Hoeness-Prozess: Anklage wehrt sich

Weshalb ging die Münchner Staatsanwaltschaft im Fall Hoeness nicht in Revision? Fragen blieben auch nach dem Richterspruch offen und gaben Anlass zu Spekulationen. Nun nimmt die Anklage Stellung.

Besass laut Staatsanwaltschaft keine weiteren Konten in der Schweiz: Uli Hoeness kommt am letzten Prozesstag vor dem Gericht an.

Besass laut Staatsanwaltschaft keine weiteren Konten in der Schweiz: Uli Hoeness kommt am letzten Prozesstag vor dem Gericht an. Bild: Keystone

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Eine Woche ist es her, seit Uli Hoeness wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Der Fall des ehemaligen FC-Bayern-Präsidenten war damit aber noch nicht zu Ende: drei Tage später gab die Staatsanwaltschaft München bekannt, das Urteil nicht an die nächste Instanz weiterzuziehen.

Obwohl damit der Prozess ein Ende fand und das Urteil rechtskräftig wurde, schienen viele Fragen offen zu bleiben. Auch der «Tages-Anzeiger» blieb kritisch. Unter dem Titel «Zweifel an seiner Version» wurde aufgelistet, was gegen den Fussballmanager spricht.

Diese Woche äusserte sich zusätzlich im «Stern» noch ein anonymer Informant zu den Hoeness Geldern. Nicht 155, sondern über 400 Millionen Euro seien demnach zeitweise über das Konto von Hoeness geflossen.

Dies gab Anlass zu einer Reihe von Fragen. Warum war der Prozess so kurz? Wollte die Justiz einen Informanten gar nicht anhören? Handelte es sich bei Hoeness' Konto womöglich um eine schwarze Kasse des FC Bayern? Gegenüber der «Süddeutschen Zeitung» hat die Staatsanwaltschaft München nun nochmals zum Fall Stellung genommen.

«Es hat hier keiner angerufen»

Gegen den Vorwurf, man habe gar nicht alles so genau wissen wollen, wehrt sich Sprecher Ken Heidenreich vehement: «Wir haben das Verfahren so geführt, dass wir uns nicht verstecken müssen.» Es habe auch keine politische Einflussnahme gegeben, so Heidenreich weiter. «Es hat hier keiner angerufen.»

Auch Spekulationen bezüglich einer schwarzen Kasse erteilt der Sprecher der Staatsanwaltschaft eine Absage. Es gebe schlicht keine Anhaltspunkte, dass es sich um ein FC-Bayern-Konto handle. Durch die Bankdaten hätten sie einen vollständigen Überblick über die Vermögensentwicklung auf dem Konto erhalten. «Auch die Herkunft der Mittel ist restlos aufgeklärt. Wir haben lückenlos recherchiert, woher das Geld kam.»

Demnach lagen 2001 auf Uli Hoeness' Vontobel-Konto insgesamt 30,2 Millionen Euro. 11,2 Millionen, die von einem anderen Konto transferiert worden waren. 20 Millionen, die Hoeness vom früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus erhalten hatte. Mit diesem Vermögen, so die «Süddeutsche Zeitung», sei es durchaus möglich gewesen, dass Hoeness mit Geschäften jene 155 Millionen Euro erzielte, die zwischenzeitlich auf seinem Konto lagen.

Keine weiteren Konten

Zu guter Letzt widerspricht Ken Heidenreich auch jener Angabe des «Stern»-Informanten, wonach weitere Geldbeträge auf Konten der Credit Suisse und Julius Bär überwiesen wurden. Gemäss Heidenreich gibt es keine Anhaltspunkte für weitere Geheimkonten von Hoeness. (kpn)

Erstellt: 21.03.2014, 16:26 Uhr

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