spargeld durch dämliche Anlagen im Ausland verbrannt worden sind. Es kommt dabei auf horrende Zahlen. Allein zwischen 2006 und 2012 summieren sich die Verluste auf rund 600 Milliarden Euro. Das Geld wurde dabei auf verschiedenste Art verloren, mit Anlagen in toxische Anleihen in den USA, Kredite an irische Banken oder Staatsanleihen in Defizitländer. «Die Sparer mögen die Verluste nicht immer direkt verspürt haben», stellt das «Wall Street Journal» fest. «Manchmal sind sie mit Bail-outs von Banken auch vom Steuerzahler geschultert worden. Aber es sind trotzdem Verluste.»

Auch die FAZ kommt zur Erkenntnis, dass es nichts nützt, Exportweltmeister zu sein, wenn das damit verdiente Geld verschleudert wird. «Unsere leistungsfähige Volkswirtschaft verkauft hochwertige Produkte zu guten Preisen in die ganze Welt, ohne dabei reich zu werden», jammert das Blatt und schlägt Alternativen vor: «Warum macht es Deutschland nicht wie Norwegen, das seine dank Ölexporten erzielten Überschüsse in einem Staatsfonds verwaltet? Oder wie die Schweiz, die ihr Geld ebenfalls im Ausland gewinnbringend anzulegen weiss?»

Das «Wall Street Journal» hingegen rät den Deutschen, das Geld zunächst im eigenen Land zu investieren. «Es wäre möglicherweise profitabler, die Spargelder dazu zu verwenden, die zerfallende Infrastruktur zu erneuern», stellt das Blatt fest. Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch der Finanzprofessor Heribert Dieter. Im «Wall Street Journal» kommentiert er: «Die Deutschen sind sehr wettbewerbsfähige Hersteller von Gütern, aber dumme Exporteure von Kapital. Um das deutsche Geschäftsmodell zu verbessern, wäre es am besten, man würde die amateurhaften Portfolio-Investitionen im Ausland unterlassen.»

Erstellt: 03.12.2013, 16:20 Uhr

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