Fährt die SNB die Deviseninterventionen zurück?

Hoppla, die heutige SNB-Mitteilung enthält einen Satz, der zu Spekulationen Anlass gibt. Der SGB zeigt sich alarmiert. Die CS rechnet damit, dass die Notenbank eine Aufwertung des Frankens zulässt.

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Alles im Auge behalten, wenn News die Märkte bewegen: Banker in einem Händlerraum eines Finanzinstituts. Bild: Keystone

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat mit einer Änderung in der Formulierung einen leichten Kurswechsel bei den Deviseninterventionen signalisiert. Künftig könnte sie ihre Interventionen zurückfahren. An der Zinsfront bleibt alles beim Alten.

In ihrer Mitteilung zur Geldpolitik vom Donnerstag schreibt die Nationalbank wie schon in den Mitteilungen zuvor, dass sie bei Bedarf weiterhin am Devisenmarkt aktiv wird. Diesmal hat die SNB jedoch diesen Standardsatz um den Zusatz «wobei sie die gesamte Währungssituation berücksichtigt» ergänzt.

Leiser Hinweis

Diese Formulierung ist zwar alles andere als neu. Nationalbankpräsident Thomas Jordan verwendet sie im Zusammenhang mit den Deviseninterventionen schon seit mehr als einem Jahr. Dass sie jedoch jetzt auch in die offizielle Mitteilung Eingang gefunden hat, könnte einen leichten Kurswechsel bei den Deviseninterventionen andeuten.

So gingen die Ökonomen der Credit Suisse zum Beispiel schon vor der Bekanntgabe des geldpolitischen Entscheids davon aus, dass die SNB ihre Deviseninterventionen zurückfährt und damit gegenüber dem Euro eine Aufwertung des Franken akzeptiert.

In den letzten drei Monaten hat sich der Euro zum Franken deutlich abgeschwächt.

Die Grossbank begründete diese Annahmen mit dem veränderten Devisenkursverhältnissen. So gilt heute der Franken gegenüber dem Dollar nicht mehr als überbewertet. Auch hat sich die Schweizer Exportwirtschaft weitgehend vom Frankenschock erholt.

Jordan sagte vor den Medien in Bern, die Geldpolitik ändere sich nicht. Die Nationalbank habe bei ihren Interventionen immer die Gesamtsituation im Blick und beobachte alle Währungen. Sie sei bereit, weiter ihre Bilanz auszuweiten, um den bei Investoren in unsicheren Zeiten beliebten Franken zu schwächen.

«Abenteuerlicher Kurswechsel»

Gar keine Freude an einem allfälligen Politikwechsel der SNB hat der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB). In einer Mitteilung vom Donnerstag schreibt der SGB von einem «abenteuerlichen Kurswechsel der SNB».

Der Franken sei nämlich nach wie vor stark überbewertet und die Kapazitäten der Schweizer Wirtschaft seien nicht ausgelastet. In dieser Situation bräuchte es eine expansive Geldpolitik, heisst es in der Mitteilung. Der SGB erwartet darum von der SNB, das sie gegen die Überbewertung des Frankens weiter vorgeht. Das Ziel müsse sein, den Euro bei einem Kurs von 1.10 Franken zu stabilisieren.

Zinsen unverändert

Keinen Interpretationsspielraum lässt die Nationalbank bei den Zinsen. Die Negativzinsen auf Giroguthaben betragen weiterhin 0,75 Prozent, wie die Währungshüter am Donnerstagmorgen mitteilten. Ebenfalls unverändert beliess die Nationalbank die Leitzinsen. Das Zielband für den Drei-Monats-Libor beträgt weiterhin -1,25 bis -0,25 Prozent.

Jordan und das Direktoriumsmitglied Andréa Mächler bezeichneten den Negativzins und die Interventionen als weiterhin wirksam. In der relativ turbulenten zweiten Hälfte des Finanzjahrs sei der Franken stabil geblieben. Zuletzt intervenierte die SNB etwa nach dem Entscheid der Briten für einen Ausstieg aus der EU, als sich das Pfund stark abwertete.

Gleichbleibendes Wachstum

Jordan betonte die Risiken für das moderate und nicht breit abgestützte Wachstum der Weltwirtschaft. Strukturelle Probleme wie Staatsschulden und fragile Finanzsysteme seien nach wie vor vorhanden. Auch die künftige US-Wirtschaftspolitik unter dem neuen Präsidenten Donald Trump sei ungewiss und der Ausgang der Brexit-Verhandlungen offen. Hinzu kämen Wahlen in mehreren Ländern der Eurozone.

Der schweizerischen Wirtschaft prognostiziert die SNB ein gleich bleibendes Wachstumstempo. Wie 2016 soll sie auch 2017 um rund 1,5 Prozent wachsen. Die Aussichten für das nächste Jahr sind verhalten positiv.

Weniger Blasengefahr

Zur Lage auf dem Hypothekar- und Immobilienmarkt schreibt die SNB, dass die Ungleichgewichte leicht geringer geworden seien. Die Gefahr einer Immobilienpreisblase hat sich also reduziert. Dennoch gibt die Nationalbank noch keine Entwarnung. Die Ungleichgewichte seien nämlich immer noch ähnlich hoch wie im Jahr 2014, schreibt sie.

Die US-amerikanische Zentralbank Federal Reserve hat den Zinssatz um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Aber was heisst das eigentlich? (Video: Tamedia)

Die SNB beobachte darum die Entwicklung auf diesen Märkten weiterhin aufmerksam und prüfe regelmässig, ob der antizyklische Kapitalpuffer angepasst werden muss. Die Nationalbank hat diesen Puffer 2014 auf 2 Prozent festgelegt.

Vizepräsident Fritz Zurbrügg erklärte zur Finanzmarktstabilität, die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse hätten ihr Eigenkapital leicht erhöht. Handlungsbedarf gebe es bei den wandelbaren Instrumenten. Für die Aufspaltbarkeit seien Schweizer Gesellschaften gebildet worden.

Im Weiteren kündigte Zurbrügg die neuen 20-Franken-Noten an. Die Zwanzigerscheine werden am 10. Mai 2017 vorgestellt und ab dem 17. Mai ausgegeben. Die neuen Zehnernoten sollen im Herbst folgen. Bei den neuen Fünfzigern erklärte der SNB-Vize, zwei Drittel der alten Serie seien nicht mehr im Umlauf. (cpm/sda)

Erstellt: 15.12.2016, 12:48 Uhr

Dollar steigt zum Franken nach Fed und SNB auf Jahreshoch

Die Aussicht auf eine weitere Straffung der US-Geldpolitik hat dem Dollar Auftrieb gegeben. Die US-Währung notierte am Donnerstagmittag mit 1,0309 Franken auf dem höchsten Stand seit gut einem Jahr.

Am Mittwoch hatte die US-Devise noch gut einen Rappen weniger gekostet. Gegenüber dem Euro schwächte sich der Franken nur marginal ab.

Die US-Notenbank Fed hat am Mittwochabend wie erwartet die Leitzinsen zum ersten Mal seit einem Jahr um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Sie signalisierte zugleich drei weitere Schritte für das kommende Jahr. Dies sei ein Schritt mehr als die Ökonomen erwartet hätten, hiess es am Markt.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hingegen hält an ihren Negativzinsen fest und schloss sogar eine weitere Zinssenkung nicht aus. Die SNB-Entscheidung sei erwartet worden und habe wenig Auswirkungen auf die Märkte gehabt, sagte Sandra Holdsworth von Kames Capital. «Die Entscheidung der US-Notenbank hat den grösseren Einfluss auf das Marktniveau.» (sda)

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