Japans Börse sackt um 7,3 Prozent ab – auch SMI gibt nach

Nach dem Absturz der Nikkei-Aktien zeigen auch die Indizes in Europa nach unten. In Japan stoppte wegen des drastischen Absturzes sogar der Futurehandel.

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Noch bei Börsenbeginn sah in Japan alles so aus, als ob der Nikkei ein weiteres Rekordhoch erklimmen würde. Am Morgen japanischer Zeit lag der Börsenindex mit rund zwei Prozent im Plus. Dann folgte der grosse Ausverkauf, zwischenzeitlich sackten die Kurse vom Tageshöchststand um rund acht Prozent nach unten. Zu Börsenschluss notiert der Nikkei 225 bei 14'483,98 Punkten, 7,32 Prozent tiefer als am Vortag.

Es ist der grösste Absturz der japanischen Börse seit dem 15. März 2011. Dem Tag, an dem die japanische Börse nach der Tsunami-Katastrophe wieder öffnete. Der Futurehandel in Osaka wurde zwischenzeitlich gestoppt. Experten erwarten nun auch Verluste an der Schweizer Börse. Der SMI eröffnete denn auch bei Minus 1,9 Prozent und verlor bis Mittag fast 3 Prozent. Zu den grössten Verlierern zählen die Luxuswerte von Richemont und Swatch sowie UBS, die rund drei Prozent nachgeben.

Die europäischen Börsen leiden mit: Ein Kurseinbruch an den asiatischen Börsen hat die europäischen Handelsplattformen in Mitleidenschaft gezogen und für deutliche Verluste gesorgt. Der EuroStoxx 50 lag am späten Vormittag 2,30 Prozent tiefer bei 2769,68 Punkten. Der Cac 40 in Paris verlor 2,18 Prozent auf 3962,61 Punkte. Für den Londoner FTSE 100 ging es um 1,72 Prozent auf 6722,60 Punkte nach unten.

Abgeben mussten an Japans Börse vor allem Exportwerte, die in den vergangenen Wochen besonders von der Yen-Schwäche profitiert hatten. So gaben die Aktien des Elektronikriesen Sony 5,7 Prozent nach. Die Titel des Rivalen Panasonic verloren 6,8 Prozent. Der Autobauer Suzuki büsste 8,7 Prozent ein. Auch Finanzwerte wurden gebeutelt. Die Aktien der Grossbank Mitsubishi UFJ rutschen um 9,3 Prozent ab.

Fed und China belasten US-Börsen

Schwache Konjunkturdaten aus China und anhaltende Spekulationen über ein baldiges Ende der ultra-lockeren US-Geldpolitik haben auch die Wall Street belastet. Nach den kräftigen Kursanstiegen in den vergangenen Tagen und Wochen hätten die Anleger die negativen Nachrichten für Gewinnmitnahmen genutzt, sagten Händler. Da half es wenig, dass die US-Arbeitsmarktdaten und die Quartalszahlen des Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP) überraschend freundlich ausfielen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte eröffnete mit 15'207 Punkten 0,6 Prozent tiefer. Der breiter gefasste S&P-500 gab 1,2 Prozent auf 1636 Zähler nach. Der Index der technologielastigen Nasdaq verlor 0,9 Prozent auf 3430 Stellen.

Gewinnmitnahmen

Hintergrund der Kursverluste dürften Sorgen der Anleger um die Weiterführung der expansiven Geldpolitik der Notenbanken sein, ebenso wie Gewinnmitnahmen. «Höhere Zinsen ist das Tagesthema», sagt der japanischen Fondsmanager Tomomi Yamashita zu Bloomberg. Gewinnmitnahmen würden bei hoher Volatilität zunehmen, so der Banker, die Anleger suchten dann das Risiko zu vermindern. Mitschuld für den Kurssturz dürften auch enttäuschende Konjunkturdaten aus China sein. Erstmals seit sieben Monaten schrumpfte im Mai die Industrieproduktion.

Die Theorie der «Great Rotation» wurde als Grund für die Gewinne der letzten Monate angegeben, sagt Analyst Tsutomu Yamada in Tokio zu Bloomberg. Demnach wurden Anleihen verkauft und Aktien gekauft und zwar in horrendem Tempo. Jetzt sehe es aber so aus, also ob man damit zu weit gegangen sei.

Unklare Signale aus den USA

Der Nikkei-Index hatte vor dem heutigen Absturz seit Jahresbeginn rund 45 Prozent zugelegt. US-Notenbankchef Ben Bernanke hatte gestern zwar noch eine Weiterführung der Geldschwemme in Aussicht gestellt.

Das hatte die US-Aktienmärkte zunächst auf neue Rekordstände getrieben. Nach einem Höhenflug der Aktienkurse im Verlauf setzten im späten Geschäft Verkäufe ein. Auslöser war die Veröffentlichung des Zinsprotokolls der US-Notenbank. Daraus ging hervor, dass einige Fed-Mitglieder das Bond-Aufkaufprogramm schon ab Juni zurückfahren wollen, wenn sich das Wachstum der US-Wirtschaft nachhaltig gebessert habe.

Macht das Fed den ersten Schritt?

«Es würde nicht überraschen, wenn das Fed als erste Notenbank sein Programm des billigen Geldes beendet», sagt Devisenhändler Leo Chan in Hongkong zu Bloomberg. Dies, weil sich die US-Wirtschaft in den letzten Monaten stabilisiert habe.

Auch an den übrigen asiatischen Märkten ging es bergab, wenngleich die Rückgänge deutlich moderater ausfielen. Der MSCI-Index für die asiatischen Aktienmärkte ausserhalb Japans lag 2,6 Prozent im Minus. Die Börse in Shanghai notierte 1,2 Prozent tiefer, der Markt in Hongkong 2,6 Prozent. In Seoul schloss der Leitindex 1,2 Prozent im Minus. Die Börse in Sydney verlor 2 Prozent.

Der Dow-Jones -Index mit den 30 Standardwerten schloss 0,5 Prozent tiefer auf 15'307 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 liess 0,8 Prozent auf 1655 Zähler nach. Der Nasdaq sank 1,1 Prozent auf 3463 Punkte.

Erstellt: 23.05.2013, 07:51 Uhr

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