Grösster Investor der Welt schlägt nach Euro-Gipfel Alarm

Die kalifornische Pimco verwaltet über eine Billion Dollar an Vermögen. Jetzt warnt einer ihrer Topmanager öffentlich: Der Euro stehe vor dem Zusammenbruch. Er macht einen radikalen Rettungsvorschlag.

Um eine Euro-Anleihe werde man nicht herumkommen, sagt Bosomworth: Euro-Münzen.

Um eine Euro-Anleihe werde man nicht herumkommen, sagt Bosomworth: Euro-Münzen.

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Verschiedene Politiker haben die Beschlüsse der EU-Regierungschefs vom vergangenen Freitag als zu lasch kritisiert. Jetzt sorgt eine Aussage für grossen Aufruhr: Ein Topmanager von Pimco, einem der grössten Investoren der Welt, warnt öffentlich vor einem Zusammenbruch des Euro.

«Die Politik darf nicht länger die Augen vor einer Staatspleite verschliessen», sagte Andrew Bosomworth, Leiter des Portfoliomanagements in München, der «Welt». Entweder sie baue jetzt eine glaubwürdige und damit langfristig stabile Wirtschaftsunion auf. «Oder sie riskiert einen Zusammenbruch der Währungsunion und damit des Euro», sagte Bosomworth.

Griechenland, Irland und Portugal ausschliessen

Bosomworth macht einen brisanten Vorschlag zur Rettung der Währung. Um die Schuldenprobleme zu lösen, sei wohl ein vorübergehender Austritt von Griechenland, Irland und Portugal notwendig. Der Manager geht nicht davon aus, dass es diesen Staaten gelinge, innerhalb eines festen Wechselkurses zu wachsen und gleichzeitig ihren Haushalt zu entlasten. «Mit einer eigenen Währung könnten sie ihre Güter im Ausland günstiger verkaufen», sagte Bosomworth.

Optimistischer zeigte er sich bei Spanien, Italien und Belgien. «Diese Länder haben gute Chancen, es auch innerhalb der Staatengemeinschaft zu schaffen», so Bosomworth. Der Manager stützt den innerhalb der EU umstrittenen Vorschlag von Jean-Claude Trichet einer Euro-Anleihe: Daran käme man über kurz oder lang «nicht vorbei».

Wer zahlt, bestimmt

Gleichzeitig müsse die EU jedoch tiefgreifend reformiert werden. «Wer mehr in den Topf einzahlt, als er herausnimmt, muss auch mehr Mitsprache haben», sagte Bosomworth. Es dürfe nicht sein, dass Deutschland im Europarat 29 Stimmen habe und Spanien immer noch 27 Stimmen. (oku)

Erstellt: 20.12.2010, 10:10 Uhr

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Portfolio-Manager in München: Andrew Bosomworth.

EU-Beschlüsse

LISSABON-VERTRAG: Der vor einem Jahr in Kraft getretene EU-Reformvertrag erfährt eine begrenzte Änderung, um einen permanenten Rettungsschirm für die Zeit ab 2013 zu ermöglichen. Die Ratifizierung der Vertragsänderung in den 27 EU-Mitgliedsländern soll bis Ende 2012 erfolgen, um die Neuregelung zum 1. Januar 2013 in Kraft setzen zu können. Im Lissabon-Vertrag gibt es bislang ein generelles Verbot der gegenseitigen Schuldenübernahme, das nun entsprechend modifiziert wird, um im Ernstfall doch Beistand zu ermöglichen.

PERMANENTER KRISENMECHANISMUS: Vereinbart wurde im Grundsatz ein ständiger Krisenmechanismus ab 2013 für die Euro-Währungszone als letzte Möglichkeit für stark angeschlagene Euro-Staaten. Demnach können Hilfen nur gewährt werden, wenn sie «unabdingbar» sind, um die Einheitswährung als Ganzes abzusichern. Einzelheiten über das Volumen und den Zinssatz, den die Nutzniesser des künftigen Rettungsnetzes zahlen müssen, sollen auf dem kommenden EU-Gipfel im März beschlossen werden.

MONTENEGRO: Der 2006 unabhängig gewordene Balkanstaat erhält den Status eines Beitrittskandidaten. Damit hat die Europäische Union mit der Türkei, Kroatien, Island, Mazedonien und Montenegro insgesamt fünf Beitrittskandidaten. Beitrittsverhandlungen laufen derzeit mit der Türkei, Island und Kroatien.

ELFENBEINKÜSTE: Der EU-Gipfel verurteilt die Gewalt in dem afrikanischen Staat nach der jüngsten Präsidentschaftswahl, wo bei Zusammenstössen zuletzt am Donnerstag 30 Menschen getötet wurden. Die zivilen und militärischen Führer des Landes wurden aufgerufen, sich hinter den international anerkannten Wahlsieger Alassan Ouattara zu stellen.

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