Ein ganzes Land ohne Strom

Erdöl-Staat ohne Saft: Ein Stromausfall hat weite Teile Venezuelas sowie die Hauptstadt Caracas stundenlang lahmgelegt. Präsident Nicolás Maduro spricht von einem «elektrischen Putsch».

Plötzlich gingen die Lichter aus: Ein Mann prüft in Caracas, ob seine Handys noch funktionieren.

Plötzlich gingen die Lichter aus: Ein Mann prüft in Caracas, ob seine Handys noch funktionieren. Bild: Reuters

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Die Stromversorgung brach gestern um die Mittagszeit in mindestens 14 der 23 venezolanischen Regionen zusammen. In der Millionenmetropole Caracas sorgte der Ausfall der Ampeln für ein Verkehrschaos. Die U-Bahn, die täglich mehr als eine Millionen Pesonen befördert, fiel ebenfalls aus. Der Stromausfall sei durch Probleme an einer Leitung zwischen der Stadt Guayana und dem Westen des rund 29 Millionen Einwohner zählenden Landes ausgelöst worden, sagte Energieminister Jesse Chacón.

Am Guri-Stausee nahe Guayana wird mehr als 80 Prozent der venezolanischen Elektrizität erzeugt. Nach rund fünf Stunden sei die Versorgung in einem Grossteil des Landes wiederhergestellt worden, teilte Informationsministerin Delcy Rodríguez mit.

«Elektrischer Putsch»

Präsident Nicolás Maduro machte die Opposition für den Blackout verantwortlich und sprach von einem «elektrischen Putsch». Maduro sprach von einem «merkwürdigen und abrupten Ausfall». Alles deute darauf hin, dass «die extreme Rechte einen elektrischen Putsch gegen das Land führt», schrieb der sozialistische Staatschef im Kurzmitteilungsdienst Twitter. Zugleich befahl er der Armee, in den betroffenen Regionen auf Patrouille zu gehen. Auch eine Untersuchung des Vorfalls wurde eingeleitet.

Oppositionschef Henrique Capriles wies die Spekulationen zurück und machte die Regierung für den Stromausfall verantwortlich. Diese habe es viel zu lange versäumt, in die Stromnetze zu investieren. «Unser Volk leidet unter der Unfähigkeit der Regierung», schrieb der Gouverneur des ebenfalls betroffenen Bundesstaats Miranda auf Twitter. «Was passiert ist, sollte die Venezolaner dazu motivieren, weiter für einen Wechsel zu kämpfen.»

Opposition ist Sündenbock

Bereits 2011 hatte die Regierung den Notstand im Eletrizitätssektor ausgerufen, da zahlreiche Probleme bei der Infrastruktur die Stromversorgung gefährdeten.

Maduro macht immer wieder die Opposition für die Probleme des Landes verantwortlich. Zuletzt beschuldigte er seine politischen Gegner, die extrem hohe Inflation verantwortet zu haben. Ausserdem stecken sie seiner Ansicht nach hinter einem Mordkomplott gegen ihn. (bru/sda)

Erstellt: 04.09.2013, 14:03 Uhr

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