Griechenlands grösster Gläubiger

Die Europäische Zentralbank stützt Griechenland regelmässig mit Anleihenkäufen in Milliardenhöhe. Nun gibt es erste Schätzungen, wie viel sie dafür ausgegeben hat.

Zentrum des Anleihenprogramms: Hauptsitz der EZB in Frankfurt.

Zentrum des Anleihenprogramms: Hauptsitz der EZB in Frankfurt. Bild: Keystone

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Aus Sicht von Beobachtern dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) bisher rund 55 Milliarden Euro für griechische Staatsanleihen ausgegeben haben. Diese Zahl ergibt sich aus Schätzungen, denn die EZB selbst sagt nicht genau, wie sehr sie welchem Land geholfen hat. Sie gibt nur die Gesamtsumme an, die sich inzwischen auf rund 220 Milliarden Euro beläuft.

«Berechnen kann man es nicht genau», sagt Volkswirt Heinrich Bayer von Postbank Research in Bonn. «Es gab eine Phase, in der die EZB ausschliesslich griechische, portugiesische und irische Staatsanleihen gekauft hat.» Daraus lasse sich ableiten, dass die EZB bisher bis zu 55 Milliarden Euro halte. Damit wäre die EZB Griechenlands grösster Gläubiger, weit vor den griechischen und französischen Banken.

Käufe verdreifacht

Im Spätsommer 2011 hatte die EZB ihr Ankaufprogramm auch auf spanische und italienische Anleihen ausgeweitet. Seitdem haben sich die Ankäufe verdreifacht, was aus Sicht von Experten nötig geworden war, weil es sich um grössere Wirtschaftsräume handelt. Italien ist die drittgrösste Wirtschaftsmacht im Euro, Spanien kommt auf Platz vier. Es gilt die Daumenregel: je grösser die Wirtschaft, desto grösser auch der Markt für Staatsanleihen.

Übrigens: Mit rund 220 Milliarden Euro ist die EZB im internationalen Vergleich noch recht zurückhaltend. Zahlen der Ratingagentur Fitch zeigen, dass die EZB rund drei Prozent aller ausstehenden Euro-Staatsanleihen hält – die US-Zentralbank Fed hält bereits rund 16 Prozent aller Staatsschulden Amerikas, die Bank von England sogar rund 27 Prozent der britischen Staatsverschuldung. (jak/dapd)

Erstellt: 30.01.2012, 15:14 Uhr

EZB fährt Anleihenkäufe zurück

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in der vergangenen Woche wiederum deutlich weniger Staatsanleihen gekauft. Sie habe Papiere im Wert von lediglich 63 Millionen Euro am Markt erworben, teilte die EZB in Frankfurt mit. In der Woche zuvor waren es knapp 2,25 Milliarden Euro gewesen.

Seit Anfang Mai 2010 hat die Euro-Notenbank damit Bonds von schuldengeplagten Euro-Staaten wie Italien, Spanien, Griechenland, Portugal und Irland im Gesamtwert von 219 Milliarden Euro aufgekauft.

Die Käufe sind vor allem in Deutschland umstritten, da Kritiker die Grenze zwischen Geld- und Fiskalpolitik verwischt sehen. Sie fürchten zudem, dass die Zentralbank zu viele Risiken auf ihre Bilanz nimmt. Die EZB begründet die Interventionen mit der Störung der Märkte, faktisch drückt sie jedoch die Zinslast der Schuldenstaaten. (sda)

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