Ein Goldhändler lässt aufhorchen

Der Abstimmungskampf um die Goldinitiative läuft – nun tritt ein Akteur auf, der selber ins Geschäft involviert ist.

«Ich bin aktiv in dieses Referendum involviert»: Egon von Greyerz (rechts) im Interview mit einem Goldanalysten. (Video: Youtube/Goldbrokercom)


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Wie viel Geld haben die Gold-Initianten für den Abstimmungskampf zur Verfügung? Diese Frage bewegt derzeit die Schweizer Öffentlichkeit. Die Kasse der Befürworter sei prall gefüllt, berichtet die «Aargauer Zeitung» heute, das Budget belaufe sich auf über eine Million Franken. Das bestätigt Mitinitiant und SVP-Nationalrat Luzi Stamm gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Woher das Geld kommt und wie sich der Betrag zusammensetzt, will Stamm nicht kommentieren.

Mindestens ein Teil der Gelder stammt nachweislich aus dem Ausland: So ruft der Goldhändler und schweizerisch-schwedische Doppelbürger Egon von Greyerz auf mehreren Internetseiten und in Interviews zu Spenden für die Initiative auf. Von Greyerz ist Gründer der Vermögensverwaltungsfirma Matterhorn Asset Management AG (MAM) und leitet dort die Abteilung für Edelmetall-Investments, Gold Switzerland. Die MAM kümmert sich nach eigenen Angaben um die «Vermögenserhaltung für Personen und Institutionen mit hohem Eigenkapital».

«Aktiv in dieses Referendum involviert»

Luzi Stamm freut sich über die Unterstützung und die zusätzlichen Gelder fürs Initiativbudget. Dass von Greyerz als Goldhändler auch ein ureigenes Interesse an einem Ja zur Initiative haben könnte – Experten erwarten bei einer Annahme heftige Bewegungen beim Goldpreis –, will Stamm nicht in Abrede stellen. Ein Problem erkennt er darin nicht: «Auch wenn von Greyerz Hintergedanken hat – am Schluss kommt seine Hilfe der Schweiz und der Nationalbank zugute.»

In einem Video-Interview mit dem Goldanalysten Dan Popescu nimmt von Greyerz am 31. Oktober Stellung: «Ich bin aktiv in dieses Referendum involviert, weil ich die Initianten unterstütze.» Man werde eine traditionelle Abstimmungskampagne mit Plakaten und Flyern für jeden Haushalt lancieren.

Er selber habe sich dafür eingesetzt, dass auch mit einer Social-Media-Kampagne für die Initiative geworben werde. Man wisse, dass die 20- bis 44-Jährigen über die traditionellen Medien nicht mehr gut erreichbar seien, deshalb wolle man auf anderen Wegen an sie herankommen. Das sei nötig, weil die Initiative derzeit noch nicht genug Aufmerksamkeit erhalte.

Mindestens 100'000 Franken Spendengelder

Von Greyerz bestreitet nicht, dass ein Ja zur Initiative den weltweiten Goldmarkt (und damit auch seine Geschäfte als Goldhändler) beeinflussen könnte – allerdings «nicht unmittelbar, da die Schweizerische Nationalbank fünf Jahre Zeit hätte, um den geforderten Goldanteil zu erreichen». Viel wichtiger wäre laut von Greyerz ohnehin die Tatsache, dass die Schweizer mit einem Ja einen neuen Trend unter Nationalbanken lancieren würden: weg vom Goldhandel hin zum Goldlagern, um seiner Meinung nach «das Landesvermögen und die Währung zu schützen». Er sei einer der Ersten gewesen, der das Potenzial von Gold als Kapitalanlage erkannt habe. Von Greyerz freut sich über die «vielversprechenden» Resultate der ersten Abstimmungsumfrage, die einen Ja-Stimmen-Anteil von 44 Prozent prognostiziert.

Von Greyerz hofft, dass durch seine Spendenaufrufe mindestens 100'000 Franken zusammenkommen, wie er gegenüber Blick.ch sagt. Er habe auch Geld aus seiner eigenen Tasche gespendet, über den genauen Betrag macht er keine Angaben. Bei seiner Spendenaktion scheint es allerdings Probleme zu geben: Von Greyerz’ Paypal-Konto wurde offenbar gesperrt. Auf der Website seiner Firma verweist er nun auf das Konto des Initiativkomitees. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.11.2014, 12:12 Uhr

SVP-Nationalrat und Goldinitiant Lukas Reimann stapelt bei einer Pressekonferenz in Bern Goldbarren aus Schokolade. (23. Oktober 2014) (Bild: Reuters )

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