Hintergrund

Gute Zeiten für Millionäre

Die 300 Reichsten der Schweiz besitzen zusammen 512 Milliarden Franken. 31 Milliarden mehr als das letzte Jahr.

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Hand aufs Herz: Wer möchte nicht gern Millionär sein? Wer würde dankend ablehnen, wenn er im Lotto für einmal den Jackpot knacken würde? Wer würde Nein sagen, wenn ihm sein Arbeitgeber einen Millionenbonus in die Hand drücken würde?

Als wäre es etwas Besonderes, Millionär zu sein. Allein in der Schweiz soll es davon 562'000 geben. Das schreibt das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» in seiner diesjährigen Ausgabe «Die 300 Reichsten». In der kleinen Schweiz wohnen damit 2 Prozent aller Millionäre dieser Welt – deutlich mehr als im viel grösseren Deutschland, wo 463'000 Millionäre leben sollen. Kein Wunder, beisst sich Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf mit dem ausgehandelten Steuerabkommen bei der deutschen Linken die Zähne aus.

Selbst wenn man also diesen Lottogewinn machen würde, selbst wenn man damit die eine oder gleich mehrere Millionen einstecken könnte – unter die 300 Reichsten der Schweiz würde man es damit nie und nimmer schaffen. Da muss man schon 17 Grand Slams gewonnen und Verträge mit Sponsoren wie Nike, Gillette oder Rolex in der Tasche haben – also etwa Roger Federer heissen –, um einen Platz in der goldenen «Bilanz» zu ergattern.

Zum Trost kann immerhin darauf verwiesen werden, dass selbst von den vielen mit Boni überschütteten Bankern nur wenige in die Hitparade der Superreichen vorstossen. Namen wie Josef Ackermann, Brady Dougan, Oswald Grübel oder Marcel Ospel schaffen es mit ihren geschätzten Vermögen zwischen 100 und 200 Millionen Franken auf der Reichstenliste gerade mal auf die Unter-ferner-liefen-Ränge. Unsere Bankmanager sind also im besten Fall die Armen unter den Reichen.

Im Grunde gibt es nur einen Banker – wenn diese Berufsbezeichnung überhaupt auf ihn zutrifft –, der es auch dieses Jahr in die Top Ten der Superreichen schafft: Fürst Hans-Adam von und zu Liechtenstein. Ihn Millionär zu nennen, wäre eine Beleidigung. Auf 7 bis 8 Milliarden Franken schätzt die «Bilanz» sein Vermögen. Anders als die Schweiz hat Liechtenstein den Steuerstreit mit seinen Nachbarn geregelt. Davon profitiert auch die Fürstenbank LGT.

Hans-Adam ist sehr wohl Fürst, unbestrittener Kaiser unter den Superreichen ist und bleibt aber wie die Jahre zuvor mit einem Vermögen zwischen 38 und 39 Milliarden Franken ein anderer: der 86-jährige Schwede Ingvar Kamprad. 3 Milliarden hat er gegenüber dem Vorjahr zugelegt. Seinem Möbelhaus Ikea scheint das schlechte Wirtschaftsklima nichts anzuhaben.

Der eigentliche Aufsteiger unter den Superreichen ist aber Jorge Paulo Lemann, Sohn eines nach Brasilien ausgewanderten Emmentaler Käsehändlers, heute den grösseren Teil des Jahres am Zürichsee verbringend. Laut «Bilanz» vermochte Lemann sein Vermögen innerhalb eines Jahres um 10 auf 17 bis 18 Milliarden Franken zu steigern. Zu verdanken hat er das vor allem seiner Beteiligung am weltgrössten Braukonzern Anheuser-Busch Inbev, dessen Aktien innerhalb eines Jahres um rund 80 Prozent zulegten. Lemann hat sich damit auf Platz zwei der Superreichen in der Schweiz gesetzt – vor die Roche-Erben-Familien Hoffmann und Oeri und den russischen Oligarchen Viktor Vekselberg.

In der Liste der Superreichen tauchen selbstverständlich auch neue Namen auf – darunter so illustre wie jener von Christian Constantin, Präsident des FC Sion. Constantin – mit einem Vermögen zwischen 200 und 300 Millionen Franken – macht sein Geld als Immobilienentwickler, indem er etwa unrentable Berghotels zu Wohnungen umbaut. 2013 ist der Spatenstich für einen Gebäudekomplex in Form eines Matterhorns in der Wüste von Katar vorgesehen. Dass dieser Komplex auch als Erholungsheim für die von Constantin in die Wüste geschickten Fussballtrainer dienen soll, ist bloss ein Gerücht.

Neu in der Klasse der 100 bis 200 Millionen Habenden findet sich der Name Läderach, also jener des Glarner Schokoladeproduzenten im Premiumbereich. Was vor 50 Jahren im Kleinen begann, verkauft sich heute über die USA und Kuwait bis in den Fernen Osten und ist offensichtlich hoch rentabel. Der Name Läderach zeigt, dass man nicht Bankier sein muss, nicht am Zürich- oder Genfersee wohnen muss und auch kein russischer Oligarch zu sein braucht, um es in die Reihen der 300 reichsten Schweizer zu schaffen.

Und wer es weder mit Schoggi noch mit einem Lottotreffer in die Gilde der Millionäre schafft, dem bleibt immerhin ein Trost: Mit Geld lässt sich vieles kaufen, aber nicht alles. Auch Millionäre sind sterblich. Einige der Superreichen wurden im laufenden Jahr zu Grabe getragen – etwa der Berner Medienmann Charles von Graffenried, der Autohändler Walter Haefner oder der Waffenfabrikant Dieter Bührle.

Erstellt: 30.11.2012, 06:16 Uhr

Rang Name Mrd. CHF

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