Griechen bringen ihr Geld in die Schweiz

Im Keller, auf dem Dachboden oder unter der Matratze: Die Griechen verstauen ihr Geld überall, nur nicht auf griechischen Banken. 16 Milliarden sollen im Ausland sein, möglicherweise noch viel mehr.

65 Milliarden Euro abgehoben: Frauen vor der Piraeus Bank in Athen. (21. Juli 2011)

65 Milliarden Euro abgehoben: Frauen vor der Piraeus Bank in Athen. (21. Juli 2011) Bild: AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Misstrauen der Griechen in die lokalen Banken hält weiter an. Die Griechen haben in den vergangenen zwei Jahren rund 65 Milliarden Euro von ihren Bankkonten abgehoben, sie fürchten eine Wiedereinführung der Drachme, ein Zusammenbruch der Banken oder einen Eingriff des Staates. 16 Milliarden Euro davon transferierten sie legal ins Ausland, wie der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos heute sagte.

«Weniger als zehn Prozent des Geldes gingen in die Schweiz, 32 Prozent nach Grossbritannien», erläuterte Venizelos. Die restlichen 49 Milliarden Euro hätten die Griechen «in Sicherheitsfächern, in Truhen, in Kellern und Dachböden oder unter dem Bett versteckt.»

Experten sprechen von riesigen Schwarzgeldsummen

Vor rund zwei Jahren hatten die Schuldenkrise und die nachfolgende schwere Wirtschaftskrise in Griechenland begonnen. Anscheinend war der Geldabfluss am stärksten im Herbst 2011 als Ex-Premier Giorgos Papandreou über das EU-Sparpaket abstimmen lassen wollte. Die Stimmung besänftigte sich, als Lukas Papademos Regierungschef wurde.

Bankenexperten schätzen, dass es sich bei den genannten Summen nur um einen kleinen Teil des ins Ausland geflossenen Geldes handelt. Sie vermuten, dass die Geldanlangen griechischer Anleger, die aus Steuerhinterziehung und Schattenwirtschaft stammen, im Ausland mehr als 200 Milliarden Euro betragen.

Noch kein Beschluss zur Griechenlandrettung

Der griechische Regierungschef Lukas Papademos erklärte zwar heute in Athen, die Gespräche mit den privaten Gläubigern seien in der «Endphase». Ein Treffen der Euro-Finanzminister zur Beratung über folgende Schritte soll aber zumindest am Montag definitiv noch nicht stattfinden.

«Wir befinden uns in der Endphase» teilte Papademos mit. Der Schuldenschnitt und das neue Programm für Griechenland «werden die Last der öffentlichen Schulden erleichtern und die Finanzierung des Landes für viele Jahre sichern».

Kein Treffen am Montag

Auch die EU-Kommission äusserte heute die Einschätzung, dass die Verhandlungen über den Forderungsverzicht der Banken zwar «schwierig», ihr erfolgreicher Abschluss aber innerhalb der kommenden Tage «in Reichweite» sei. «Es gibt den klaren Willen der Beteiligten, zu einer Einigung über eine freiwillige Beteiligung der Privatgläubiger zu kommen», sagte ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel.

Über einen Durchbruch bei den Verhandlungen am Wochenende gibt es offenbar aber noch Zweifel. Ein ins Gespräch gebrachtes Treffen der Eurogruppe zur Lage in Griechenland am Montag findet definitiv nicht statt, wie Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker in Luxemburg mitteilte. Im Verlauf der kommenden Woche sei ein solches Treffen jedoch möglich.

Da im Bemühen um die Griechenland-Rettung die Zeit drängt, wird mit einer Einberufung der Eurogruppe gerechnet, sobald konkrete Beratungen möglich sind. In den vergangenen Tagen hatten EU-Diplomaten mehrfach die Erwartung geäussert, dass die Euro-Finanzminister am Montag über das weitere Vorgehen diskutieren könnten. Für das zweite Hilfsprogramm wurden im Herbst 130 Milliarden Euro veranschlagt. Inzwischen scheint dieser Betrag jedoch nicht mehr auszureichen. Es ist die Rede davon, dass Griechenland weitere 15 Milliarden Euro benötigt.

(kle/sda)

Erstellt: 03.02.2012, 20:18 Uhr

Bildstrecke

Armut und Hunger in Griechenland

Armut und Hunger in Griechenland Humanitäre Organisationen sind besorgt und die Regierung lässt in Arbeitervierteln Essenscoupons verteilen. Die Not in Griechenland wird sichtbar.

Artikel zum Thema

Das griechische Drama erhält einen weiteren Akt

Ein Treffen der EU-Finanzminister am Montag ist verschoben worden. Denn: Beim neuen Griechenland-Programm sind immer noch wichtige Punkte offen. Seit Wochen wird um einen Stabilisierungsplan gerungen. Mehr...

Griechenlands grösster Gläubiger

Die Europäische Zentralbank stützt Griechenland regelmässig mit Anleihenkäufen in Milliardenhöhe. Nun gibt es erste Schätzungen, wie viel sie dafür ausgegeben hat. Mehr...

Deutschland will Griechenland entmachten

Kurz vor einer möglichen Einigung zum Schuldenschnitt ist zwischen Griechenland und Deutschland ein Streit entbrannt: So soll Athen vorübergehend die Souveränität im Haushalt abgeben. Mehr...

Paid Post

Zahlgewohnheiten ändern sich

Für viele Menschen ist Bargeld heute noch das Nonplusultra. Kreditkarten gelten oft als teuer und eher unpraktisch. Doch die Zeiten ändern sich. Und vor allem die Karten selbst.

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Das grösste Kunstwerk der Welt aus Strohhalmen: Zwei Frauen aus Vietnam posieren für ein Foto vor der Kunstinstallation «Abschied des Plastik-Meeres» des kanadischen Künstlers Benjamin Von Wong, die aus 168'000 Plastik-Strohhalmen besteht. (17. März 2019)
(Bild: Thanh NGUYEN) Mehr...