In 500 Gemeinden fallen die Preise

Neue Zahlen der Beratungsfirma Wüest & Partner zeigen, dass das Feuer im Immobilienmarkt langsam erlischt. Dies trotz weiterhin grosser Nachfrage in den urbanen Zentren.

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Der Immobilienmarkt weist keinen klaren Aufwärtstrend mehr auf. Dies geht aus dem neuen Monitoring von Wüest & Partner hervor. Gemäss der viel beachteten Erhebung verzeichneten 400 von 2400 Schweizer Gemeinden im vergangenen Jahr sogar fallende Preise für Einfamilienhäuser. Eigentumswohnungen wurden in 500 Gemeinden günstiger.

Als Resultat mussten Wohneigentumsbesitzer schweizweit 9 Milliarden Franken an Wertminderungen in Kauf nehmen, schreiben die Immobilienberater. Besonders im zweiten Halbjahr habe die Dynamik auf dem Immobilienmarkt nachgelassen, sagt Robert Weinert von Wüest & Partner. Den Abwertungen stehen 88 Milliarden Franken an Aufwertungsgewinnen gegenüber, was darauf hindeutet, dass die Preise in der überwiegenden Zahl der Gemeinden noch immer zulegten.

Kurswechsel in Genf

Auffallend sind die geografischen Muster: Ausser dem Kanton Schaffhausen gab es 2013 keine einzige Region, in der Eigentumswohnungen flächendeckend teurer wurden. Uneinheitlich entwickelten sich beispielsweise die Gemeinden um Zürichsee und Vierwaldstättersee sowie jene im Südtessin und im Kanton Genf. Dies im Gegensatz zum Jahr 2012, als sämtliche der dortigen Gemeinden noch starke Preisanstiege verzeichneten.

Sanfte bis deutliche Zuwüchse waren damals auch im Kanton Basel-Land registriert worden – anders als im jüngsten Beobachtungszeitraum, in dem die Preise mehrheitlich fielen. Sogar in der Stadt Zürich wurden Eigentumswohnungen übers Jahr 2013 gesehen billiger: Ein Zeichen dafür, dass es auf dem Immobilienmarkt nicht mehr automatisch nach oben geht. In der Region Genfersee, einem Immobilien-Hotspot, fielen die Preise erstmals seit 1998, und zwar um 2,6 Prozent.

Realistisches Soft Landing?

Weil sich die Dynamik schweizweit abgeflacht hat, rechnet Wüest & Partner im kommenden Jahr noch mit einem Preisanstieg von 0,8 Prozent bei Eigentumswohnungen. Dies, nachdem in den vergangenen fünf Jahren stets Raten zwischen 3 und 6 Prozent verzeichnet worden waren. Die Einfamilienhauspreise, die in der Vergangenheit schwächer gestiegen waren, sollen nun mit einem Wachstum von 1,8 Prozent hinlegen. Bei den Büroflächen, wo sich der Markt schon früher abgekühlt hatte, werden Mietpreisabnahmen von 2,6 Prozent erwartet.

Die naheliegende Interpretation dieser Daten lautet: Der Immobilienmarkt steuert auf eine sanfte Landung zu. Dieses allgemeine Wunschszenario würde bedeuten, dass die Luft aus der Immobilienblase langsam entweicht. Die Marktpreise würden stagnieren oder leicht fallen und so wieder näher an ihr Fundamentalniveau herangeführt. Somit würde das Risiko einer abrupten Korrektur und den damit einhergehenden Problemen bei Banken und Hypothekarschuldnern nach und nach verringert. «Momentan spricht vieles für dieses Szenario», sagt Robert Weinert.

Kurzfristig dürften laut Wüest & Partner die Preise durch die rege Bautätigkeit im Bereich der Eigentumswohnungen gedämpft werden, mittelfristig könnte die gekappte Zuwanderung für Entspannung sorgen. Beide Tendenzen entlasten vor allem den weiteren Siedlungsgürtel im Umfeld der Städte, wie Robert Weinert sagt. «Die Nachfrage nach Wohneigentum bleibt in den Zentren hoch.»

Zinsen verlieren an Gewicht

Ein ambivalenter Faktor sind die Hypothekarzinsen. Wie der Vergleichsdienst Comparis in seinem aktuellen Hypothekenbarometer aufzeigt, verharren diese nicht nur auf tiefem Niveau, sondern sind in den letzten Monaten sogar leicht gesunken. Dies unterstützt die Nachfrage nach Wohneigentum, wenn auch in schwächerem Masse als bisher. «Die tiefen Zinsen waren in der Vergangenheit ein starker Preistreiber», sagt Stefan Rüesch, Experte bei Comparis. «Doch sie verlieren an Gewicht.»

«Im Vergleich zur Miete zahlt sich der Wohnungskauf nach wie vor knapp aus», sagt Matthias Holzhey, Immobilienspezialist bei der UBS. Er rechnet mit einem leichten Anstieg der Zinsen im Verlauf des Jahres, vor allem bei den längeren Laufzeiten, was einige Hypothekennehmer hin zu kurzfristigen Hypotheken treiben könnte. Mit einem markanten Zinsanstieg auf breiter Front rechnet Holzhey aber nicht. Auch er verortet die preisliche Wirkung der tiefen Zinsen vor allem in der Vergangenheit. «Das hohe Preisniveau wird durch die tiefen Zinsen getragen, aber kaum weiter nach oben getrieben.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.04.2014, 18:09 Uhr

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