Gold bunkern in den Alpen

Einige ausrangierte Bunker-Anlagen der Armee gehören heute wohl zu den wertvollsten Immobilien der Schweiz. Sie bieten maximale Sicherheit und bergen einen Milliarden-Schatz.

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Die weltweite Angst vor einer Schuldenkrise in den USA und Europa hat heute den Goldpreis auf ein neues Allzeithoch getrieben. Pro Feinunze (31 Gramm) des Edelmetalls musste man erstmals mehr als 1700 Dollar hinblättern. Am frühen Morgen erreicht der Preis ein Hoch von 1715 Dollar. Gegen 11.00 Uhr stand der Kurs in Frankfurt dann bei 1708 Dollar. Das dürfte nicht nur die Goldschürfer freuen, sondern auch die Vertreter einer sehr verschwiegenen Branche.

Als der Bundesrat in den 1940er-Jahren seinen Bunker bei Amsteg UR in den Gotthard graben liess, hätte wohl niemand damit gerechnet, dass darin dereinst ein lukratives Geschäft betrieben würde. Heute nutzt die Firma Swiss Gold Safe den ehemaligen Bundesratsbunker. Institutionelle und private Kunden können in der geheimnisumwitterten Hochsicherheitsanlage Wertsachen einlagern.

Der Tresor ist in der gegenwärtigen Finanzmarktkrise buchstäblich Gold wert. Das gesteigerte Sicherheitsbedürfnis zahlreicher Kunden schlägt sich im Geschäftsgang nieder. Der Chef von Swiss Gold Safe, Hans J. Maurer, sagt gegenüber der «Handelszeitung» (vollständiger Artikel bei «Die Welt»): «Die Anfragen haben sich dieses Jahr vervielfacht.»

Weg vom Euro- und Bankensystem

Details gibt Maurer nicht preis. Die «Sonntagszeitung» hatte bereits letztes Jahr berichtet, die Geschäfte der Branche, die mehrere Unternehmen umfasst, liefen blendend. Vor allem deutsche Privatanleger würden ihr Gold in die Schweiz tragen. Sie suchten einen Ort ausserhalb des Eurosystems. Gleichzeitig bieten die Bunker in den Schweizer Bergen gegenüber den Banken den zusätzlichen Vorteil einer Lagerung ausserhalb des Bankensystems.

Die Geldinstitute profitieren zwar ebenfalls vom aktuellen Goldboom. Laut Hans J. Mauer hätten einige Kunden seines Alpentresors jedoch «Bedenken, dass sie bei einer temporären Bankenschliessung keinen Zugang zu ihren Edelmetallen haben könnten».

Verschwiegene Branche

Weitere von der «Handelszeitung» angefragte Tresorbunker-Unternehmen bestätigten nicht einmal, dass sie überhaupt Gold und andere Wertgegenstände lagern. Firmen wie Deltalis, die in Attinghausen UR das Fort DK 2 beitreibt, oder SIAG Secure Infostore AG, die im Berner Oberland über das Swiss Fort Knox wacht, beantworteten die Frage nicht. Offiziell betreiben sie vor allem Datenbackup-Zentren.

Gegenüber «20 Minuten online» hatte der Geschäftsführer von SIAG Secure Infostore AG, Christoph Oschwald, früher einmal gesagt: «Die Informationen, die hier lagern, sind Milliarden von Franken wert.» Zum Thema Gold sagt Oschwald der «Handelszeitung» lediglich: «Es ist klar, dass wir mit unserem Sicherheitskonzept für Leute interessant wären, die Edelmetalle an einem sicheren Ort unterbringen wollen.»

Höchste Sicherheit

Das Swiss Fort Knox soll selbst Atombombenanschläge überstehen und auch vor elektromagnetischer Strahlung, wie sie bei extremen Sonnenstürmen auftreten kann, sicher sein. Laut «20 Minuten online» verfügt die Anlage über einen Ableger in einem benachbarten Tal, der «durch eine Art Faradaykäfig» geschützt ist.

Der Bunker, der den Alpen-Tresor beherbergt, wurde ursprünglich von der Schweizer Armee errichtet. Das Militär nutzt noch heute einen Teil davon. Zusätzlich zum privaten Wachpersonal ist deshalb auch die Armee beim Swiss Fort Knox präsent. (rub)

Erstellt: 08.08.2011, 12:05 Uhr

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