Hintergrund

In den USA werden die Betrüger betrogen

Amerikaner mit illegalen Offshore-Konten werden ihrerseits von Betrügern ausgenommen. Lobbyisten behindern Reformen systematisch.

Auch Ex-Präsidentschaftskandidat Romney brachte sein Geld hierher: Ein Kreuzfahrtschiff stoppt vor George Town, Cayman Islands. (1. Mai 2010)

Auch Ex-Präsidentschaftskandidat Romney brachte sein Geld hierher: Ein Kreuzfahrtschiff stoppt vor George Town, Cayman Islands. (1. Mai 2010) Bild: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Datenbank des Internationalen Konsortiums investigativer Journalisten weist die Spur zu rund 4000 amerikanischen Staatsbürgern mit Offshore-Konten. Ganz grosse Namen fehlen gemäss den Auswertungen durch die «Washington Post». Aber gegen über 30 Offshore-Kunden laufen bereits Prozesse und sind teilweise schon Urteile ergangen. Der Drang, auf Steueroasen auszuweichen, nützen Betrüger insofern aus, als sie Schwarzgeld für sich abzweigen.

Zu den prominentesten Amerikanern mit illegalen Offshore-Verbindungen gehört Hedgefonds-Manager Raj Rajaratnam, der 2011 wegen Betrugs zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. In die gleiche Kategorie fällt Paul Bilzerian, ein berüchtigter Corporate Raider der 1980er-Jahre, der ebenfalls bereits wegen Betrügereien verurteilt wurde. Bestätigt hat die «Washington Post» bei der Auswertung der US-Konten auch die illegalen Aktivitäten von Denise Rich, Ex-Frau des von Bill Clinton begnadigten Rohstoffhändlers Marc Rich. Sie versuchte, mindestens 144 Millionen Dollar in der Steueroase der Cook Islands zu verstecken.

Die «Romney-Verteidigung»

Ertappt wurde auch James S. Mellon, einer der zahlreichen Erben des Bankenimperiums Mellon. Er erklärte, seine Offshore-Konten inzwischen liquidiert zu haben – und bediente er sich der klassischen «Romney-Verteidigung». Der frühere Präsidentschaftskandidat benutze ja auch Offshore-Konten auf den Cayman-Inseln, argumentiert der Bankerbe, «doch nicht jedermann, der offshore ist, ist ein Gauner».

Romney selber taucht in den Unterlagen nicht auf. Die 2,5 Millionen Dokumente indessen erlauben nur einen sehr beschränkten Einblick in die legalen und illegalen Offshore-Stiftungen und Konten, da sie sich lediglich auf Unterlagen des Commonwealth Trust in den britischen Virgins und des Portcullis Trusnet auf den Cook-Inseln abstützen. Alles in allem dürften in Offshore-Konstrukten weltweit zwischen 21 und 32 Billionen Dollar lagern. Dies entspricht der kombinierten Wirtschaftsleistung der USA und Japans.

Aufschlussreich ist die Rolle der Vermögensberater in mehreren der US-Fälle. Sie nutzen die illegalen Geschäfte ihrer Kunden aus, um sich zu bereichern. Das Casino- und Immobilienimperium der Familie Cordish in Baltimore etwa liess sich 2006 auf einen gewissen Brian Callahan ein, einen Anwalt, der Stiftungen auf den Cook-Inseln als ideale Steuerschlupflöcher verkaufte. Die Familie transferierte schliesslich 116 Millionen in Cook-Stiftungen. Davon zapfte Callahan fast 12 Millionen für sich ab.

33,5 Millionen erschwindelt

Ein Vermögensverwalter in Texas erschwindelte auf gleiche Weise 33,5 Millionen; dies, nachdem er Steuerflüchtlinge mit Traumrenditen von 23 Prozent geködert hatte. Alles in allem prellte er 132 Kunden um einen Teil ihres Vermögens, bevor er gefasst und zu einer Haft von 20 Jahren verurteilt wurde.

Neu ist der Offshore-Betrug indessen keineswegs. Schon 1937 warnte der damalige Finanzminister Henry Morgenthau Präsident Franklin D. Roosevelt vor den Missbräuchen durch Briefkastenfirmen. «Die Unternehmen werden oft durch auswärtige Anwälte errichtet und mit Strohmännern besetzt, um die wirklich beteiligten Parteien zu verbergen.» Damals standen für US-Betrüger die Bahamas als Offshore-Oasen im Vordergrund. Heute sind es weltweit über 50 Steuerinseln, die den Vermögenden bei der Flucht helfen.

Das Bollwerk der Lobbyisten

Der Kampf gegen die Offshore-Kriminalität ist in den USA vor allem Senator Carl Levin zu verdanken. Er versucht seit Jahren unermüdlich, diese Art der Steuerflucht zu unterbinden und schärfere Gesetze durchzuboxen. Levin allerdings steht ziemlich allein da. Ihm steht ein Bollwerk von Lobbyisten der Offshore-Industrie entgegen, angeführt vom Center for Freedom and Prosperity. Das Zentrum sieht die Offshore-Gesellschaften als eine Quelle des Wohlstandes und als ein Druckmittel für tiefere Steuern. Hinter ihm stehen das konservative Cato Institute und Mitarbeiter der republikanischen Parteizentrale.

Erstellt: 08.04.2013, 09:01 Uhr

Artikel zum Thema

Regierungen verlangen Zugang zu Offshore-Leaks

Internationale Steuerfahnder und Politiker würden gerne Einblick in die umfangreichen Offshore-Leaks erhalten. Doch das Journalistennetzwerk ICIJ will die Daten nicht aushändigen. Mehr...

«Sie sollen vor der eigenen Tür wischen»

Die Offshore-Leaks-Affäre zeigt, welche Rolle Länder wie Grossbritannien oder die USA im System von Steueroasen spielen. Schweizer Politiker fordern, dass nun mehr Druck auch auf diese Länder ausgeübt wird. Mehr...

Offshore-Leaks: Der Weg zu Strafen ist lang

Hintergrund Die Namen von 130'000 Offshore-Anlegern sollen im Besitz der Medien sein. Ob diese die Daten zwecks Strafverfolgung herausgeben, ist ungewiss. Eine Schweizer Behörde hat aber bereits Interesse angemeldet. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Aufwändige Feier: Farbenfroh ist der Karneval in Macedo de Cavaleiros, Portugal. (25. Februar 2020)
(Bild: Octavio Passos/Getty Images) Mehr...