Irans Flirt mit Ägypten

Der zunehmend stärker isolierte Iran sucht neue Freunde. Nach 30 Jahren diplomatischer Eiszeit plant das Land Investitionen im Umfang von fünf Milliarden US-Dollar in Ägypten.

Bald verbrüdert? Iran sucht Freunde im arabischen Raum.

Bald verbrüdert? Iran sucht Freunde im arabischen Raum. Bild: Reuters

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Als im Iran die Mullahs 1979 an die Macht kamen, kam es auch zum Riss in der Beziehung zwischen dem Iran und Ägypten, das im gleichen Jahr den Friedensvertrag mit Israel unterzeichnet hatte. Seit dem Sturz von Langzeit-Autokrat Hosni Mubarak und vor allem seit dem Sieg der Islamisten bei den Parlamentswahlen hat Teheran verstärkt Anstrengungen unternommen, sich Ägypten anzunähern.

Den drohenden Fall des befreundeten Assad-Regimes in Syrien vor Augen, sucht der verzweifelt Iran neue Verbündete. Ägypten ist als bevölkerungsreichstes arabisches Land eine Schlüsselmacht in der Region. Ein Land, um dessen Finanzen es derzeit nicht rosig steht. Die Devisenreserven, die Anfang 2011 noch 36 Milliarden US-Dollar betrugen, wurden grösstenteils aufgebraucht, um das unter Druck stehende ägyptische Pfund zu stützen und betragen derzeit noch 10 Milliarden US-Dollar.

Touristen und Investoren bleiben fern

Seit Ausbruch der Revolution ist der Tourismus, eine der Haupteinnahmequellen des Landes, um über 30 Prozent eingebrochen. Die unsichere politische Lage hat auch die Investoren abgeschreckt. Soeben hat Ägypten einen Kredit des Internationalen Währungsfonds von 3,2 Milliarden US-Dollar angenommen. Vor weniger als einem Jahr hatten die ägyptischen Militärs einen ähnlichen Kredit noch abgelehnt: Man werde es aus eigener Kraft schaffen.

In Gefahr sind auch die jährlichen Zuschüsse der USA von 1,5 Milliarden US-Dollar. Das ägyptische Justizministerium hatte 43 Mitarbeiter von ausländischen Nichtregierungsorganisationen, darunter auch Amerikaner, beschuldigt, die Sicherheit des Landes gefährdet zu haben. Washington machte Kairo klar, dass ein Prozess gegen US-Bürger in Kairo sich auf das US-Hilfsprogramm für Ägypten auswirken könnte. In dieser Not dürfte auch iranisches Geld willkommen sein. Die staatliche Zeitung «al-Ahram» berichtete, dass eine Delegation iranischer Investoren in ein paar Tagen nach Kairo reisen werde, um über eine mögliche Zusammenarbeit in der Privatwirtschaft zu sprechen.

6000 neue Jobs dank dem Iran

Ägypten habe iranischen Investitionen im Umfang von fünf Milliarden US-Dollar zugestimmt, sagte Al-Sayed al-Aqeeli, Direktor der Arab Company for Industry and Investment gegenüber Medien (zum Artikel). Die Investitionen würden in der Auto- und Verpackungsindustrie oder in der Produktion von Gas-Zylinder rund 6000 neue Jobs schaffen. Zudem, so Aqeeli, würden Gespräche mit dem Aviatik-Ministerium stattfinden, um die Wiederaufnahme direkter Flüge zwischen den Ländern zu besprechen. Darüberhinaus könnte der Kairoer Flughafen als Transitstopp für iranische Passagiere auf dem Weg zwischen dem Iran und den USA, Asien und Afrika dienen.

Auch der darbenden ägyptischen Tourismus-Industrie will Teheran wieder auf die Beine helfen. Sobald die diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen werden, sei der Iran bereit, 5000 Touristen täglich zu senden, sagt Mojtaba Aman, Leiter des Iranischen Interessenbüros in Ägypten, gegenüber Medien (zum Artikel). Die Iraner würden «einige Probleme mit der Sicherheit» nicht weiter interessieren. «Iraner sind es gewohnt, unter widrigen Umständen zu reisen, und sie reisen locker in Gegenden wie den Irak.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.02.2012, 15:43 Uhr

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