«Griechische Sparmassnahmen reichen wahrscheinlich nicht aus»

Wirtschaftskapitän Walter Kielholz äussert sich zur Eurokrise, zu den USA und den Ratingagenturen. Er sagt, was die Euroländer tun müssten, um den Euro zu retten, und weshalb er weiter an US-Staatsanleihen glaubt.

Der stärkste Staat erhält «logischerweise die höchste Note»: Walter Kielholz mit einem Rettungsring, den er anlässlich seines Rücktritts vom CS-Präsidium erhalten hatte. (24. April 2009)

Der stärkste Staat erhält «logischerweise die höchste Note»: Walter Kielholz mit einem Rettungsring, den er anlässlich seines Rücktritts vom CS-Präsidium erhalten hatte. (24. April 2009) Bild: Keystone

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Die vom griechischen Parlament diese Woche verabschiedeten Sparmassnahmen seien zwar nötig, «aber wahrscheinlich reichen sie tatsächlich nicht aus», sagt Walter Kielholz, Präsident der Swiss Re und Verwaltungsrat der Credit Suisse (CS), in einem Interview in der «Börsenzeitung». In Bezug auf die Rettung des Euro, glaubt er, die europäischen Staaten müssten stärker auf einen «disziplinierten fiskalpolitischen Kurs» aller Mitglieder pochen.

Kielholz, der 2003 während der grossen Krise der CS bei der Grossbank Präsident wurde, äussert sich auch zur Kritik an den Banken, sie hätten mit griechischen Obligationen die Rendite maximiert, würden nun aber die Schuldenrestrukturierung behindern.

Faktischer Kaufzwang

Das starke Engagement europäischer Finanzhäuser in Griechenland hänge damit zusammen, dass diese Staatsanleihen kauften, «ohne dass sie diese wirklich haben wollten». Wenn man im lokalen Geschäft eines Landes tätig sein wolle, komme man nicht darum herum, Anleihen der lokalen Regierung zu halten.

Banken und Versicherungen seien stark in staatliche Rahmenbedingungen eingebettet. «Zum Beispiel will die lokale Finanzmarktaufsicht, dass die lokalen Geschäfte durch Eigenmittel hinterlegt sind, die wiederum im lokalen Markt angelegt sind», sagt Kielholz. Da gebe es dann auch nicht mehr viele Alternativen zu Staatsanleihen.

Ein Votum für die Ratingagenturen

Kielholz, der als eine der einflussreichsten Figuren auf dem Schweizer Finanzplatz gilt, verteidigt auch die im Zusammenhang mit der Rückstufung Griechenlands stark kritisierten Ratingagenturen. Eine Welt ohne solche Agenturen wäre noch viel schlimmer, sagt er: «Stellen Sie sich vor, wenn sich jeder einzelne Investor selber ein Bild über alle Schuldner im internationalen Kapitalmarkt machen müsste.»

Kielholz räumt auch ein Problem ein: Die Ratingagenturen lassen sich direkt von jenen Adressaten bezahlen, die sie benoten. Dieser Interessenkonflikt sei nicht gelöst. Auch würden die Agenturen in den USA «aufgrund des grossen politischen Drucks ihre Meinungen nur sehr vorsichtig ändern».

«US-Schatzanleihen sind immer noch das Sicherste»

Das sei indes nicht der Grund dafür, dass das hochverschuldete Land keine Abstufung seiner Bonität befürchten müsse. Vielmehr gebe es kein absolutes Bewertungssystem, sondern nur ein relatives. Der stärkste Staat erhalte in diesem System «logischerweise die höchste Note», so Kielholz. Alles andere werde danach ausgerichtet. Wenn man die USA als Anker des Bewertungssystems nun herunterstufe, «dann macht man im Grund nichts anderes, als die ganze Hierarchie nach unten zu verschieben».

Vor diesem Hintergrund – und weil der Dollar nach wie vor Leitwährung ist – empfiehlt Kielholz amerikanische Obligationen zum Kauf: «US-Schatzanleihen sind immer noch das Sicherste, was man haben kann.»

Schärfere Kapitalvorschriften

Im Vergleich zu früheren Interviews zeigt Kielholz viel Verständnis für die verschärften Eigenkapitalvorschriften für Banken. Auch zu den während Jahren allgemein herrschenden Renditeerwartungen an Banken äussert sich der CS-Verwaltungsrat in der «Börsenzeitung» kritisch: Weshalb eine international tätige Bank eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent benötigen soll, während ein Versicherer wie die Swiss Re nur weniger als die Hälfte erzielen könne, sei ökonomisch nicht zu erklären.

Erstellt: 02.07.2011, 21:28 Uhr

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«US-Schatzanleihen sind immer noch das Sicherste»: Walter Kielholz. (Bild vom 13. März 2009, Keystone)

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