Lego – eine Musterfirma baut ab

Der profitabelste Spielzeughersteller der Welt fährt plötzlich einen Sparkurs. 1800 Jobs fallen weg. Warum?

Schlechte Aussichten für die Belegschaft: Lego will die Organisation noch vor Jahresende verkleinern. (Foto: iStock)

Schlechte Aussichten für die Belegschaft: Lego will die Organisation noch vor Jahresende verkleinern. (Foto: iStock)

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Lego ist mit den fast schon universell zusammenbaubaren Klötzchen nicht nur eine Erfolgsgeschichte im Spielwarenbereich, das Familienunternehmen galt bisher auch als Vorzeigeunternehmen in Sachen Erfolgsmanagement. Das Unternehmen stand im Jahr 2003 vor dem Bankrott und ist seither zum profitabelsten Spielwarenunternehmen der Welt aufgestiegen.

Fachbücher und wissenschaftliche Artikel wurden zu diesem Wunder verfasst. Noch bis Ende des letzten Jahres blieben die Unternehmenszahlen äusserst beeindruckend: Für 2016 hat das Unternehmen aus dem dänischen Billund erneut ein Rekordresultat vermeldet. Auf 9,4 Milliarden Dänische Kronen (1,4 Milliarden Franken) belief sich der Nettogewinn, noch 2012 waren es erst 5,6 Milliarden Kronen (857 Millionen Franken).

Die grosse Ernüchterung

Doch jetzt bekommt die Erfolgsgeschichte einen argen Dämpfer: Im ersten Halbjahr 2017 ist der Umsatz von Lego um 5 Prozent auf 14,9 Milliarden Kronen (2,9 Milliarden Franken) eingebrochen und der Gewinn um rund 3 Prozent auf 3,4 Milliarden Kronen (521 Millionen Franken). Und das sieht man beim Spielwarenproduzenten nicht als einmaligen Ausrutscher, sondern vielmehr als Ausdruck tieferliegender Probleme. «Wir haben den ‹Reset-Knopf› gedrückt», sagt Jorgen Vig Knudstorp, der Mann, der Lego nach dem drohenden Ende 2003 wieder erfolgreich gemacht und bis Ende letzten Jahres den Konzern geleitet hat. Seither amtet er als Verwaltungsratspräsident.

Seine Analyse der Managementstrukturen bei Lego ist weit weniger euphorisch als jene der Fachpresse. In den letzten Jahren sei das Unternehmen zu einer immer komplexeren Organisation geworden, was jetzt einem weiteren Wachstum im Wege stehe, schreibt er in einer Mitteilung. Jetzt gehe es darum, das Geschäftsmodell und die Organisation zu vereinfachen und zu verkleinern, «um mehr Kinder zu erreichen». Für die Lego-Beschäftigten sind das keine guten Nachrichten. Rund 1800 Jobs, etwa 8 Prozent der insgesamt 18’200 Personen umfassenden Lego-Belegschaft, sollen abgebaut werden, der grösste Teil davon noch vor Ende Jahr. Viele wurden überhaupt erst in den letzten Jahren im Zuge eines rasenden Wachstums eingestellt.

Video: Zürcher Schüler brillieren mit Lego-Roboter

Auch seinen seit Jahresbeginn an der Unternehmensspitze amtierenden Nachfolger als Konzernchef tauscht der einstige McKinsey-Berater Knudstorp bereits wieder aus: Der 61-jährige Bali Padda soll auf den 1. Oktober durch den 51-jährigen Nils Christiansen ersetzt werden, der zuvor das ebenfalls dänische Technologieunternehmen Danfoss geleitet hat.

Die Dramatik der Veränderungen und der Lego-Verlautbarungen passt auf den ersten Blick schlecht zu den ausgewiesenen Zahlen, selbst für das schwächere erste Halbjahr 2017. Auf keinen Fall ist die Lage vergleichbar mit jener im Jahr 2003, als das Unternehmen vom Bankrott bedroht war und selbst in den Folgejahren noch gigantische Verluste schrieb. Das dänische Spielzeugunternehmen bleibt auch mit den jüngsten Zahlen das profitabelste der Welt. Die Nettomarge beläuft sich noch immer auf hohe 23 Prozent, und die Bilanz ist mit einer Eigenkapitalquote von rund 70 Prozent und flüssigen Mitteln, die die Schulden übersteigen, sehr gut gepolstert.

Angst vor der Trendumkehr

Doch das ist für Unternehmenschef Knudstorp kein Grund zur Beruhigung. Er selbst hat bei Lego erlebt, was droht, wenn man sich als Unternehmen auf dem Erreichten ausruht. Entsprechend hat er das Unternehmen schon einmal massiv umgekrempelt, und das mit Erfolg: Mit ihm als CEO ist der Spielzeughersteller nach dem Fast-Zusammenbruch etwa ins Filmbusiness eingestiegen, unter anderem mit dem Erfolgsstreifen «Lego Movie» aus dem Jahr 2014. Weiter hat Lego eine ganze Reihe neuer Produktlinien wie «Lego Star Wars» oder «Ninjago» lanciert. Ausserdem bietet Lego auch eine Reihe von Apps und Computerspielen an.

Eine Trendumkehr will Jorgen Vig Knudstorp jetzt keineswegs hinnehmen. Eine solche zeichnet sich vor allem in den etablierten Lego-Märkten USA und in Teilen von Europa ab, wo die Umsätze aktuell rückgängig sind. Ein weiteres zweistelliges Wachstum bleibt sein Ziel. Aktuell schafft das Lego nur gerade in China.

Letztlich gehe es aber Lego mit seinen Wachstumsplänen nicht nur um Gewinne, schreibt Knudstorp, sondern um die Entwicklung der Kinder auf dieser Welt: «Wir glauben, unser wichtigster Beitrag für die Gesellschaft besteht darin, den Kindern kreative Lego-Spielerfahrungen zu ermöglichen, denn diese sind wichtig für ihr Lernen und ihre Entwicklung.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.09.2017, 13:20 Uhr

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