Für Schweizer Firmen ist Brasilien ein hartes Pflaster

In Lateinamerika ist Brasilien für die Schweiz der wichtigste Handelspartner. Die Schweizer Unternehmen und Bundesrat Schneider-Ammann hoffen nun auf ein Freihandelsabkommen.

Ist zum dritten Mal für Wirtschaftsgespräche in Brasilien: Bundesrat Johann Schneider-Ammann besucht das House of Switzerland in Rio de Janeiro, Brasilien. (5. August 2016)

Ist zum dritten Mal für Wirtschaftsgespräche in Brasilien: Bundesrat Johann Schneider-Ammann besucht das House of Switzerland in Rio de Janeiro, Brasilien. (5. August 2016) Bild: Präsenz Schweiz/House of Switzerland/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Die Konjunktur macht den Unternehmen hier zu schaffen», sagte Bundespräsident Johann Schneider-Ammann nach einem Treffen mit Wirtschaftsvertretern in Rio de Janeiro zur Nachrichtenagentur sda. «Sie können keine Wachstumszahlen verbuchen, aber sie sind zuversichtlich».

Ihre Hoffnungen ruhen auf einem Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Freihandelsassoziation EFTA, welcher die Schweiz angehört, und dem südamerikanischen Staatenbündnis Mercosur, dessen Mitglied Brasilien ist. Über ein solches Abkommen hatte der Wirtschaftsminister Mitte Woche in der Hauptstadt Brasília mit dem brasilianischen Aussenminister José Serra diskutiert. Das Wirtschaftsdepartement in Bern bezeichnete die Gespräche als «sehr konstruktiv».

Erster Anlauf im Jahr 2011

Das war nicht immer so. Schneider-Ammann hat sich in den letzten Jahren immer wieder für das Abkommen stark gemacht. Bereits während seines ersten Besuchs in Brasilien 2011 hatte er auf Sondierungsgespräche gedrängt, aber eine Absage erhalten.

EFTA und Mercosur schlossen zwar bereits vor 16 Jahren eine Vereinbarung im Hinblick auf ein Freihandelsabkommen ab, Verhandlungen wurden aber nie aufgenommen. 2011 liess man Schneider-Ammann deshalb wissen, man müsse zuerst innerhalb von Mercosur eine gemeinsame Basis finden.

Kaffee und Gold gegen Chemie

Im zweiten Anlauf 2014 waren die Reaktionen dann positiver. Nach Gesprächen mit dem damaligen brasilianischen Vize-Wirtschaftsminister und dem Aussenminister gab sich Schneider-Ammann optimistisch, dass Gespräche aufgenommen werden. Offenbar zurecht, wie sich nun in der dritten Runde zeigt.

Am Wirtschaftsaustausch am Samstag im House of Switzerland waren Vertreter von Tochterfirmen von Schweizer Unternehmen zugegen – unter anderen von Nestlé, Richemont und Kudelski. Hinter dem Treffen stehen die Handelsförderungsagentur Switzerland Global Enterprise, die schweizerisch-brasilianische Handelskammer und das Netzwerk Simmex.

Brasilien ist für die Schweiz der wichtigste Handelspartner in Lateinamerika. Im vergangenen Jahr importierte die Schweiz gemäss Bundesangaben Güter im Wert von 1,43 Milliarden Franken – vor allem Gold, Kaffee und Rohaluminium. Im Gegenzug exportierte sie für 2,04 Milliarden Franken vornehmlich Chemikalien, Maschinen und pharmazeutische Produkte. (foa/sda)

Erstellt: 07.08.2016, 10:52 Uhr

Artikel zum Thema

Schweiz braucht Verbündete im TTIP-Poker

Beim Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU steht die Schweiz abseits. Eine Studie weist auf die Gefahren hin. Mehr...

Schneider-Ammanns Teilerfolg in Brasilien

Während Jahren drängt die Schweiz mit Brasilien auf ein Freihandelsabkommen. Nun stösst Schneider-Ammann auf offene Ohren. Die Sache hat jedoch ihren Preis. Mehr...

«Das Ende des demokratischen Systems, wie wir es kennen»

Schweizer Front gegen TTIP: Mehrere Player stellen sich gegen ein transatlantisches Freihandelsabkommen. Die Argumente. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Blogs

Sweet Home Versteckspiel mit dem TV

Tingler Immer schöner

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Ungewisse Zukunft: Seit Tagen harren auf einem Rettungsschiff 629 Flüchtlinge aus. Spanien hat sich nun bereit erklärt, das Schiff im Hafen von Valencia anlegen zu lassen, nachdem Italien die Einfahrt in seine Häfen verweigert hatte. (16. Juni 2018)
(Bild: Karpov/SOS Mediterranee/handout ) Mehr...