Euro und Dollar stürzen ab

Es gibt kein Halten mehr: Der Euro und der Dollar schwächen sich immer stärker ab. Am Nachmittag erreichte der Euro einen neuen Tiefststand.

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Belastet von der Schuldenkrise hat der Euro einen neuen Tiefststand erreicht. Am frühen Nachmittag fiel die Gemeinschaftswährung kurz auf unter 1.17 Franken. Gegenüber dem Dollar verlor der Euro übers Wochenende ebenfalls an Boden: Der Wechselkurs sank auf 1.4056. Der Dollar notierte zwischenzeitlich bei 0.8337 Franken.

Für die Belastung sorgt beim Euro abermals die europäische Schuldenkrise, die sich auf das drittgrösste Euro-Land Italien auszuweiten droht. Dort sind die Risikoaufschläge für Staatsanleihen zuletzt auf einen Rekordstand gestiegen.

Spitzentreffen in Brüssel

Heute treffen sich in Brüssel die Euro-Finanzminister, um über die Schuldenkrise zu beraten. Kurz davor wollen sich Spitzenvertreter von EU und EZB treffen. Nach einem Bericht der deutschen Zeitung «Welt» drängt die EZB auf eine abermalige und deutliche Aufstockung des Euro-Rettungsschirms.

Händlern zufolge könnte der Druck auf den Euro etwas nachlassen, wenn bei dem EU-Treffen eine Einigung über das zweite Rettungspaket Griechenlands erreicht werde.

Bisher ist vor allem unklar, in welchem Umfang Banken, Versicherer und Investmentfonds beteiligt werden sollen, ohne dass die Ratingagenturen dies als Zahlungsausfall taxieren. Auf die Beteiligung privater Gläubiger pochen Deutschland, die Niederlande, Österreich und Finnland.

Polen fordert zweites Griechenland-Hilfspaket

Die polnische EU-Ratspräsidentschaft hat die Euro-Länder aufgefordert, «so schnell wie möglich» ein zweites Rettungspaket für Griechenland auszuarbeiten. Die 17 Euro- Finanzminister treffen sich heute in Brüssel.

Sie wollten unter anderem das zweite bis zu 120 Milliarden Euro schwere Hilfspaket für das hochverschuldete Griechenland beraten. Beschlossen werde es aber erst im Herbst, sagten EU-Diplomaten.

«Zügig, aber ohne Hektik»

Mit der Freigabe der 12-Milliarden-Euro-Tranche aus dem aktuellen Hilfsprogramm Anfang Juli sei das «Notwendige für Griechenland auf den Weg gebracht worden», sagte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble bei seiner Ankunft in Brüssel.

Nun würden die Minister «zügig, aber ohne Hektik» das neue Programm verhandeln. Wenn es nach Deutschland gegangen wäre, «hätten wir jetzt schon ein neues Programm», sagte Schäuble. Aber es seien noch nicht alle Länder so weit gewesen.

Der polnische Finanzminister Jacek Rostowski wird nach Angaben verschiedener Nachrichtenagenturen nun doch an der Sitzung der Euro-Gruppe teilnehmen. Die polnische EU-Ratspräsidentschaft hatte zuletzt darauf verwiesen, dass dies im Rahmen einer Kohärenz zwischen Euro-Gruppe und den nicht zur Euro-Zone gehörenden EU- Staaten wichtig wäre.

Auch Italien im Sog

Nicht vom Tisch ist Italien als Diskussionsthema der Euro-Gruppe. Die Risikoaufschläge für italienische Schuldtitel waren Ende der vergangenen Woche auf Rekordniveau gestiegen.

Italien stehe vor nicht einfachen Haushaltsentscheidungen, erklärte Schäuble vor Beginn der Sitzung der Euro-Gruppe. Aber er habe keine Zweifel daran, dass Italien die richtigen Entscheide treffen werde und sprach von der «üblichen Aufregung vor solchen Sitzungen». (bru/sda)

Erstellt: 11.07.2011, 14:30 Uhr

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