Lichter funkeln im Euroraum

Der Euro fällt von einem Tief zum nächsten. Trotzdem sehen Ökonomen alles andere als schwarz für die Währungsunion. Die Gründe.

Endlich soll es aufwärtsgehen: Hologramm auf einer Euronote.

Endlich soll es aufwärtsgehen: Hologramm auf einer Euronote. Bild: Keystone

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Der Euro fällt – die Wirtschaftserwartungen in Europa steigen. So widersprüchlich diese Entwicklung ist, so gut lässt sie sich laut Ökonomen erklären. Deren Prognosen werden zusehends optimistischer, obwohl die Einheitswährung an der Börse laufend Terrain verliert (am Wochenende wurde der Euro zu unter 1.05 Dollar gehandelt, bald soll die Parität erreicht sein). Mehrere Gründe könnten den Aufschwung in Europa antreiben.

  • Der schwache Euro selbst.
    Er ist der offensichtlichste Faktor, der für eine Erholung spricht. Einer Modellrechnung der OECD zufolge müsste die 20-prozentige Euroabwertung rund 1,4 Prozent an zusätzlichem Wachstum generieren. Dies, weil Exporte aus Europa für den Rest der Welt billiger werden. UBS-Ökonom Ricardo Garcia hält diese Zahl zwar im aktuellen Umfeld für etwas hoch gegriffen, rechnet aber trotzdem mit einer positiven Wirkung.
  • Bessere Kreditkonditionen.
    EZB-Zahlen zufolge hat die Kreditvergabe an Haushalte und Banken zugenommen. Parallel dazu sind die Zinsen gesunken: in Ländern wie Italien bereits länger, weil der Staat dort lang ausstehende Rechnungen an Lieferanten beglichen hat, über die letzten Monate auch in Spanien. Das bedeutet im Endeffekt, dass es für Unternehmen wieder einfacher wird, Investitionen zu tätigen.
  • Niedrige Ölpreise.
    Von ihnen dürften vor allem die Haushalte profitieren. Dass sie zunehmend wieder Vertrauen fassen, darauf deuten auch jüngste Umfrageresultate hin. Konsumenten spüren die günstige Preisentwicklung auf dem Rohstoffmarkt, die sich in niedrigen Inflationsraten niederschlägt, auch im Portemonnaie.

Die Entwicklungen sind (mit Ausnahme des Ölpreises) auch eine Folge der von der Europäischen Zentralbank eingeschlagenen Politik. Ihr QE-Programm zum Ankauf von Wertpapieren auf dem Finanzmarkt hat die Zinsen nach unten getrieben und den Euro schwach gemacht. Wichtig, weil vertrauensbildend, dürften laut dem UBS-Eurozonenspezialisten Ricardo Garcia auch die Bankenstresstests gewesen sein, die zum Start der Bankenunion im Herbst abgeschlossen wurden.

«Die EZB hat mit dem Timing ihrer Massnahmen ein glückliches Händchen bewiesen», sagt Garcia. Ihm zufolge sollte die Eurozone vor allem im zweiten Halbjahr 2015 stärker auf Touren kommen, sodass das BIP-Wachstum von derzeit 0,9 Prozent auf 1,9 Prozent bis Ende Jahr katapultiert würde. Die Schätzung liegt nicht allzu weit entfernt von der jüngsten Prognose der EZB, die gemäss Angaben an der letzten Pressekonferenz vom 5. März mit einem Jahreswachstum von 1,5 Prozent rechnet.

Zwei gute Jahre stehen bevor

Optimismus unter Beobachtern kam zuletzt auch am Freitag auf, als Deutschland überraschend hohe Wachstumsdaten vermeldet hatte. «Der Aufschwung in der Eurozone ist in einem besseren Zustand als erwartet», sagte daraufhin etwa der Ökonom Thomas Harjes von Barclays gegenüber der «Financial Times».

Bei der UBS rechnet Ricardo Garcia damit, dass Europa ein bis zwei ausserordentlich gute Jahre bevorstehen, in denen das Trendwachstum übertroffen wird. Dies, sofern sich die derzeitigen Risiken – politische Unsicherheiten rund um die Ukraine sowie ein Austritt von Griechenland aus der Eurozone – nicht materialisieren.

Über diesen Horizont hinaus mutet das langfristige Wachstumspotenzial in Europa, das die UBS mit 1 Prozent angibt, allerdings eher bescheiden an. Probleme bestünden etwa in der nachteiligen Demografie auf dem alten Kontinent. Ob es der Eurozone gelingt, die hohe Arbeitslosigkeit nachhaltig zu senken, bleibt somit trotz günstiger Börsenentwicklung und konjunkturellem Zwischenspurt fraglich. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.03.2015, 14:01 Uhr

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