Iranisches Öl zum Discountpreis

Mit den Sanktionen gegen die iranischen Ölexporte wollen die USA den Druck auf Teheran erhöhen. Experten sind uneinig darüber, ob ein Embargo greifen wird. Skeptiker warnen gar vor einem Eigentor.

Ankerpunkt der iranischen Staatsfinanzen: Raffinerie in Mahshahr.

Ankerpunkt der iranischen Staatsfinanzen: Raffinerie in Mahshahr. Bild: Keystone

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Die USA wollen den Iran dort treffen, wo es weh tut. Nämlich beim Öl. Im Versuch, das iranische Atomprogramm zu stoppen, haben die Vereinigten Staaten den Druck auf Teheran erhöht: Jede Bank, welche im Zusammenhang mit iranischen Ölgeschäften Transaktionen tätigt, wird vom US-Geschäft ausgeschlossen. Unterstützung erhalten die Amerikaner von der EU, welche Ende Januar den Einfuhrstopp für Öl aus der islamischen Republik beschliessen will.

Die Exporte des schwarzen Goldes machen mit Einnahmen von jährlich 75 Milliarden US-Dollar den Löwenanteil des iranischen Staatsbudgets aus. Teheran soll also mit einem Embargo in die Knie gezwungen werden. Selbstverständlich wollen aber weder die USA noch die EU, dass sich die Einflussnahme in den Ölmarkt negativ auf die Benzin- und Heizölpreise auswirkt. Wie nun das Wirtschaftsmagazin «CNN Money» berichtet, herrscht aber unter Experten just in der Frage um die Auswirkungen der Ölsanktionen grosse Uneinigkeit.

China hofft auf billiges Öl

Wirtschaftsexperte Trevor Houser ist sich sicher, dass das iranische Öl weiterfliessen wird; einfach zu Discountpreisen. Der grosse Handel mit den Preisen habe nämlich längst begonnen. China, der grösste Abnehmer von Teherans Öl, hat in den vergangenen zwei Monaten seine Importe stetig reduziert. «Und dies hat bei weitem nicht damit zu tun, dass sich Peking für das Gute einsetzten will», so Houser gegenüber «CNN Money». Das sei keine Frage von Sympathie mit den USA, sondern der Versuch, von den Iranern einen besseren Preis zu erzwingen.

Der Analyst geht davon aus, dass der Preis für iranisches Öl um 10 bis 15 Prozent fallen werde. Die USA und Europa könnten sich dabei nur ins Fäustchen lachen. Denn solange der Iran auch zu Discountpreisen weiter liefert, steigt der Ölpreis auf dem Weltmarkt nicht, Teheran spürt aber dennoch die Auswirkungen des Embargos.

Golf-Öl als Ersatz

Andere Stimmen sind da skeptischer. Manouchehr Takin, Energieexperte aus London und einstiger Mitarbeiter des iranischen Ölkonsortiums unter dem Shah, ist der Meinung, dass Teheran kaum unter dem Embargo leiden werde. Auch mit geringeren Exportmengen werde das Land genügend verdienen. Schliesslich fänden sich immer solche Länder, die Sanktionen unterwandern. Im Notfall werde der Iran das schwarze Gold einfach über Mittelsmänner auf dem Schwarzmarkt verkaufen.

Der ehemalige Opec-Präsident Chakib Khelil mahnt gegenüber der «New York Times» geradezu zur Vorsicht. Die grossen Abnehmer des iranischen Öls – China, Japan und die EU – müssten während eines Embargos vermehrt auf Lieferanten wie Saudiarabien, Katar und die Emirate zurückgreifen. Doch diese Länder könnten die täglichen 2,2 Millionen Barrel iranischen Öls lediglich während eines limitierten Zeitraumes auffangen. «Die Golfstaaten könnten das iranische Öl gerade einmal einen Monat ersetzten», so Khelil. Danach könnte der Westen noch einen weiteren Monat auf eiserne Reserven zurückgreifen. «Spätestens dann herrscht aber eine Unterversorgung und der Ölpreis wird in die Höhe schnellen.» (kpn)

Erstellt: 13.01.2012, 22:32 Uhr

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