Lohndumping bei 42 Prozent der ausländischen Betriebe

Flankierende Massnahmen: Schweizer Kontrolleure sahen 2012 deutlich mehr Verstösse gegen vereinbarte Mindestlöhne. Es wurden auch mehr Kontrollen durchgeführt.

Die Baubranche steht häufig im Lohndumping-Verdacht: Ein Arbeiter auf einem Hausdach. (Archivbild Keystone)

Die Baubranche steht häufig im Lohndumping-Verdacht: Ein Arbeiter auf einem Hausdach. (Archivbild Keystone)

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Im vergangenen Jahr sind in der Schweiz wiederum mehr Kontrollen der Lohn- und Arbeitsbedingungen vorgenommen worden. 39'000 Betriebe und 152'000 Personen wurden kontrolliert. Die Zahl der Verstösse bei den Entsendebetrieben stieg in einigen Branchen stark an.

Die Kontrollorgane vermuteten in Branchen mit einem Gesamtarbeitsvertrag bei 42 Prozent der kontrollierten Entsendebetriebe einen Verstoss gegen die Mindestlohnbedingungen, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco am Freitag mitteilte. Das ist eine Zunahme um 9 Prozent. Auch bei knapp einem Viertel der Schweizer Betriebe wurden Verstösse vermutet.

«Gezieltere und wirksamere Bekämpfung»

Insgesamt wurden deutlich mehr Kontrollen durchgeführt als in der Entsendeverordnung gefordert. Diese sieht jährlich 27'000 Kontrollen vor. «Die Professionalisierung der Kontrollorgane führt zu einer gezielteren und wirksameren Bekämpfung von Lohnunterbietungen», teilte das Seco mit.

Im Jahr 2012 wurden rund 203'000 Personen für Einsätze von weniger als 90 Tagen in der Schweiz gemeldet. Dies entspricht einem Anstieg von 13 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor. Knapp 50 Prozent dieser meldepflichtigen Personen waren Dienstleistungserbringer. Bei den übrigen Personen handelte es sich um kurzfristige Stellenantritte bei Schweizer Arbeitgebenden. Die meisten Einsätze der meldepflichtigen Personen sind kurz, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei rund 40 Tagen.

Die flankierenden Massnahmen sehen unter anderem die Kontrolle der Einhaltung der minimalen oder üblichen Lohn- und Arbeitsbedingungen am Arbeitsort vor. Gemäss den Erfahrungen der Vorjahre wird gegen rund einen Drittel der Betriebe, bei denen ein Verstoss gegen die Mindestlohnbedingungen vermutet wird, letztendlich eine Konventionalstrafe verhängt. (rub/sda)

Erstellt: 26.04.2013, 10:27 Uhr

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