EZB belässt Leitzins auf Rekordtief

Der Euro-Leitzins wird nicht gesenkt. Die Europäische Zentralbank lässt ihn bei 1 Prozent. Analysten erwarten aber, dass sich dies schon bald ändert.

Schraubt noch nicht weiter an der Zinsschraube: EZB-Präsident Mario Draghi. (8. Dezember 2011)

Schraubt noch nicht weiter an der Zinsschraube: EZB-Präsident Mario Draghi. (8. Dezember 2011) Bild: Reuters

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Nach zwei Senkungen in Folge war mit einer Zinspause gerechnet worden. Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von 1 Prozent. Das beschloss der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt.

Wegen der schwächelnden Konjunktur gibt es allerdings bereits Forderungen, den wichtigsten Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft im Euroraum weiter zurückzunehmen. Analysten erwarten deshalb, dass der Leitzins im Jahresverlauf noch weiter nach unten gehen könnte.

Wirkung nicht entfaltet

Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite für Unternehmen und Verbraucher und können so das Wachstum anschieben. Um die Wirtschaft in der Eurozone zu stützen, hatte die Zentralbank im November den Zinssatz, zu dem sich Banken bei der EZB mit Geld versorgen, von 1,5 auf 1,25 Prozent und im Dezember um weitere 25 Basispunkte auf ein Prozent gesenkt.

Noch haben die jüngsten massiven Massnahmen der Notenbank nicht ihre volle Wirkung entfaltet: Kurz vor Weihnachten hatte die EZB über einen aussergewöhnlich langen Dreijahreskredit fast 500 Milliarden Euro an Geldinstitute der Eurozone ausgegeben. Das soll ein Austrocknen der Kreditströme verhindern.

Alle Optionen offen

Nach Meinung von Beobachtern wird sich die Notenbank unter ihrem seit Anfang November amtierenden Präsidenten Mario Draghi alle Optionen offenhalten – auch aufgrund der nach wie vor vorhandenen Spannungen im Bankensektor.

Die EZB selbst stellte im Dezember fest, die Finanzstabilität im Euroraum sei so stark gefährdet wie nie seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Niedrige Zinsen sollen in wirtschaftlich angespannten Zeiten die Investitionsfreudigkeit der Unternehmen anfeuern. (rub/sda/AFP)

Erstellt: 12.01.2012, 13:50 Uhr

Bank of England hält ihr Pulver trocken

Die Bank von England (BoE) hält sich vorerst mit weiteren Stützungsmassnahmen für die britische Wirtschaft zurück. Wie die Zentralbank nach einer Sitzung des geldpolitischen Komitees in London mitteilt, bleibt der Leitzins unverändert bei 0,5 Prozent.

Auch ihre Staatsanleihenkäufe weitet die BoE vorerst nicht aus. Ökonomen hatten mit dieser Entscheidung gerechnet, erwarten aber ab Februar weitere Bondkäufe, da die Konjunktur auf der britischen Insel nach wie vor nicht in Schwung kommt – vor allem die Arbeitslosigkeit ist hoch. Zudem wird damit gerechnet, dass die Wirtschaftsleistung in der ersten Jahreshälfte zurückgeht.

Notenbankchef Mervyn King hatte im Oktober mit einem neuen, 75 Milliarden Pfund schweren Anleihenkaufprogramm begonnen, das Ende Januar auslaufen dürfte. Viele Analysten erwarten, dass er dann nachlegen wird, zumal im Februar auch der aktualisierte Inflationsbericht der Zentralbank vorliegen wird – häufig ein Indikator für ihre weitere Geldpolitik.

Beim allerersten Kaufprogramm hatte die BoE Staatspapiere für 200 Milliarden Pfund erworben. Sie ist derzeit quasi die einzige Institution in Grossbritannien, die das Wirtschaftswachstum unterstützen kann, da die Regierung ein grosses Sparprogramm aufgelegt hat, um das Staatsdefizit abzubauen. (SDA)

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